Lokales

Ein Tag des Dankens und der Erinnerung

Das seltene Fest der Gnadenkonfirmation durften dieser Tage acht Oberlenninger des Jahrgangs 10920/21 in der Sankt Martinskirche feiern. Zwei ihrer Schulkameradinnen und ein Schulkamerad konnten aus gesundheitlichen Gründen an dem nachmittäglichen Gottesdienst nicht teilnehmen.

ERIKA HILLEGAART

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26 Konfirmandinnen und Konfirmanden des Jahres 1935, die der damalige Interimspfarrer Honold am 31. März vor 70 Jahren eingesegnet hatte, sind kriegs- und naturbedingt nicht mehr am Leben. Bei seiner Begrüßung sagte Pfarrer Karlheinz Graf: "In der rund tausendjährigen Oberlenninger Kirchengeschichte wurden schon die unterschiedlichsten Gottesdienste gefeiert, aber wohl noch keine Gnadenkonfirmation". In seiner Ansprache legte er den zweiten Vers aus Psalm 103 aus: "Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat", ergänzt durch die Worte: "denn du bist bei mir ", aus dem Psalm 23, der so manchen alten Menschen von Kindheit an begleitet hatte.

Ernst Bosch, der dieses Treffen "in Dankbarkeit und Erinnerung" organisiert hatte, bündelte in seinem Grußwort diesen erlebten Tag. "Er ist eines Dankgottesdienstes wert, beinhaltet er doch ein ganzes Menschen- und Familienleben mit seinen Höhen und Tiefen und einem ungeahnten technischen Fortschritt". Er erinnerte an die Gefallenen allein zwölf Schulfreunde mussten ihr junges Leben in Russland opfern die Vermissten und Verstorbenen.

Der 31. März durfte in diesem Jahr zum vierten Mal zum Gedenktag werden nach der goldenen, der diamantenen und eisernen Konfirmation. Vor fünf Jahren beschrieb Ernst Bosch seine Generation so: "Unsere Jugendzeit vor dem Krieg war geprägt durch Gehorsam und Ausrichtung auf den Führerstaat, der dann im Krieg mit all seinem Elend und seinen Greueltaten geendet hatte . . . Auch die Nachkriegsjahre waren von Entbehrungen gekennzeichnet. Danach erlebten wir die industrielle Aufbauphase, in der eine menschenwürdige und persönliche Freiheit selbstverständlich war . . ."

Die Erinnerung an die Konfirmation vor 70 Jahren ist noch lebendig, der Gedenkspruch präsent, auch die damaligen Geschenke. "Fünf Mark vom Dötle und der Dote, 50 oder 30 Pfennig von den Nachbarn, dafür hat man später Kleider kaufen dürfen."

An dieser Gnadenkonfirmation konnten Ernst Bosch, Rosa Feil, Emma Gabler, Margarete Moeck, Lisl Schillinger, Frida Ulmer, Marie Wawrzacz und Anna Wörner mit ihren Familien und der Gemeinde teilnehmen. An Helene Sailer, Wilhelm Schweiß und Dorothee Tomppert dachten die Jahrgangsfreunde in alter Verbundenheit und Fürbitte.

Auf den Gedenkblättern an diesem Tag steht: "Oh Herr, gib mir Kraft, Dinge, die ich nicht ändern kann, mit Gelassenheit hinzunehmen. Gib mir Mut zu ändern, was geändert werden muss. Und gib mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden."