Lokales

Einblicke in den Alltag eines "kauzigen Muttersöhnchens"

KIRCHHEIM Der Gemeindepsychiatrische Verbund Kirchheim präsentiert am heutigen Donnerstag um 19 Uhr im Kirchheimer club bastion den Film "Elling". Der mit unzähligen Auszeichnungen bedachte Film handelt nicht von Abenteurern, für die eine Expedition zum Südpol etwas ganz Selbstverständliches und Alltägliches ist, sondern beschreibt den Alltag von Menschen, für die schon der Gang quer durch ein Restaurant eine große Herausforderung und ein großes Abenteuer darstellen kann.

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Nach dem sensationellen Erfolg des 2001 in Norwegen gedrehten und inzwischen längst zum Kultfilm gewordenen Streifen "Elling" mit Per Christian Ellefsen, Sven Nordin und anderen gibt es seit 2003 einen von Eva Isaksen gedrehten zweiten Teil mit dem Titel "Elling Nicht ohne meine Mutter". In diesem neuen Film soll das kauzige Muttersöhnchen zum ersten Mal nach Mallorca und endlich lernen, auf eigenen Beinen zu stehen, doch Elling bleibt stur . . .

Die Veranstalter dieser Filmvorführung in Zusammenarbeit mit dem club bastion, der Gemeindepsychiatrische Verbund Kirchheim (GPV) macht in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, dass jeder Dritte irgendwann einmal in seinem Leben psychisch krank wird und Behandlung braucht.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO leiden 18 Prozent der Weltbevölkerung an psychischen Beeinträchtigungen, sechs Prozent gelten als schwer krank. Allein in Baden-Württemberg sind nach Schätzungen des Sozialministeriums rund 625 000 Menschen behandlungsbedürftig. Ein Prozent der Bevölkerung hierzulande leidet also akut unter einer psychischen Erkrankung.

Um Menschen mit einer chronischen psychischen Erkrankung das Leben in der Gemeinschaft beziehungsweise in ihrer Gemeinde zu erleichtern oder überhaupt erst zu ermöglichen, gibt es eine Reihe von Einrichtungen und Diensten im ambulanten und stationären Bereich. Der Gemeindepsychiatrische Verbund Kirchheim ist ein Zusammenschluss der in der Region Kirchheim im sozialpsychiatrischen Bereich tätigen Einrichtungen beziehungsweise deren Träger.

Ziel des Gemeindepsychiatrischen Verbundes Kirchheim ist das Sicherstellen und Vernetzen der Versorgung für chronisch psychisch kranke Menschen. Die Mitglieder des Verbundes sind der Verein "Arche" stationäres Wohnheim in Notzingen und Ambulant Betreutes Wohnen, der "Reha-Verein zum Aufbau sozialer Psychiatrie" Tagesstätte, Ambulant Betreutes Wohnen, sowie Werkstatt für behinderte Menschen in Dettingen, die "Samariterstiftung" Tagesklinik in Nürtingen und Werkstatt für behinderte Menschen in Wendlingen, der Landkreis Esslingen mit der Psychiatrischen Abteilung des Kreiskrankenhauses Nürtingen sowie der Sozialpsychiatrische Dienst des Kreisdiakonieverbandes Esslingen.

Mit dieser Filmvorführung mit anschließender Diskussion im Bastionskeller möchte der Gemeindepsychiatrische Verbund Kirchheim auf die Situation psychisch erkrankter Menschen aufmerksam machen. Dabei geht es nicht nur darum, über die Erkrankung als solche zu informieren. Vielmehr soll aufgezeigt werden, wie sich der Alltag mit einer psychischen Erkrankung gestalten lässt und wie so ein Alltag tatsächlich aussehen kann. Ziel der Veranstaltung ist es vor allem, Interesse zu wecken für eine Gruppe der Gesellschaft, die mit Vorurteilen und Klischees belegt ist, die diesen Menschen nicht gerecht werden.

Mit dem Film "Elling" soll zunächst ein kleines Stück Alltag aus dem Leben von Menschen mit einer psychischen Erkrankung gezeigt werden. Im Anschluss an die Vorführung wird es zudem genügend Zeit geben, um Fragen zu stellen. Mitarbeiter aus dem Klinikbereich und aus den ambulanten Einrichtungen bieten Gelegenheit zum Gedankenaustausch. Den Fragen des Publikums stellen sich Dr. Thomas von Cube (Leitender Oberarzt der Psychiatrischen Abteilung des Kreiskrankenhaus Nürtingen), Sybille Walter (Mitarbeiterin im ambulant betreuten Wohnen der Arche) und Stefan Leidner (Mitarbeiter im Sozialpsychiatrischen Dienst).

sl