Lokales

Eindrucksvolle „Streicheleinheiten“

Agathe Steiff-Schall und Joachim Schall konzertierten mit dem Komponisten Georg Lawall

Kirchheim. „Musik ist Nahrung für die Seele“. Mit diesem Spruch eröffnete Georg Friedrich Lawall das Konzert „Streicheleinheiten“ im Kirchheimer Kornhaus. Die drei Akteure – der Konzertmeister der Staatsoper Stuttgart, Joachim Schall,

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Kunigunde Welker-Theimert

an der Guarneri-Violine, die Konzertmeisterin des Schwäbischen Kammerorchesters, Agathe Steiff-Schall, Geige, und Georg Lawall an der Gitarre – fanden sich in eher seltener Besetzung in Kirchheim zusammen.

Das abwechslungsreiche Programm bestand aus Soli und Duett für Geige, aus Soli und Duett für Geige und Gitarre und aus Trios. Die Musik schloss verschiedene Stilrichtungen ein, im Mittelpunkt standen die neuen Werke „Streicheleinheiten“ für Violine Opus 110. Die beiden hochversierten Violinisten konnten dabei die Geigen singen lassen, das Zuhören war Balsam für die Seele.

Im Zusammenspiel ging es mal sanft, leise, meditativ, dann aber auch lebhaft erzählend, beschwingt, flott, polternd, mal fast gespenstisch zu, märchenhaft zu Beginn im ersten Stück namens „Krupuk, Lolipop und Co“ sechs Duette op. 49 mit Themen von Elfenkindern bis Rumpelstilzchen. Bei den Zuhörern wurden schnell innere Bilder lebendig und somit die präsentierte Musik erlebbar.

Agathe Steiff-Schall verstand es einmal mehr durch das leichte Spiel der „Landstreicher“, den sechs leichten Stücken für Violine op. 108, eine hoch konzentrierte Atmosphäre zu schaffen. Durch den ihr eigenen authentischen Ausdruck erklangen „Kann die Lena“, „Na voll? I ah!“ und „Wohaschdinado“. Georg Lawalls Leben im Schwabenland schlägt sich bei solchen Wortfindungen auf humorvolle Weise nieder.

„Von Zwergen und Elfen“ handelte die Prelude Nr. 5 für Gitarre op. 107, die der Meister selbst seine Gitarre erzählen ließ. Er versteht es am besten, dieser seiner Musik mit so mannigfachen Emotionen Farbe zu geben. Das Innenleben der Musik, mit dem jeder Ton gefüllt werden kann, das versteht Georg Lawall durch große Einfühlungsgabe und Stärke im musikalischen Ausdruck auf beeindruckende Weise.

Seine Musik bringt er so zum Schwingen, dass das Publikum sich mit eingebunden wähnt in die Geschichten, die diese Musik erzählt. Georg Lawall erzählte zu jedem seiner Stücke Episoden, die teils mit Humor, teils mit Fantasie gespickt waren. So war die Prelude vor langer Zeit für einen argentinischen Volkstänzer entstanden, der verschwand. Sie wurde nun mit sehr gutem Resultat „recycelt“.

Bei „Schatzinsel“ und „Piraten“ aus Streicheleinheiten für Violine op. 110 überzeugte Joachim Schall durch wunderbare Klänge, welche er seiner kostbaren Guarneria-Violine entlockte. Diese Klänge berührten ohne Umwege und zogen die Anwesenden in ihren Bann. Zudem meistert der Konzertmeister des Württembergischen Staatsorchesters jede technische Hürde und gibt den Kompositionen Georg Lawalls edle Gestalt auf perfektionistische Weise.

Im Trio erklang „Mamboni No. 5“, Beethovens „Fünfte“ stand Pate für die zu hörenden Variationen. Sie waren auf Georg Lawalls typische Weise teils stark rhythmisiert, teils sehr gefühlsbetont, teils beides. Mit einstimmigen Gesangseinlagen der Musiker bekam das furios endende Stück eine ganz eigene Spannkraft.

Die kommunikative Seite der Musik fand hier virtuosen Ausdruck. Dieses Kapitel ist typisch für Georg Lawalls Kompositionen und beschreibt die starke Verbindung zu sich selbst, der Welt innen und außen, dem anderen Menschen. Hier trafen sich nun Meister ihres Faches mit den Fähigkeiten, eben diesem kommunikativen Aspekt gerecht zu werden. Es gelang ihnen bravourös.

Auf der Limburg mit Freunden inspirierte Georg Lawall zu „Mind­scape“ aus „Lulu“. Agathe Steiff-Schall und Georg Lawall ergänzten sich im solistischen Wechsel, sehr gut aufeinander eingestellt, wieder sehr kommunikativ.

Phänomenal ist Georg Lawalls Fingerfertigkeit, selbst bei höchster Geschwindigkeit. Am Ende sind die Töne weggeflogen, haben sich im All verloren.

Aus „Preludes“ wählte Georg Lawall Nr. 4 „Vaniali – Elfe“ und zauberte mit hoher Kunstfertigkeit im mehrstimmigen Gitarrenspiel Wunderbares. Durch ausgereifte Technik beider Hände scheint ihm nichts zu schwer zu sein.

Aus „Streicheleinheiten“ Opus 110 folgten Impromtu – Fuga – Allegro als Höhepunkt des Violinisten Joachim Schall. Anfangs Gänsehaut auslösend, durchgängig berührend, mit Worten kaum beschreibbar, folgte Schalls Spiel den Vorgaben, welchen er Farbe gab und Dynamik verlieh.

Den Schluss des Konzertes krönten zwei Spirituals „Who knows? Nobody“ – und „No more Battle in Jericho“.

Im Trio „sangen“ die beiden Streicher ihr Lied und erklangen die rhythmisierten Gitarrenklänge. Durchschlagenden Effekt gab es beim Weben des Klangteppiches der Streicher und dem Schweben der Gitarrenklänge darüber. Die Jazzelemente und das erfrischende Spiel beschwingten die Zuhörer und nach dem großen Applaus für ein gelungenes Konzert dreier begnadeter Musiker war noch eine alte Orexisnummer „im Stil Andre Rieus“, wie Georg Lawall betonte, als Zugabe zu hören.