Lokales

Eine Chance für ein neues Leben

Sechsjähriger aus Usbekistan kann nach Operationen in Esslingen seine Hände wieder bewegen

Der kleine Zafar aus Usbekistan kann nach mehreren Operationen am Esslinger Klinikum seine Hände wieder bewegen.

Der kleine Zafar, eingerahmt von Chefarzt Jürgen Degreif und Schwester Susanne Engel.Foto: Petra Weber-Obrock
Der kleine Zafar, eingerahmt von Chefarzt Jürgen Degreif und Schwester Susanne Engel.Foto: Petra Weber-Obrock

Petra Weber-Obrock

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Esslingen. Im Esslinger Klinikum wurde dem Sechsjährigen aus Usbekistan, dessen Finger schwer verbrannt und vernarbt waren, die Beweglichkeit seiner beiden Hände zurückgegeben, sodass er in seiner Heimat ein ganz normales Leben führen kann. Zafar (Name geändert) ist seit einigen Monaten Patient in der Esslinger Kinderklinik. Er wurde von der Organisation „Friedensdorf International“ aus Oberhausen vermittelt, die sich gezielt um die medizinische Behandlung und Therapie schwer verletzter Kinder vorwiegend aus Afghanistan, dem Kaukasus und Angola bemüht.

Seither hat Jürgen Degreif, Leiter der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Facharzt für Handchirurgie am Esslinger Klinikum, ihn mehrfach an beiden Händen operiert. Die Kosten übernimmt das Krankenhaus. „Es gehört zu unserem Auftrag, uns auch humanitär einzusetzen“, sagt Bernd Sieber, der Geschäftsführer der Esslinger Kliniken, und schaut dieses eine Mal nicht aufs Geld.

Als der kleine Junge gemeinsam mit Bärbel Franz von Friedensdorf International in die Kinderklinik kam, brachte er gleich einen schweren Infekt und die Windpocken mit. Erst nachdem diese auskuriert waren, konnte Chefarzt Jürgen Degreif ihn operieren. „Durch schwere Vernarbungen an Mittel-, Ring- und kleinem Finger konnte er diese nicht mehr strecken“, erklärt er. Bei der Korrektur dieser schweren Beugekontraktion wurde Haut aus der Leistengegend auf die Innenseite der Finger verpflanzt, die es Zafar jetzt möglich macht zuzugreifen. Seine rechte Hand ist bereits wieder funktionsfähig. An der linken wird der Eingriff noch durch einen zweiten ergänzt, weil hier das Unterfettgewebe aufgerissen war. „Das muss noch zu Ende gemacht werden“, sagt der Arzt.

Wie die Verletzung entstanden ist, kann heute nicht mehr rekonstruiert werden. „Viele unserer Kinder weisen Brandverletzungen auf, die in ihrer Heimat nicht angemessen therapiert werden können“, meint Bärbel Franz. Die seit 1967 bestehende Organisation Friedensdorf International betreut im Moment rund 230 Kinder, die in Deutschland in verschiedenen Einrichtungen behandelt werden.

Für Zafar ist die Zeit in Esslingen in rund zwei Wochen zu Ende. Auf der Station der Kinderklinik, wo er schon so lange zu Gast ist, hat man ihn ins Herz geschlossen. „Die Schwestern haben an seiner Genesung einen Riesenanteil“, meint Alexandra Kretschmer, die Abteilungsleiterin „Pflege“ in der Kinderklinik. Der aufgeweckte Junge hat die Herzen nicht nur der Schwestern und Erzieher erobert, sondern wird auch von den Eltern seiner Zimmerkameraden mitbetreut. Und wenn das Heimweh manchmal über ihn kommt, ist Schwester Susanne Engel oder eine Kollegin zur Stelle. „Aber dann braucht er meistens nur etwas Zeit und ist danach wieder ganz munter“, sagt sie. Nach einem Aufenthalt in einem Heim der Hilfsorganisation, wo er noch Rehabilitationsmaßnahmen erhält, kehrt Zafar Mitte August zu seiner Familie nach Usbekistan zurück.