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Eine der Aufgaben hieß: „Weltmarkt erobern“

Nachruf auf den Owener Unternehmer Adolf Leuze, den „Vater der bielomatik“

Adolf Leuze12.8.1931  -   14.4.2014
Adolf Leuze12.8.1931 - 14.4.2014

Owen. Am vergangenen Montag ist der Owener Unternehmer Adolf Leuze nach schwerer Krankheit im 83. Lebensjahr verstorben. Ein Leben lang war er mit den Geschicken

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Andreas Volz

der familieneigenen Unternehmen innerhalb der Leuze-Gruppe eng verwoben. Untrennbar mit seinem Namen verbunden ist der Erfolg des Neuffener Unternehmens bielomatik Leuze. 30 Jahre lang war er Geschäftsführer des Maschinenbauers in der Nachbarschaft seiner Heimatstadt Owen – von 1961 bis 1991. Er hat bielo­matik in dieser Zeit entscheidend geprägt und nach vorne gebracht. Beim Jubiläum zum 60-jährigen Bestehen war er deshalb vor acht Jahren in Neuffen auch als „Vater der bielomatik“ bezeichnet worden.

Ebenfalls vor rund acht Jahren hat Adolf Leuze in anderem Zusammenhang – als Rotarier – sein Leben stichwortartig zusammengefasst. Einerseits heißt es da, er sei „wohlbehütet im Elternhaus aufgewachsen“. Andererseits ist aber auch von der „Sozialisation im Fabrikantenhaushalt“ die Rede. Sein Geburts-, Eltern- und späteres Wohnhaus steht in der Owener Fabrikstraße. Die Wohnung lag einstmals über dem Büro, und so hielt Adolf Leuze viele Jahre später schriftlich fest, was er schon von frühester Jugend auf gelernt hatte: „Alles war dem Interesse des Geschäfts untergeordnet, die Firma ging vor.“

Die Sozialisation in der Firma sollte kriegsbedingt sehr gründlich und von der Pike auf erfolgen: Als die Oberschule in Kirchheim von März bis Dezember 1945 geschlossen und zum Lazarett umfunktioniert worden war, fand der Schulunterricht nur in Baracken statt, erinnerte er sich im Alter. Während dieser Zeit habe er – als 13-/14-Jähriger – in der Weberei des familieneigenen Textilunternehmens gearbeitet und bereits „nach kurzer Anlernzeit sechs Webstühle bedient, wie jeder Weber“. Dazu hätten auch Arbeiten gehört wie das Beseitigen von Ruß im Kessel oder von Kalk in Wasserrohren.

Nach dem Abitur 1950 und einem Jahr im Büro der Textilfirma folgten Praktika in den verschiedensten Betrieben, unter anderem in der Schweiz. Ende 1952 begann Adolf Leuze sein Studium der Betriebswirtschaftslehre, das ihn von Heidelberg nach Grenoble und schließlich nach München führte, wo er im Oktober 1955 sein Examen ablegte. Weitere Praktika absolvierte er anschließend bei Baumwollhändlern und Spediteuren im Bremen und Hamburg sowie bei Baumwoll- und Spinnereiunternehmen in den USA.

1958 bereiste Adolf Leuze zwei Monate lang Lateinamerika – von Mexiko bis Peru –, bevor er endgültig ins Familienunternehmen einstieg. Er selbst schrieb vom „Abwärtstrend“, der in der Textilbranche schon damals sichtbar geworden sei. Die Gesellschafter des Familienunternehmens hätten deshalb Ausschau gehalten „nach von der Sonne beschienenen Industriezweigen“. So kam es 1961 zum Einstieg in die Maschinenfabrik bielomatik und 1963 zur Gründung von Leuze electronic.

Adolf Leuzes älterer Bruder Helmut führt das im Gespräch noch etwas näher aus: „Es war uns klar, dass wir uns auch in einer Wachstumsbranche betätigen müssen.“ Der Einstieg bei bielomatik habe gut in die strategische Neu-Ausrichtung gepasst, „weil wir nicht nur auf einem Bein stehen wollten.“ Wenn von „wir“ die Rede ist, dann gehört außer den Brüdern Helmut und Adolf Leuze noch der gemeinsame Vetter Christof dazu. Alle drei waren 1961 Geschäftsführer des Textilunternehmens geworden – ein weiterer Grund für die Expansion, wie Helmut Leuze erläutert: „Wir waren zu dritt in einer Generation, und dafür war das Unternehmen seinerzeit zu klein.“

Nach Gründung von Leuze electronic 1963, endgültig ab 1970, hatte jeder der drei Gesellschafter seinen eigenen Bereich als Geschäftsführer zu verantworten. Für Adolf Leuze bedeutete das, dass er – in seinen eigenen Worten – bei bielomatik zuständig war für die „Reorganisation“ und die „finanzielle Gesundung“. Schließlich ging es noch darum, „den Weltmarkt zu erobern“. Alle drei Aufgaben hat er bravourös bewältigt, bis er 1991 als 60-Jähriger, dem Gesellschaftervertrag gemäß, für weitere zehn Jahre in den Verwaltungsrat wechselte.

Somit blieb ihm, erst recht seit 2002, mehr Zeit für seine Hobbys. Er selbst hat darunter vor allem „Jagen und Fischen“ verstanden, gefolgt von „Tennis und Skifahren“, „Politik“ sowie „technischen Neuheiten“. Trotz allen Interesses an innovativer Technik ist Adolf Leuze persönlich immer bodenständig geblieben. Nichts verdeutlicht das besser als eine Anekdote, die Helmut Leuze erzählt: Auf Reisen um die ganze Welt hatte Adolf Leuze viel gesehen und erlebt. Aber selbst auf Hawaii fühlte er sich erst dann richtig wohl, als er ein bayerisches Lokal ausfindig gemacht hatte. Die Heimatverbundenheit zeigt auch die Adolf-Leuze-Stiftung, die das Vermächtnis des Verstorbenen darstellt: Sie ist dem Gemeinwohl an den Unternehmensstandorten Owen und Neuffen verpflichtet.