Lokales

Ein wenig Himmel im Advent

Ich hatte einen Lehrer, der wunderbar dröhnend lachte. Laut und unwiderstehlich. Er lachte nicht auf A, Hahaha, sondern auf O. Man musste mitlachen. "Still" war er nicht.

Kennen Sie Menschen, die Sie "still" nennen würden? Sind Sie selber so? Ich finde solche Menschen faszinierend und fühle mich ein wenig zu ihnen hingezogen. Sie reden nicht viel und machen nicht viel Aufhebens von sich. Manchmal sind sie "in sich versunken". Aber dabei können sie auch sehr aufmerksam sein. Ganz gespannte Zuhörer. Ein "stiller Begleiter". Man unterschätzt sie nur allzu oft. Stille Wasser können sehr tief sein. "Je lauter der Mensch, desto stiller seine Worte", hat ein israelischer Rabbi einmal gesagt.

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Auf stillen Wassern spiegelt sich die Welt. Was spiegelt sich in stillen Menschen und Worten? In meiner Erinnerung sehe ich den Hölderlinturm in Tübingen, wie er sich im Neckar spiegelte und vervielfältigte. Vielleicht war er auf der leicht bewegten Wasseroberfläche noch schöner als in Wirklichkeit. Wenn die Wasseroberfläche ganz ruhig ist, scheint der Himmel in sie hineinzufallen.

Der dänische Schriftsteller Sören Kierkegaard hat dies einmal als ein Gleichnis für den christlichen Glauben verwandt. Es sind zwei wunderbare, beruhigende und zugleich froh machende Sätze: "Wenn das Meer all seine Kraft anstrengt, kann es gerade nicht das Bild des Himmels wiedergeben, und schon bei der geringsten Bewegung gibt es dieses nicht rein wieder. Wird es aber still und tief, so sinkt des Himmels Bild in sein Nichts." Das ist eine wunderbare Entdeckung, dass der christliche Glaube keine Kraftanstrengung ist. Überhaupt nicht. Er ist eine besondere Weise der Stille. Da überkommt uns eine Ruhe. Und ein wenig Himmel zieht in uns ein.

Ich wünsche ihnen, dass Sie am Wochenende einmal so richtig lachen können. Leise oder Laut. Auf A oder O oder auch I, egal! Aber auf jeden Fall wünsche ich Ihnen ein wenig Ruhe. Antje Mell Vikarin an der Sankt-Martins-Kirche Oberlenningen