Lokales

Ein Tabuwort macht die Runde

Oberliga: Das Tabuwort feiert ein Comeback. Zur Saison 2006/07 wird beim Verbandsligisten VfL Kirchheim erstmals seit gut drei Jahren wieder offen vom Ziel "mittelfris-tiger Aufstieg" gesprochen die Visionäre haben wieder die Oberhand an der Jesinger Allee.

Wo noch vor etwas mehr als sechs Monaten die Angst vor dem Fall in die Landesliga umging und jener für manchen Schwarzseher gar schon beschlossene Sache schien, arbeiten nun hinter den Kulissen die neuen Macher der VfL-Fußball-Abteilung eifrig an einer sportlich erfolgreiche(re)n Zukunft.

Das Stimmungshoch war vor allem dem sportlichen Höhenflug in der Rückrunde der vergangenen Spielzeit zu verdanken. Es war zum einen das beeindruckende Punktesammmeln, was der geneigten Anhängerschaft imponierte. Aber, wohl mittelfristig gesehen viel wichtiger: Das Team um den zuweilen recht eigenwilligen Trainer Michael Rentschler scheint sich in wahrsten Sinne des Wortes gefunden zu haben. Was dabei am meisten auffällt: Die Mannschaft entwickelte sich in der vergangenen Saison in erster Linie im spielerischen Bereich weiter. Wo noch vor nicht allzulanger Zeit die Bälle aus der Deckung unkoordiniert nach vorne gedroschen wurden, gab es zuletzt immer mehr sehenswerte und bisweilen auch effektivere Lösungen im Spielaufbau und einen häufig erfolgreichen Abschluss.

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Rentschler profitiert ohne Zweifel davon, dass der Kern des Kaders seit zwei Jahren fast derselbe ist und in der Winterpause der vergangenen Saison gezielt (Heilemann, Ferenz, Gühring) verstärkt wurde. Und: Das Team ist reifer geworden. Aus den Teenagern der Saison 2004/2005 als der VfL als Abstiegskandidat Nummer eins gehandelt wurde sind nun fast schon gestandene Verbandsligaspieler geworden. Eigentlich sollte der Kader zur neuen Runde weiter verstärkt werden. Doch das Passende war auf dem Markt offenbar nicht zu finden.

So sieht die Liste der VfL-Neuzugänge quantitativ eher dürftig aus. Mit dem A-Junioren-Aufrücker Andreas Mayer meldet freilich schon ein Youngster aufgrund starker Leistungen in den Testspielen nicht nur Anspruch auf einen Stammplatz an, sondern der Innenverteidiger wird schon jetzt als echte Verstärkung gesehen. Allerdings dürfte lediglich der nach einer Armverletzung wiedergenesene Stammkeeper Patrick Gühring einen Stammplatz sicher haben. Ob in der Viererabwehrkette, im Mittelfeld oder im Angriff: Kirchheims Trainer hat Variationsmöglichkeiten dank eines leistungsmäßig sehr ausgeglichen besetzten Kaders. Selbst im Sturm müsste der überraschende Weggang von Toptorjäger Cem Korkmaz (19 Treffer) zum Oberligisten Normannia Gmünd zu verkraften sein. Spieler wie Feriz Meha, Pavel Ferenz, Tiago Santos-Araujo oder Neuzugang Ali Kütri (FC Frickenhausen) gelten zumindest als leidenschaftliche Offensivkräfte.

Wer könnte den Kirchheimern beim Erreichen des gesetzten Saisonziels (Platz eins bis sechs) gefährlich werden? Da es aus der Oberliga keinen Zuwachs gab, dürften dieselben "Verdächtigen" wie in der Vorsaison ganz oben mitspielen. Der TSV Schwieberdingen beispielsweise hat sich weiter verstärkt. Und auch an der Iller gedeihen (Oberliga-)Träume: Beide Illertissener Clubs, sowohl der FVI wie die SpVgg Au, frischten ihre Kader fleißig auf. Beim FV soll Ex-Profi Michael Bochtler den Leitwolf spielen, in Au der Ex-Ulmer Krisztian Müller. Auch die TSG Balingen (Kader nahezu unverändert) und Ex-Regionalligist TSF Ditzingen gelten als Mitfavoriten im Aufstiegskampf.

Aus lokaler Sicht spannend wird die Antwort auf die Frage, wie sich der Kirchheimer Giuseppe Forzano als Trainer des Verbandsligaaufsteigers FC Donzdorf schlägt. Mit Gaetano Caruana (TSV Notzingen) und Moritz Straub (SSV Ulm 1846, einst VfL-Jugend), lotste der ehemalige Kirchheimer Oberligakicker zwei Akteure an die Fils, von denen er sich eine ganze Menge verspricht. Forzano will jedenfalls mit aller Macht den jüngsten Negativtrend der Aufsteiger aus der Landesliga-Staffel 2 brechen: Sowohl der FC Frickenhausen (2004/2005) als auch der FC Eislingen (2005/2006) stiegen umgehend und sang- und klanglos wieder ab. Die Donzdorfer trugen mit ihrem Aufstieg auch zu einem Novum in der Verbandsliga-Geschichte bei: Mit dem FCD, dem FC Gärtringen, TSV Hildrizhausen, FSV 08 Bissingen und SV Baustetten stiegen nämlich ausschließlich absolute Verbandsliga-Newcomer auf.

Gegen Bissingen, das Team des Ex-Profis Alfonso Garcia, sicherte sich der VfL im Juni 2005 per 4:0 im Relegationsspiel den Klassenerhalt in der Verbandsliga.