Lokales

Ein Tag im Leben Rulamans bei "Mammutsteak und Birkennudeln"

KIRCHHEIM Der Kirchheimer Arbeitskreis Museumspädagogik hat mit dem Ferienangebot "Mammutsteak und Birkennudeln" zur Ausstellung "Rulaman der Steinzeitheld" so viel Interesse geweckt, dass einige Interessenten auf die weiteren museumspädagogischen Angebote im Rahmenprogramm der Ausstellung ausweichen mussten.

Anzeige

Nach der Begrüßung durch den Museumspädagogen Rudi Walter und seinen Steinzeitfreund Joachim Mayer merkten die Aktionsteilnehmer schnell, dass ein Leben in der Steinzeit aus harter Arbeit bestand. Die Kinder mussten mit Grabstöcken und Schulterblattknochen eine Feuerstelle und einen Erdbackofen ausheben, was in dem zur Verfügung stehenden ausgetrockneten Wiesenstück ein ziemlich mühseliges Unterfangen war.

Der Schweiß floss in Strömen und die Fliegen begannen, zu ärgern. Kaum waren die notwendigen Erdvertiefungen erstellt, lernten die Freunde Rulamans die essbaren von ungenießbaren und giftigen Pflanzen des Waldsaumes und der Wiesen zu unterscheiden. Merkmale, Anwendungsbereiche, welche Teile der Pflanze sind nutzbar alles musste in die Köpfe der Kinder. Ein Fehler wird hier im Ernstfall schließlich nicht verziehen.

Neben den Kräutern stellten Beeren, Wurzeln und Nüsse eine andere Gruppe der pflanzlichen Nahrung dar, die die steinzeitlichen Sammler nutzen konnten. Auf das Gehirntraining folgte sofort wieder die körperliche Anstrengung. Auf einer Steinmühle der Jungsteinzeit bestehend aus einen großen flachen Stein und einen kräftigen ovalen Läuferstein mahlten die Kinder für die Weiterverarbeitung das Mehlschrot aus Urgetreide. Aus den gesammelten und hergestellten Essensgrundlagen entstanden nun die verschiedenen Steinzeitmenüs.

Das Handwerkszeug lag auf Lederstücken bereit. Die "Steinzeitkinder" konnten wählen zwischen Steinmessern, Steinschabern, Knochennadeln und anderen Naturwerkzeugen. Aus dem Getreideschrot gemischt mit Honig und Wasser entstanden leckere Plätzchen, rohe Eier wurden zum Backen verpackt, Möhren, Zwiebeln und Pilze zum Garen vorbereitet. Forellen und ein Schwanenschenkel brachten das Fleisch dieser Hauptmahlzeit des Tages. Doch wieder stand davor jede Mange Arbeit. Einen Fisch nur mit Hilfe von Messern aus Stein auszunehmen, war für alle eine ganz neue Erfahrung, doch klappte alles hervorragend. Eingepackt in einen Blättermantel lagen bald alle Menüzutaten zum Garen im Erdbackofen.

Knochenmark war in der Steinzeit ein ausgesprochener Leckerbissen, was zahlreiche zerschlagene Langknochen in der Ausstellung "Rulaman der Steinzeitheld" belegen. Deshalb war die Zerlegung eines frischen Langknochens zur Gewinnung des Knochenmarks auch einer der Höhepunkte der Nahrungszubereitung. Die nahrhaften Naturkostplätzchen konnten in der Zwischenzeit auf heißen Steinplatten vor sich hinbacken.

Ungeduldig warteten dann die Teilnehmer auf Rulamans Zeichen, denn nur er hatte genügend Erfahrung und konnte das Ende der Garzeit festlegen. Da es in der Steinzeit keine Spielzeuge nach heutiger Vorstellung gab, entwickelten die Kinder der Neuzeit kreative Fähigkeiten. Eigene Spiele wurden erfunden und so die Wartezeit überbrückt. Endlich war es so weit. Die fertigen Plätzchen wurden verteilt, um dann mit einem Schulterblattknochen den Erdofen zu öffnen, die Fische aus dem Blattmantel zu befreien und mit dem Steinmesser zu verteilen. Beifälliges Nicken, Fingerabschlecken und Nachfassen der Kinder war Lob für alle Vorbereitungsbemühungen.

Die Hitze des Tags forderte nun Tribut. Wasser, das Getränk der Steinzeit, wurde immer rarer und dadurch wertvoll. Jetzt lagen die erschöpften Freunde Rulamans unter dem aufgespannten Sonnendach. Aus Weinlands Buch "Rulaman" konnten sie nun einer Erzählung lauschen. Da auch Steinzeitkinder wenig Pausen hatten, rief Rulaman gleich anschließend zum Speerschleuderwerfen und Bogenschießen.

Schnell wurden die späteren erfolgreichen Jäger erkannt. Mehrmals durfte jeder diese Jagdwaffen ausprobieren. Eine neue Aktion beendete die Erfahrungsgewinnung an diesem Steinzeittag. Aus einem Steinklingenhaufen suchte sich jeder junge "Steinzeitmensch" seine ganz persönliche Messerklinge heraus. Die Auswahl ist nicht leicht. Rudi Walter und Joachim Mayer erklärten genau die jeweiligen Vor- und Nachteile dicker und dünner Steinklingen, zeigten wie solche Messer geschärft wurden und an was genau man ganz besonders gute Steinzeitmesser erkennen kann.

Holzstücke wurden nun so bearbeitet, dass die gewählten Klingen mit Hilfe von Birkenharz darin sicher festgehalten wurden. Eine neue Steinzeitbefestigungstechnik lernten so die mitmachenden Kinder anzuwenden und entsprechendes Feingefühl war gefragt. Wird die Klebemasse zu heiß, läuft sie wie Wasser überall hin, ist die Masse zu wenig angewärmt, geht sie nicht in den Spalt zwischen Steinklinge und Halteholz. Dann entstehen unbrauchbare Messer. Rudi Walter und Joachim Mayer hatten aber auch einige Tricks auf Lager und bald besaß jedes "Steinzeitkind" sein persönliches Steinzeitmesser. Diese wertvollen Stücke nahmen die teilnehmenden Kinder am Ende der Veranstaltung als Erinnerung an den erlebnisreichen Steinzeittag mit nach Hause.

Parallel zu der Ausstellung "Rulaman der Steinzeitheld" gibt es weitere museumspädagogische Angebote. Im Internet unter www.museumspaedagogik-kirchheim.de, im Faltblatt zur Ausstellung "Rulaman der Steinzeitheld" oder im Faltblatt "Museumspädagogisches Angebot des Städtischen Museums im Kornhaus Kirchheim" sind sie zu erfahren.

bn