Lokales

"Eine ,Draufschau', keine Wunschliste"

Probleme und positive Aspekte liegen auf dem Tisch. Jetzt erfolgt eine konkrete "Konfliktanalyse". Das Entwicklungskonzept "Frei- und Bewegungsräume in Ötlingen" ist damit in eine neue Phase getreten. Nun wird ermittelt, wo beispielsweise ein Radweg fehlt, oder wo der Schulweg unsicher ist.

IRENE STRIFLER

Anzeige

KIRCHHEIM Das Freiraum- und Bewegungskonzept für Ötlingen will sämtliche Generationen in die Bewertung und Gestaltung des Teilortes einbeziehen. Hintergedanke ist, dass sich ausnahmslos alle dort wohlfühlen sollen.

Von besonderer Art war die Vorgehensweise.Die Landschaftsarchitekten Marion Thiede und Thomas Frank erläuterten im Ratsrund, dass am Anfang eine breit angelegte Bürgerbeteiligung stand, die die Basis für alle weiteren Schritte bildet. Eine umfassende Befragungsaktion machte die unterschiedlichen Blickwinkel der verschiedenen Generationen auf einzelne Themen deutlich. Durchweg kritisiert wurde beispielsweise der Bahnhof. Die dortige Unterführung erscheint vielen Älteren als bedrohlich, Kinder stören sich an den herumlungernden Jugendlichen. Diese wiederum hätten dort gern einen Treffpunkt in größerem Stil.

Dass am Bahnhof generell Handlungsbedarf besteht, hat die Politik längst erkannt. Die Skateranlage in der Nähe soll bald erweitert werden. Aber auch Pläne zur Umgestaltung des gesamten Bahnhofs-Areals liegen bereits vor. Bevor die S-Bahn einfährt, soll beispielsweise ein Park & Ride-Platz angelegt werden. Vorgesehen sind auch optische Verbesserungsmaßnahmen. Grund zur Freude haben Bahnpendler, die mit dem Rad zum Bahnhof fahren: Für sie gibt es demnächst Radabstellboxen.

"Beim Bahnhof handelt es sich um eine ganz große Maßnahme", stuft Marion Thiede das Vorhaben ein und betont, dass das neue Konzept auch zahlreiche andere Ansatzpunkte ohne großen Kostenaufwand bietet. So wäre beispielsweise den Kindern, die den Bolzplatz Richtung Bodelshofen nutzen wollen, schon mit einem neuen Ballfang geholfen.

Generell hat die Befragung gezeigt, dass die eine Generation positiv bewertet, was der anderen Generation sauer aufstößt. Hier einen Mittelweg zu finden, der möglichst viele zufriedenstellt, ist eine der Herausforderungen der kommenden Monate. Zwischenzeitlich haben auch die Architekten alle Stadtteile abgeschritten, um die Gegend mit ihrem fachkundigen Blick zu bewerten.

Erstellt werden nun Karten, die die Freiflächen herausstreichen und weitere Karten, die die Verkehrswege beleuchten. Gerade in punkto Schulwege ist dank ehrlicher Antworten vieler Kinder Erstaunliches herausgekommen, wie Marion Thiede zu bedenken gab. So führt so mancher Schulweg glattweg über die Gleise.

Alle Ergebnisse werden nun mit den Erkenntnissen der Architekten kombiniert und im September der Verwaltung sowie einer eigens ins Leben gerufenen Projektgruppe vorgestellt. Daraus solllen Vorschläge entwickelt werden, was sich in Ötlingen ändern lässt. "Vieles ist ohne oder mit sehr wenig Geld möglich", beruhigt Marion Thiede schon mal die Stadträte. Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker spricht von einer "Draufschau, keiner Wunschliste", die demnächst für Ötlingen vorliegt. Ziel ist, die Bevölkerung ernst zu nehmen und einzubinden. Dadurch soll nicht nur die Lebensqualität für alle Generationen erhöht, sondern auch eine Grundlage für effektiven Einsatz der finanziellen Mittel geschaffen werden.

Einen Vorgeschmack der Mitgestaltung haben schon mal die kleinsten Ötlinger erhalten: Nach ihren Wünschen orientierte sich die Auswahl eines neuen Klettergerüsts, das bereits auf dem Spielplatz in der Warth installiert wurde.