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Eindeutige Mehrheit schafft gute Grundlage

Die eindeutige Mehrheit sei "eine gute Grundlage für die Zusammenarbeit in der Stadt", kommentierte Günter Riemer hocherfreut gestern Abend seine Wahl zum Kirchheimer Bürgermeister: 24 Stimmen waren auf ihn entfallen, halb so viele auf seinen Mitbewerber Wilfried Soddemann.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Im Vorfeld als Kandidat der Bürgerlichen gehandelt, konnte der Calwer Baubürgermeister nun doch auch Stimmen aus anderen Gruppierungen auf sich vereinen. Das mag wenig verwundern, hatte doch Rot-Grün schon beim OB-Wahlkampf vor einem Jahr vereinzelt mit dem ambitionierten 43-Jährigen geliebäugelt.

Bei der Vorstellung im voll besetzten Sitzungssaal verwies Riemer auf berufliche Erfahrungen, die für die Besetzung des Technik-Dezernates von großem Vorteil sein dürften. So verdiente er sich nach dem Studium zum Bauingenieur an der FH Stuttgart erste Sporen beim Wasserwirtschaftsamt Kirchheim und in den Tiefbauämtern der Städte Nürtingen und Schorndorf, ehe er im Jahr 2000 Bürgermeister in Calw wurde.

Die Sicherung von Handel und Gewerbe, den Erhalt des Gemeinwesens und die Förderung der Familienfreundlichkeit nannte er als wichtige Ziele für Kirchheims Zukunft. Der Stadt, in der er 1981 das Abitur abgelegt hatte, bescheinigte er "aus der Ferne" eine positive Entwicklung. Im Hinblick auf ihre mangelnde überregionale Bekanntheit stellte er jedoch die Frage: "Ist Kirchheim hälinge schee?" Viel werde er tun, um mehr Aufmerksamkeit zu erregen, versprach er. Dazu hatte er auch gleich Ideen parat, von der Errichtung mehrsprachiger Begrüßungsschilder bis zum verstärkten Blumenschmuck, der über Patenschaften finanziert werden könnte.

Andere konkrete Ansätze wie die Schaffung von mehr Verkehrskreiseln bis zur möglichen Einbindung von Sozialhilfeempfängern zur Erhöhung der Sauberkeit der Stadt folgten. In Sachen Hallenbad schlug Riemer vor, eine Projektgruppe aus Gemeinderat, Verwaltung und Nutzern zu gründen. Kritisch darauf angesprochen, ob die angedachten Projekte von der Nordwest-Tangente über das Hallenbad bis zu Schulbauten zu finanzieren seien, räumte er den Zwang zu Prioritäten ein. Dazu nannte er auch gleich seine persönliche Meinung, der ein Lob auf den Bildungsstandort Kirchheim vorausgegangen war: "Die ersten Investitionen müssen in Schulbauten gehen." In Anspielung auf die noch neue Oberbürgermeisterin und den erst seit einer Woche tätigen Gemeinderat verhieß er weiter: "Zusammen mit mir kann die Stadt mit frischem Wind und neuer Energie die Aufgaben der Zukunft anpacken!"

Dass ihm die Menschen am Herzen liegen, vermochte Riemer überzeugend mit seinem ehrenamtlichen Engagement als Präsident des württembergischen Radsportverbandes zu erklären: "Ich spreche die Sprache der Ehrenamtlichen." Als gebürtiger Notzinger kenne er zudem Land und Leute. Dies konnte der Kandidat in der Fragerunde unter Beweis stellen. Sie schloss sich an die 20-minütige Vorstellungsrede an und war durch immer lockerere Stimmung gekennzeichnet. Die Lacher auf seiner Seite hatte der Bewerber aus der "Hessestadt Calw", als er quasi vorab den Auftrag erhielt, am ehemaligen Gasthof Krone, Hesses vorübergehendem Aufenthaltsort, endlich für ein Schild zu sorgen: "Hier war Hermann Hesse". Riemer nahm's zur Kenntnis und ergänzte, er wolle sich keinesfalls mit Hesse vergleichen. In einem Punkt wär' ihm die Parallele allerdings schon recht: "Auch Hesse hat Calw verlassen . . ." Diesbezüglich in die Fußstapfen des berühmten Schriftstellers zu treten, ermöglichte ihm nun der Kirchheimer Gemeinderat. Bereits im November will Riemer das Amt des Ersten Beigeordneten im Kirchheimer Rathaus antreten.

Seinem 49-jährigen Mitbewerber Wilfried Soddemann aus Aachen wünschte er andernorts in Baden-Württemberg Glück. Auch Soddemann erbrachte im Ratsrund überzeugende Beweise seiner Qualifikation für das freie Amt. Seit 1995 leitet der Regierungsbaudirektor das Staatliche Umweltamt in Aachen. Ein Job, der viel mit Planung, Hoch- und Tiefbau, aber auch mit Verwaltungsrecht zu tun hat. Der gebürtige Münsteraner nahm seine Vorstellung anhand "der ersten Power-Point-Präsentation meines Lebens" vor und demonstrierte, sich bereits intensiv mit Kirchheimer Themen befasst zu haben. Mag sein, dass es neben dem fehlenden Heimvorteil nicht zuletzt das grüne Parteibuch war, auf das sein Stimmenrückstand zurückzuführen war.

Wie dem auch sei das Ratsgremium hat es bewusst vermieden, Blöcke zu bilden, die womöglich einen zweiten Wahlgang erforderlich gemacht und für langfristige Verstimmung gesorgt hätten. Dank klarem Votum und überzeugendem Bewerber ist nun der Weg frei für eine gewinnbringende Zusammenarbeit an der Spitze der Stadtverwaltung.