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"Ein Stück Oberschwaben" auf der Schwäbischen Alb

Das Schopflocher Torfmoor ist "ein Stück Oberschwaben auf der Alb" und als einziges Hochmoor im Jura ein Juwel. Es zu erhalten haben sich der Schwäbische Albverein und die Torfmoor-Schopfloch-Stiftung auf ihre Fahnen geschrieben.

RICHARD UMSTADT

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LENNINGEN Einer, der sich für das Torfmoor verkämpft und unermüdlich die Werbetrommel rührt, ja, man könnte es fast als sein Lebenswerk bezeichnen, ist der Ehrengauobmann des Teck-Neuffen-Gaus im Schwäbischen Albverein, Heinz Dangel, 82. In seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Torfmoor-Schopfloch-Stiftung, die es seit 1983 gibt, focht er bereits so manchen Strauß zu Gunsten des kostbaren Landstrichs am Otto-Hoffmeister-Haus aus.

Sein Motto war schon immer "Grundbesitz ist der beste Naturschutz" und getreu dieser Devise kauften die Wanderfreunde und die Torfmoor-Stiftung ein Gütle ums andere dort, wo der Haarblättrige Hahnenfuß und der Fieberklee blühen, die Moorbirke und die Zitterpappel wachsen, das Schmalblättrige Wollgras weiß in der Sonne leuchtet und das Braunkehlchen singt. Über 30 Hektar des 50,4 Hektar großen Naturschutzgebiets sind im Besitz des Schwäbischen Albvereins, viereinhalb davon gehören der Torfmoor-Schopfloch-Stiftung. Doch damit will und kann sich Heinz Dangel nicht zufrieden geben. Zur Arrondierung des wertvollen Moors auf der Schopflocher Alb und zu dessen praktischem Schutz fehlen noch etliche Wiesen.

Eine Naturschutzverordnung auf dem Papier ist nur dann etwas wert, wenn bei allen Beteiligten beziehungsweise Betroffenen die Einsicht vorhanden ist, dass dieses Gebiet tatsächlich ein schützenswertes Gut darstellt. Dem stehen nicht selten wirtschaftliche oder private Interessen umliegender Agrarbetriebe entgegen. So ist neben dem Durchsetzungsvermögen auch Überzeugungskraft notwendig, um in der Sache erfolgreich zu sein. Das weiß nicht nur Heinz Dangel, davon sind auch seine Vorstandskollegen, der Lenninger Bürgermeister Michael Schlecht sowie das neue Vorstandsmitglied, SAV Teck-Neuffen-Gauvorsitzender Gerhard Böhringer, überzeugt.

"Wir suchen nicht die Konfrontation, sondern vielmehr die Kooperation", sagt Dr. Wolfgang Wohnhas, der Leiter des Naturschutzzentrums Schopflocher Alb, das das Torfmoor fachlich im Auftrag des Regierungspräsidiums betreut. Inzwischen gebe es auch keine Probleme mehr durch eine Düngung der Nachbargrundstücke. Deren Pächter und Besitzer verzichten freiwillig auf die Güllefahrt über die Wiesen am Rande des Moors und erhalten dafür vom Land einen finanziellen Ausgleich.

Dass das Torfmoor nichts von seiner Attraktivität eingebüßt hat, beweist die große Zahl der Besucher. 70 000 Naherholungssuchende, Naturliebhaber und Ausflügler wanderten im vergangenen Jahr über den zentralen Schwellenweg ins Moor, der im Oktober 2003 rollstuhlgerecht ausgebaut wurde.

Um das empfindliche Ökosystem des Torfmoors am Leben zu halten, sind immer wieder Pflegeeinsätze notwendig. Wurde im 17. Jahrhundert im Ried Torf gestochen, daher auch der Name Torfgrube, und in späteren Jahren versucht, durch Entwässerungsgräben das Moor trockenzulegen, um noch mehr Land bewirtschaften zu können, so verlaufen heute die Schutzmaßnahmen in umgekehrter Richtung. Wie der Mensch ist auch das Torfmoor auf Wasser angewiesen und die Rettung in höchster Not heißt daher "Wiedervernässung".

Im Jahr 2000 bauten im Rahmen eines Team-Trainings Mitarbeiter der Daimler-Chrysler AG die ersten Spundwände ein. Wände aus Holzdielen wurden in den Boden eingebaut, um das Abfließen des Wassers zu verhindern. Dies reichte jedoch nicht aus, denn der trockene Sommer des Jahres 2003 traf das Ried an seinem Lebensnerv. Deshalb wurde ein weiterer unterirdischer Schutzdamm in einen ehemaligen Entwässerungsgraben eingelassen. Um genaue Erkenntnisse über die ideale Lage für die Dämme gewinnen zu können, waren den Bauarbeiten eine Reihe hydrologischer Untersuchungen vorausgegangen.

Um weitere Projekte zur Rettung der Torfgrube optimal auf die ökologischen Bedürfnisse des Gebiets abstimmen zu können, werden die Reaktionen des Moors auf die verschiedenen Maßnahmen beobachtet. Das Naturschutzzentrum, das an den Rettungsmaßnahmen federführend beteiligt war, will das Ried auch langfristig vor Austrocknung und Verdunstung schützen. Freilich wird noch einige Zeit vergehen, bis das Hochmoor, entstanden vor rund 17 Millionen Jahren, wieder seine ursprüngliche Form aufweist.

Dennoch, oder gerade aufgrund des persönlichen Einsatzes des Stiftungsvorsitzenden Heinz Dangel und der fachlichen Begleitung des Naturschutzzentrums Schopflocher Alb, prophezeit Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht er gehört seit 1999 dem Vorstand an dem "Kleinod" am Otto-Hoffmeister-Haus eine gute Zukunft. Und die könnte auch mit der Aufnahme ins geplante Biosphären-Reservat der UNESCO zusammenhängen. Schlecht jedenfalls läge viel daran, das Schopflocher Torfmoor im Reservat unterbringen zu können. "Das könnte eine neue Finanzquelle für uns sein."