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"Eine Bürgerinitiative, wie sie sein sollte"

Auch wenn das Aus für das betagte Kirchheimer Hallenbad schon beschlossene Sache war, erfreut es sich nicht nur seiner neu wiedererlangten Existenz sondern ist beliebter als je zuvor. Die Bilanz der von Vereinen und Schulen initiierten Rettungsaktion könnte positiver nicht ausfallen.

WOLF-DIETER TRUPPAT

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KIRCHHEIM Der vom Kirchheimer Ratsgremium nach der Klausurtagung gefasste Beschluss, den Sanierungsfall Hallenbad zum "frühest möglichen Zeitpunkt" zu schließen, da es nicht verantwortbar sei, auch nur noch einen Euro in das Sorgenkind zu stecken, hatte viel kreative Energie freigesetzt. Ein Mittelzentrum ohne Hallenbad konnten sich viele nicht vorstellen. Unter der Federführung der Vorsitzenden des Vereins für Leibesübungen (VfL), Doris Imrich, hatten sich Vertreter von Schulen und Vereinen nach dem ersten Schock darauf konzentriert, Lösungen zu suchen.

Wichtiger Ausgangspunkt der Überlegungen, das Hallenbad zumindest noch eine gewisse Zeit über Wasser zu halten, war die im Jahre 2002 erforderlich gewordene Erneuerung der Filtertechnik. Immerhin 110 000 Euro waren dabei geflossen, die aus technischer Sicht die Grundvoraussetzungen dafür geschaffen hatten, dass trotz maroder Hülle immerhin die Wasserqualität gewährleistet ist.

Dass am 20. September das Hallenbad wieder geöffnet werden konnte, wertete Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker im Rahmen eines Pressegesprächs im kleinen Sitzungssaal des Kirchheimer Rathauses als großartigen Erfolg und als nachahmenswertes Beispiel einer "Bürgerinitiative, wie sie sein sollte." In der gemeinsam gefundenen Lösung, die auf einer Kooperation von Vereinen, Stadtverwaltung und Schulen basiert, sieht sie zugleich ein Konzept, das wegweisend für die Zukunft sein könnte.

Beim gemeinsamen Blick zurück waren sich alle Beteiligten einig, dass der richtige Weg eingeschlagen wurde, um den zeitlich befristeten Fortbestand des Kirchheimer Hallenbades zu gewährleisten. Gemeinsam mit Doris Imrich zeigten sich Ralf-Peter Frick, Vorsitzender der Kirchheimer Ortsgruppe der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), Stefan Gölz, Vorsitzender der Tauchgruppe Teck und Robert Hertle, Vorsitzender der Schwimmabteilung des VfL überzeugt davon, dass inzwischen eigentlich fast alles besser sei, als es früher einmal war. Dass sich die das Hallenbad nutzenden Schulen und Vereine bereit erklärt haben, an der Attrraktivierung mitzuwirken und Ideen für den weiteren Betrieb einzubringen, war offensichtlich für beide Seiten ein Gewinn.

Ohne die Unterstützung der Schulen wäre dieses Projekt gar nicht möglich gewesen und hätte von den Vereinen alleine nicht geschultert werden können, betonte Doris Imrich gleich zu Beginn. Dass Vereine und Schulen "ihr" Hallenbad selbst aufschließen und auch selbst Verantwortung tragen und die Aufsicht übernehmen, sorgt dafür, dass sich der Personaleinsatz der Stadt auf den öffentlichen Badebetrieb konzentriert und damit künftig zurückgefahren werden kann. Ganz wichtig ist Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker die Kontinuität, denn die Besucher des Bades müssen sich auch im Rahmen des Kooperationsmodelles darauf verlassen können, dass die Öffnungszeiten eingehalten werden.

Dass das zuletzt häufig ins Gerede gekommene Hallenbad eine ganz neue Qualität bekommen hat und eine erfreulich hohe Akzeptanz festzustellen ist, machte Stefan Gölz deutlich, der sich überzeugt zeigte, dass das Bad seit seiner Neueröffnung so voll sei, wie noch nie. Die Schlüsselgewalt habe für die Vereine den ganz großen Vorteil, dass sie mit dem "eigenen Bad" im Blick auf gegebenenfalls bei Bedarf auch etwas nach hinten verlängerten Trainingszeiten deutlich flexibler seien.

Dass das Angebot schon jetzt ausgeweitet werden konnte und auch weiter ausgebaut wird, betonte Ralf-Peter Frick und verwies auf das mittwochs ab 18 Uhr zusätzlich ins Programm genommene Wellnessangebot und die gute Nachfrage nach den Aqua-Fitness-Kursen. Ab Januar will die Schwimmabteilung auch hier neue Angebote einrichten.

Auch die Schwimmausbildung konnte ausgeweitet und um einen speziellen Erwachsenenkurs erweitert werden. Manches passive Mitglied habe wieder zurück ins Kirchheimer Bad gefunden und auch Eltern nutzen inzwischen gerne die Zeit des Schwimmunterrichts für die Kleinen, um gleichzeitig selbst einige Bahnen zu schwimmen.

Auch wenn das "neue" alte Hallenbad erfreulichen Zulauf genießt, sollen noch viel mehr Menschen dorthin gebracht werden. Dabei soll nicht nur das Vereinsleben intensiviert, sondern mit Events wie Disco, Kino oder Zwölf-Stunden-Schwimmen sowie unterschiedlichsten Schnupperangeboten" versucht werden, neue Besuchergruppen anzusprechen. Ideen seien da und müssten nun auch umgesetzt werden, waren sich die Vereinsvertreter einig.

Wie groß das Interesse am befristeten Erhalt des Hallenbades tatsächlich ist, hatte sich nach dem Gemeinderatsbeschluss gezeigt. 600 Unterschriften wurden seinerzeit bei der Stadtverwaltung abgegeben. Die Vereinsvertreter hatten damals 1 000 Unterschriften gesammelt und vor allem auch das Gespräch mit den Bürgern über die Weiterverwendung des Bades für Vereine, Schulen und die Öffentlichkeit gesucht.

Was bei aller Begeisterung über das zumindest auf Zeit über die Runden gerettete Hallenbad zu beklagen bleibt, ist die durch den schlechten Gebäudezustand nicht zu vermeidende Energieverschwendung, die dafür sorgt, dass die Heizanlage eher die Umgebung als die Schwimmhalle selbst erwärmt. Investitionen in Isolierung und Fenster schließen sich aber aus. Maximal drei bis vier Jahre, so lautet die Prognose für den möglichen Erhalt und die Nutzung der maroden Einrichtung, die trotz weiter veralternder Technik dennoch die erforderliche gute Wasserqualität sicherstellen kann.

Mindestens 5,6 Millionen Euro wären für eine Rundumsanierung des alten Bades am vorhandenen Standort erforderlich. Wie es mit den Planungen des neuen Hallenbades weitergeht, wird das Kirchheimer Ratsgremium in der Dezembersitzung erneut beschäftigen.