Lokales

Ein Woche lang Arbeitsluft geschnuppert

Ein einwöchiges Praktikum in einem Betrieb zur Berufsorientierung in der Realschule stand (BORS) an ein Ereignis, auf das sich einige der Schülerinnen und Schüler schon richtig gefreut hatten. Wir haben ein paar Schüler der 9d der Freihofrealschule zusammen mit Klassenlehrer Walter Reininger während der Praktikumswoche vor Ort besucht.

J. BÄCHLE / S. RINDERER

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KIRCHHEIM David Kugler hat sich im Berufsfeld des Mechatronikers umgeschaut. Bei der Firma Festool in Neidlingen konnte er während der BORS-Woche Arbeitsluft schnuppern. Es hat ihm sichtlich gefallen: So half er beispielsweise, eine Einpressvorrichtung zusammenzubauen, mit der später in der Produktion handgeführte Elektrowerkzeuge bei Festool hergestellt werden. An einem solchen Montagetisch wird zwei Tage lang gearbeitet: Dazu gehören die Installation der Druckluftversorgung und die elektrische Verdrahtung der einzelnen Komponenten. Mechatroniker nennt sich das Berufsbild. David könnte sich gut vorstellen, später diesen Beruf zu erlernen. Lehrlinge besuchen ein Jahr lang die GARP, das Bildungszentrum der Industrie- und Handelskammer der Region Stuttgart und arbeiten danach zwei Jahre im Betrieb.

Marius Gerst hat beim Formenbauer Schneider Form in Dettingen reingeschnuppert. Dort werden Druckgussformen von der Einzelform bis zu Großprojekten, von 10 bis 80 Tonnen Formengewicht hergestellt. Von Motorblöcken bis hin zu Karosserieträgern, aber auch Kunststoffformen wie Stoßfängersysteme oder Auto-Cockpits. Pro Lehrjahr werden sechs Lehrlinge als Werkzeugmechaniker der Fachrichtung Formentechnik ausgebildet: Im ersten Lehrjahr sind die Lehrlinge in der Lehrlingswerkstatt. Marius durfte sich in der BORS-Woche mit den Grundlagen der Materialbearbeitung vertraut machen: Fräsen, feilen, bohren oder drehen. Hilfe erhielt er dabei von den Lehrlingen, einen Würfel aus Aluminium hat er hergestellt und durfte den auch mit nach Hause nehmen.

Morgens beim Rechtsanwalt, mittags im Ingenieurbüro auch das ist bei BORS möglich. Büsra Eren wollte gleich in zwei unterschiedliche Berufswelten hineinschnuppern. Als Berufsziel hatte sie Rechtsanwältin angegeben, die Tätigkeiten während der Woche waren jedoch mehr kaufmännischer Natur: Kopieren, Abtippen, Post verteilen, aber auch Besuche von Verhandlungen beim Amtsgericht in Kirchheim und beim Gericht in Stuttgart standen auf dem Programm. Rechtsanwaltsgehilfin wäre der Beruf, auf den sie sich nach Abschluss der Realschule bewerben könnte.

Mehr hat ihr jedoch das Berufsbild als Bauzeichnerin im Ingenieurbüro Schuster gefallen, das sie nachmittags kennen lernen durfte: Dabei kamen auch erlernte mathematische Kenntnisse in einem konkreten Zusammenhang zur Anwendung bei der Flächenberechnung für den Wärmeschutznachweis eines Neubaus. Was in der Schule gelernt wird, wird gebraucht das ist eine Erfahrung dieser Praktikumswoche. Zudem durfte Büsra unter der fachkundigen Anleitung von Moni Haussmann Baupläne abzeichnen.

"Ich wollte schon vieles werden: Ärztin, Innenarchitektin, Anwältin, Lehrerin, und so weiter", zählt Erma Kurtagic auf. "Aber was ich wirklich werden möchte, weiß ich noch nicht so genau", gibt sie ihre Unentschlossenheit ehrlich zu. Beim BORS hat sie Praxisluft geschnuppert, bei Zahnarzt Dr. Kraus in Kirchheim. Die zahnmedizinische Fachangestellte Viktoria Lukjanow zeigte ihr unter anderem, wie die Geräte sterilisiert werden und das Behandlungszimmer auf die nächste Behandlung vorbereitet wird. Zu ihren Tätigkeiten gehörte auch das Aufrufen von Patienten und das Ausräumen der Spülmaschine für Dentalwerkzeuge. Bei der Behandlung der Patienten durfte sie auch schon dem Zahnarzt assistieren und machte dabei ihre ersten Erfahrungen beim Saugen und Tupfen. Als kleines Kind hatte Erma furchtbare Angst vor dem Zahnarzt beim Praktikum strahlen ihren weißen Zähne mit ihr selbst um die Wette: "Das macht hier richtig Spaß", war ihr Kommentar. Sie könnte es sich gut vorstellen, zahnmedizinische Fachangestellte oder vielleicht auch Zahnärztin zu werden. Für die endgültige Entscheidung lässt sie sich noch etwas Zeit und spielt mit dem Gedanken nach der Realschule erst mal Abitur zu machen. Dann stehen ihr alle Möglichkeiten offen.