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"Ein weiterer Schritt hin zur Kunst- und Kulturstadt"

NÜRTINGEN Ruhe strahlen die Räume aus. Gelassenheit. Und doch ist Spannung spürbar. Bilder und Skulpturen in einer besonderen Atmosphäre. Hier in der beinahe 100 Jahre alten Villa in der Schellingstraße 12 hat der Bildhauer und Maler Fritz Ruoff gearbeitet. Und gelebt. Im

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ANDREAS WARAUSCH

ersten Stock findet nun die Stiftung Fritz und Hildegard Ruoff ihren Platz. Im zweiten wohnt seine Frau, auch im Erdgeschoss hat er gearbeitet. Das ganze Haus ist ein Haus der Kunst. Am Mittwoch stellte Oberbürgermeister Otmar Heirich zusammen mit Hildegard Ruoff und Kurator Michael Maile die Stiftung vor.

Das Haus in der Schellingstraße soll fortan ein Museum sein. Ein Ort des Ausstellens, Bewahrens und Forschens. In den Galerieräumen werden Teile aus dem Gesamtwerk Ruoffs zu sehen sein. Für kunsthistorische Studien und Forschungen steht ein Arbeitsraum zur Verfügung. Auch die Wohn- und Arbeitsräume können besucht werden.

Die Stiftung soll das künstlerische Lebenswerk Fritz Ruoffs erhalten und pflegen, der Öffentlichkeit zugänglich machen. Und es gibt viel zu erhalten und zu pflegen. Denn der 1906 in Nürtingen geborene Ruoff hinterließ bei seinem Tod im Jahre 1986 ein umfangreiches und vielfältiges Oeuvre. Plastiken, Gouachen, Zeichnungen, Collagen und Aquarelle. Sie zeugen nun von der Auseinandersetzung mit Form und Inhalt.

Dabei ist Ruoff mehr als einer der bedeutendsten Künstler im süddeutschen Raum. Er steht auch für eine Generation von Künstlern, deren Leben von Krieg und Tyrannei geprägt wurden. Die Nazis belegten den jungen Bildhauer mit Ausstellungsverbot. Auch im Verhältnis zu Bürgern seiner Heimatstadt gab es Spannungen. Dennoch wurde er Ehrenbürger. Nun die Stiftung. "Wir fühlen uns geehrt", sagt der Oberbürgermeister. Gerade, weil er um die einstigen Spannungen weiß.

Von der Ehre spricht der Verwaltungschef. Und vom Stolz darauf, Ruoffs Werk in Nürtingen präsentieren zu können. Dauerhaft. Denn der OB hat Großes vor: "Das ist ein weiterer Schritt zur Etablierung Nürtingens als Kunst- und Kulturstadt." Oben in Hardt die Stiftung Domnick. Jetzt hier die Ruoff-Stiftung. Dazu die beiden künstlerischen Hochschulen. Zudem hielt sich der finanzielle Aufwand für die Stadt in Grenzen. 40 000 bis 50 000 Euro kostete die Renovierung der zuletzt als Steuerberaterbüro dienenden Räume für die Galerie, schätzt Kulturreferentin Susanne Ackermann. Das Gebäude ist sowieso im Eigentum der Stadt. Hildegard Ruoff brachte in das Stfitungsvermögen die Werke ihres Mannes ein. Dennoch hofft der Oberbürgermeister auf Spender, die das Stiftungsvermögen anheben. Schließlich sollen künftig auch Veranstaltungen in der Galerie stattfinden. Lesungen, Musik, Wechselausstellungen. Das wird etwas kosten. Vor nicht einmal einem Jahr hatte der Gemeinderat grünes Licht gegeben. Die Papiere wurden unterzeichnet. Nun ist das Werk vollbracht. "Das ist eine relativ kurze Zeitspanne", kommentiert Heirich. Hildegard Ruoff freilich trug den Gedanken schon länger. Umso mehr bedeutet die Eröffnung nun für sie. Gerade in diesem Haus, das eine Aura der Kunst habe. Schon Gustl Pfänder, die sie und ihren Mann 1963 in das Haus holte, war eine Kunstsammlerin. "Hier wurde immer Kunst gelebt", sagt Hildegard Ruoff. Sie war die treibende, die gestaltende Kraft, die die Kunst letztlich auf Dauer in dieses Haus holte. Doch Lob für das Werk hat sie für alle Beteiligten übrig. Auch für das Kulturamt, gar für den Bauhof, für die Handwerker. Hildegard Ruoff: "Die Stadt machte die Stiftung zu ihrer eigenen Sache." Die Zeit war also reif für diese Stiftung. Und die Menschen natürlich. Heute verstehe man die Arbeiten, das Werk, vor 30 Jahren wäre das noch nicht so weit gewesen, glaubt Hildegard Ruoff.

Viel Herzblut und intellektuelle Anstrengung steckte Hildegard Ruoff in die Konzeption der Galerie. Signifikante Arbeiten aus wichtigen Schaffensphasen wurden ausgewählt. Der Ablauf der Zeit, die Entwicklung des Künstlers, des Bildhauers, des Malers, soll vorstellbar sein. Und alle Werke, unterstreicht Hildegard Ruoff, gehen unveräußerlich in die Stiftung ein. So wie auch die Werke anderer Künstler, und der Briefwechsel mit Freunden, wie zum Beispiel mit dem Autor Peter Härtling.

Bei der Auswahl der Arbeiten bekam Hildegard Ruoff Unterstützung von Michael Maile. Er ist der Kurator der Stiftung. Bei der Auswahl musste die besondere Qualität der Ausstellungsräume berücksichtigt werden, berichtet er. Kein Museum, sondern ein Wohngebäude fand man vor. Michael Maile: "Wir mussten dem intimen Charakter gerecht werden." Auf diesem Wege formierte sich ein Ensemble zur Stiftung mit Haus, Werken und Bewohnerin. Darin, so Maile, entfalte sich das ganze Wirken Ruoffs: "Von den ersten tastenden Versuchen bis hin zum reifen Werk am Lebensende ist alles da."

Es ist die Vielfalt des Werks, in der der Kurator die Sonderstellung Ruoffs begründet sieht. Eine Vielfalt, die sich durch Geschlossenheit auszeichne. Kein Rumprobieren. Auch bei den häufigen Medienwechseln, weiß Maile, kam es nie zu Brüchen im Werk. Hildegard Ruoff übrigens bescheinigt der Kurator, als Fotografin einen eigenen künstlerischen Weg gefunden zu haben. Ein Weg, der sich in der Stiftung selbst nicht niederschlägt. Es ist Fritz Ruoff, der hier im Vordergrund steht. Aber eine Wechselausstellung mit den Fotografien von Hildegard Ruoff können sich alle Beteiligten gut vorstellen.

Die Eröffnung der Sammlung findet am Sonntag, 28. November, um 11 Uhr statt. Danach ist die Stiftung donnerstags von 15 bis 18 Uhr und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Andere Termine können unter Telefon 0 70 22/75-347 vereinbart werden. Weitere Informationen im Internet unter www.ruoff-stiftung.de.