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"Eine Bretterverschalung unterstreicht den Scheuercharakter"

Das Landesdenkmalamt hat die Notzinger Zehntscheuer in Augenschein genommen und die geplanten Sanierungsarbeiten bis auf die Dachrinnen mit Rinnenträger für gut befunden.

IRIS HÄFNER

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NOTZINGEN Die Besichtigung des Landesdenkmalamtes gemeinsam mit dem Architekten brachte keine bösen Überraschungen mit sich. Die Sanierungsvorschläge der Firma Bausan wurden für gut befunden, einzig die Dachrinnen mit Rinnenträgern werden abgelehnt. "Bei der Frage, wie der Westgiebel zu schützen ist, gibt es eine klare Antwort des Architekten: Eine Bretterverschalung ist das einzig Richtige. Alles andere wird ein Geldgrab", erklärte Notzingens Bürgermeister Flogaus während der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Das Landesdenkmalamt hat weder gegen eine Teilverputzung noch gegen eine Bretterverschalung Bedenken.

Anders sah es da bei den Gemeinderäten aus zumindest in den vorherigen Sitzungen. "Das ist nicht mehr unsere Zehntscheuer, wenn sie eine Holzfassade hat", lautete der Tenor bei vielen. Aus finanziellen Gründen gibt es jedoch keine Alternative. "Bei der Kelter interessiert es mittlerweile auch niemand mehr, dass die Westfassade mit Holz verschalt ist. Man hat sich daran gewöhnt", munterte Jochen Flogaus das Gremium auf.

Der Gemeinderat hat bei dieser Baumaßnahme das Recht, beschränkt auszuschreiben, da es viele Kleingewerke gibt und bei einem so sensiblen Gebäude wie der Zehntscheuer vor allem Qualitätsarbeit zählt. Weil hauptsächlich Zimmermannsarbeiten "ond a bissle Maurergschäft" anfallen, werden nun drei Firmen gebeten, ihr Angebot abzugeben.

Herbert Hiller interessierte vor allem die Beschaffenheit des Holzes für den Bretterbeschlag. "Laut Landesdenkmalamt kann es roh bleiben, wir können es aber auch anstreichen", gab der Schultes zur Antwort. "Das Holz sollte druckimprägniert sein", warf Herbert Hiller gleich mehrmals während der Diskussion ein. Auch Gerhard Mergenthaler hat gegen eine Bretterverschalung große Bedenken und nannte als Negativbeispiel die Notzinger Volksbank. Dort musste nach relativ kurzer Zeit die Fassade entfernt werden. Allerdings räumte er ein, dass "die Kelter gar nicht so übel aussieht".

"Die Bretterverschalung unterstreicht den Scheuercharakter. Das sieht allemal besser aus als Putz", ist die Ansicht von Rudolf Kiltz. "Sauer aufgestoßen" ist Günter Barz die Ablehnung der Regenrinne, denn schließlich habe der Sanierer erklärt, dass das Wasser nicht an der gewölbten Fassade runterlaufen solle. "Wir dürfen das Wasser nicht abkanalisieren. Wir würden Probleme mit Rissen bekommen, da das Mauerwerk sonst austrocknet", wieß Jochen Flogaus auf die Besonderheit der historischen Bauweise hin.

Nach der Diskussion wurde einstimmig beschlossen, den Architekten mit der beschränkten Ausschreibung zu beauftragen, damit die Arbeiten noch in diesem Jahr abgeschlossen werden können.