Lokales

"Ein wichtiger Schritt auf dem Weg in bessere Zeiten"

Die Filderwerkstatt Ostfildern-Nellingen hat in Dettingen in der Kelterstraße ein Zweigwerk eröffnet. Hier finden 24 Rehabilitanden Arbeit in verschiedenen Bereichen.

DETTINGEN "Ich kann mir die Unterstützung durch den Reha-Verein und seine Werkstätten nicht mehr wegdenken". Der dies bei der Einweihung des Zweigwerks der Filderwerkstatt Ostfildern-Nellingen in Dettingen sagte, weiß, wovon er redet. Dr. Thomas von Cube ist Oberarzt in der psychiatrischen Abteilung des Nürtinger Krankenhauses und hat viel mit den Menschen zu tun, die in der Werkstatt für psychisch Kranke arbeiten. Er betonte, wie wichtig gute Betreuung nach den Klinikaufenthalten sei. Arbeit, wie sie die Filderwerkstatt leiste, trage dazu bei, Klinikaufenthalte zu verringern oder zu verkürzen.

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Die Filderwerkstatt, die vom Reha-Verein zum Aufbau sozialer Psychiatrie im Landkreis getragen wird, hatte zur offiziellen Einweihung der beiden Fabrikgebäude in der Kelterstraße in Dettingen geladen. In der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) finden 24 Rehabilitanden Arbeit in verschiedenen Bereichen.

Sie werden einerseits in ihrer psychischen Stabilisierung unterstützt und sollen andererseits durch bezahlte Arbeit soziale Anerkennung erfahren, wie Werkstattleiter Klaus Korschinek betonte. Und weil Teilhabe am gesellschaftlichen Leben nur durch wohnortnahe Versorgung gelingt, ist ihm wichtig, dass diese Arbeit dezentral geschieht. Ein zehnjähriger Mietvertrag mit dem Vermieter des Areals gebe Planungssicherheit, freute sich Klaus Korschinek.

Dass beim Umzug von Kirchheim nach Dettingen und der Neueröffnung, die von der "Triband" musikalisch umrahmt wurde, alles so glatt gelaufen sei, verdanke man vor allem zwei ehemaligen Mitarbeitern im Ruhestand. Gitta Noetzel-Stracke und Siegfried Wenzlaff überreichte Klaus Korschinek als Dank für ihren unermüdlichen Einsatz Blumen und Konzertkarten. Als ermutigendes Zeichen wertete er auch, dass Bürgermeister Rainer Haussmann zur Eröffnung in die herbstlich geschmückte Montagehalle gekommen war. Dieser weiß wohl um die Vorbehalte, die behinderten Menschen oftmals entgegengebracht werden. "Sie sind uns hier willkommen", betonte Rainer Haussmann. In Dettingen sei man froh, "dass das Gelände wieder belebt ist". Vielleicht, so hofft Klaus Korschinek, könnten sich ja auch "Anknüpfungspunkte mit Dettinger Firmen ergeben". Denn die Filderwerkstatt versteht sich nicht nur als Rehabilitationsstätte, sondern auch als moderner Dienstleistungsbetrieb. Stolz verwies Klaus Korschinek darauf, dass die Deutsche Bank der WfbM jüngst die Aktenvernichtung in den Landkreisen Esslingen, Reutlingen, Tübingen, Göppingen, Rems-Murr und in Stuttgart übertragen hat. Neben der Aktenvernichtung werden die Rehabilitanden auch in den Bereichen Garten- und Landschaftsbau, Montage, Hauswirtschaft und derzeit in der überaus erfolgreichen Mostobstannahme beschäftigt.

Den steigenden Bedarf an Arbeitsplätzen für behinderte Menschen belegte Thomas Dautel von der Agentur für Arbeit mit Zahlen. "Arbeit ist ein elementarer Baustein der Hilfe für psychisch Kranke", meinte auch Michael Heck vom Landeswohlfahrtsverband.

Dr. Thomas von Cube hat die Filderwerkstatt vor allem durch die Augen seiner Patienten kennen und schätzen gelernt: "Sie geben Menschen Halt, eine Aufgabe, führen aus der Gefahr der Vereinzelung heraus und vermitteln soziale Anerkennung. Deshalb gilt es solche Schätze wie die Werkstätten des Reha-Vereins in ihrer Eigenständigkeit zu erhalten."

Das enorme Wachstum der Filderwerkstatt skizzierte Cornelius Hahn, der Vorsitzende des Reha-Vereins. Mit der Erweiterung der Werkstatt in Nellingen, der Eröffnung zweier CAP-Lebensmittelmärkte in Neuhausen und Leinfelden-Echterdingen und dem Zweigwerk in Dettingen sei "unheimlich viel geschultert worden". Dabei müsse man aber auch immer das Ziel einer Vermittlung der Rehabilitanden in den ersten Arbeitsmarkt und damit eine Reintegration in die Gesellschaft im Auge behalten. Dass dieser Auftrag in der Filderwerkstatt ernst genommen wird, bestätigte Karsten Lindner in seinem Grußwort. Der Rehabilitand ist seit acht Jahren in der Filderwerkstatt beschäftigt. In einem bewegenden Gedicht schilderte er die Situation psychisch Kranker. Bei all dem Leid sei es umso wohltuender, hier eine Gemeinschaft zu finden, in der sich jeder nach seinen Fähigkeiten einbringen könne, und in der fair und offen miteinander umgegangen werde. "Die Arbeit in der Filderwerkstatt ist für mich ein Schritt auf dem Weg in bessere Zeiten."

pm