Lokales

Ein überaus abwechslungsreicher musikalischer Marathon

KIRCHHEIM Für alle war es ein musikalischer Marathon: zweieinhalb Stunden währte dieses Jahr das Podium die Show der musikalischen Nachwuchstalente Kirchheims und alle: Kinder, Eltern und das Stammpublikum hielten durch, denn das Programm war wieder überaus abwechslungsreich.

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Es ist schon zur Regel geworden, dass das Symphonische Orchester

PATRICK TRÖSTER

der Musikschule unter Leitung von Johannes Stortz den bunten Podiumsreigen eröffnet. Alfred Reeds "Festival Prelude" war nicht nur vom Titel her, sondern auch im Sinne einer festlichen Einstimmung ein treffender Auftakt, gefolgt vom 8. Slawischen Tanz Antonin Dvoráks, dessen wuchtige Klangmassen im hemioligen Dreiertakt mit graziöser Leichtigkeit musiziert wurden. Mit einem aufs i-Tüpfelchen ausgefeilten und dargebotenen Walzer Fernando Carullis erntete die junge Gitarristin Jenny Petreschek großen Beifall.

Markus Hepperle (Querflöte, begleitet von Amelie Straub) blies die Polonaise aus Carl Maria von Webers "Jugendsonate, op. 10" mit kräftigem Ton frei, frisch und frank, und Julia Rolfs legte im Kopfsatz der bekannten G-Dur-Sonatine Antonin Dvoráks den interpretatorischen Schwerpunkt auf die zauberhafte Stimmungen, die Thomas Arnold als Begleiter emphatisch aufgriff.

Max Lilienthal war offensichtlich mit seiner Leistung nicht zufrieden; doch das Publikum bewunderte zurecht schon sein pianistisches Können, obwohl er bei Beethovens "Scherzo" der G-Dur-Sonate op. 14 Nr. 2 die Kurzatmigkeit der Periodik mit häufigen, zusätzlich verdoppelten Motiven unvorhergesehen steigerte. Mit einem "Lied ohne Worte" von Felix Mendelssohn Bartholdy zeigte sich die Cellistin Laura Schwarz wahrhaft allen Lagen gewachsen. Die fein ziselierte melodischen Linien spiegelten sich im Klavierpart ihres Lehrers Hartmut Mayer, und zusammen "sangen" sie ihren "Nigun" mit fortschreitender Ruhe aus einem Herzen strömend.

Julia Frey bewies, wie wendig und rasant auf einem riesigen Fagott gespielt werden kann. Ludwig Mildes "Tarantella, op. 20" präsentierte sie virtuos, ausdrucksvoll und mit schlankem Ton, temperamentvoll von Ella Stückelmaier begleitet. Einen satten, intonatorisch lupenreinen Klang erzeugten die zwölf Celli der Cellophoniker, die, von ihrem Lehrer Hartmut Mayer mit dem Klavier angestachelt, im weittragenden Unisono einen ungarischen Tanz von Pamela Wedgewood und die "zwei Grenadiere" von Robert Schumann zum Besten gaben. Und vor der Pause glänzte Andreas Specker mit Ilmari Hannikainens "Irrlichtern", die der junge Virtuose glitzernd, irrisierend, elektrisierend und äußerst wirkungsvoll vortrug.

Mit vier Liedern für gemischten Chor von Eröd, Reinecke und Rink präsentierte sich das Junge Vokalensemble der Musikschule unter Leitung von Bertram Schattel erstmals im und auf dem Podium. Beeindruckend waren technisch vor allem die lupenreine Intonation und die hervorragende Aussprache, und musikalisch punktete das Ensemble mit seiner Expressivität, die sich ebenso in vertrackter Rhythmik als auch in weit ausholenden lyrischen Melodiebögen äußert. Johann Riepe, mitfühlend beziehungsweise mitreißend von Hartmut Mayer begleitet, nahm sich zwei Fantasiestücke für Cello aus Schumanns op. 73 vor: Beim ersten, ganz eusebisch, führte er den Zuhörer mit weicher Agogik durch verschlungene lyrische Melodien, beim zweien, ganz florestanisch, drängte er in großen Bögen zum Eigentlichen. Mit feinem Ton und großer Ruhe gestaltete Annkathrin Sonder detailreich das Andante aus Haydns Oboenkonzert C-Dur und zauberte zusammen mit Ella Stückelmaier, die das Orchester ersetzte, eine schöne Stimmung. Benjamin Sigel, Tobias Plesch, Simon Beck, Karl Hammerstein und Christoph Stortz (Soloposaune) formten ein Blechbläserquintett, das zwei Songs von Thomas Morley und Georg Friedrich Händel in satten Klängen zelebrierte.

Exotik brachte Vanessa Wünsch mit ihrer Marimba und dem Stück "Ghanaia" von Matthias Schmitt ins Spiel. Mit vier wirbelnden Schlägeln vollführte sie dynamisch fein abgestuft auf dem afrikanischen Xylofon polymetrische Kunststücke. Mit dem Kopfsatz aus Beethovens Klaviersonate op. 31 Nr. 2 erwies sich Jens Veeser als großartiger Erzähler, der innige Instrumentalrezitative mit dramatisch schäumenden "Sturm"-Sequenzen verbindet und bildhaft diese Musik in Szene setzt. Anschließend entführte mit einer solistisch gespielten Tenorblockflöte Michaela Cummerow die Zuhörer in eine tragikomische Geschichte namens "Big Baboon", die Paul Leenhouts mit expressiven zeitgenössischen Spieltechniken 1988 komponiert hatte: hochvirtuos, brillant, amüsant, bildhaft, wild, ausgeflippt Blockflöte vom Feinsten. Darauf folgte mit dem Eröffnungssatz des G-Dur-Violinkonzerts von Wolfgang Amadeus Mozart noch ein runder Schlusspunkt. Christian Fischer-Sille als Solist und Thomas Arnold, ein ganzes Orchester farbenreich ersetzend, spielten sich die launigen Melodieeingebungen des Jubiliars 2006 nur so zu. Mit großem, schneidigem Ton spitzte der Solist die Themen zu, mit weitem Herz erfüllte er seine Musik, und mit Hingabe und Konzentration, ganz in die Welt dieses Konzertes versunken, riss er die Zuhörerschaft mit.