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Eine fair gehandelte Rose zum Muttertag

Am Samstag Wahlauftakt der Grünen im Kreis – Ökopartei will in Region und Kreis zulegen

Voller Optimismus läuten die Grünen im Kreis die heiße Phase des Kommunalwahlkampfes ein. Im Kreistag wollen sie um vier Sitze zulegen und 16 Kreisparlamentarier stellen und im Regionalparlament drittstärkste Kraft werden.

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richard umstadt

Plochingen. Sag‘s durch die Blume: Zum Auftakt der heißen Phase des Kommunalwahlkampfes werden die Grünen im Kreis in sechs Städten und Gemeinden 1 000 fair gehandelte Rosen verschenken. Außerdem sollen in sogenannten „weißen Flecken“ im Landkreis, also dort, wo die Grünen keine örtlichen Listen aufstellen konnten, „Grüne Zeiten“ anbrechen. So lautet der Titel der Wahlkampfzeitung des Kreisverbandes der Ökopartei, die in einer Auflage von 108 000 Stück verteilt wird, wie Kreisvorstandsmitglied Matthias Weigert in der gestrigen Pressekonferenz mitteilte.

Für die Wahl ins Regionalparlament schicken die Grünen 16 Kandidaten ins Rennen. Die Hälfte davon sind Frauen. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir den dritten Platz halten können und insgesamt drittstärkste Fraktion im Regionalverband werden“, ist Regionalrätin Ingrid Grischtschenko optimistisch. Mit 104 Kandidaten, davon 44 Frauen, auf 13 Listen ziehen die Grünen in den Kreistagswahlkampf. Ziel ist es, durch weitere Direktmandate in Kirchheim, Nürtingen, Wernau/Plochingen und Esslingen von bisher 12 auf 16 Sitze im Kreisparlament zu kommen. Das ist zwar ein „ambitioniertes Ziel“ für Andreas Schwarz, Fraktionsvorstandsmitglied im Kreistag, aber „nicht unrealistisch“.

211 Kandidaten treten auf zehn Bündnis 90/Grünen-Listen in 20 Kommunen an. Hinzu kommen 168 Kandidaten auf zehn unabhängigen Listen und Bündnissen, die auch in die freien Wählerbereiche hineingehen. Bisher vertreten 58 Männer und Frauen die Politik der Ökopartei in den Gemeinderatsgremien.

Doch den Grünen geht es nicht nur um Personen, sondern vor allem um die Inhalte, die sie vertreten. Grüne Inhalte, wie sie zum Beispiel Ingrid Grischtschenko in „Grüne Zeiten“ formuliert. „Region ist da, wo der Fahrschein gilt.“ Die Regionalrätin aus Leinfelden-Echterdingen rührt die Werbetrommel für das Regionalticket, den Einheitsfahrschein im Verkehrsverbund. „Die Idee ist, die Region zu einem Preis befahrbar zu machen und den zweiten Ring um Stuttgart fallen zu lassen. Das wäre eine radikale Vereinfachung.“ Mit einem Fahrschein um 1,50 Euro könnte man dann von Renningen nach Kirchheim oder von Göppingen nach Marbach fahren. „Uns geht es um einen attraktiven ÖPNV und den Umstieg der Autofahrer in Busse und Bahnen.“ Dabei liegt den Grünen in der Region der Schienenweg nach Plochingen näher als Stuttgart 21 und der Fernverkehr nach Paris. „Die 100 Millionen Euro Beteiligung an dem Projekt aus dem vorigen Jahrhundert wollen wir lieber in den Nahverkehr stecken.“

Für einen rascheren Schuldenabbau des Landkreises, einen kommunalen Energieerlass, die Ausgliederung der Kreiskliniken in eine gemeinnützige GmbH und eine Standortbestimmung der beruflichen Schulen im Kreis wollen sich nach den Worten von Andreas Schwarz die Grünen im Kreisparlament starkmachen. Politik ist nach dem Verständnis des Kirchheimer Kreisrates „das Bohren dicker Bretter“. Deshalb will er beim Thema Kooperation mit den Städtischen Kliniken Esslingen am Ball bleiben.

Nachdem der Kreistag auf Antrag der Grünen vereinbarte, bis 2020 die CO2-Emmissionen im Kreis um 35 Prozent zu reduzieren, will die Ökofraktion nun durch einen Energieerlass auch für die entsprechende Umsetzung in kommunalen Gebäuden sorgen. So soll er technische Vorgaben zur energetischen Sanierung von Gebäuden machen und die Nutzer öffentlicher Gebäude zum energiesparenden Verhalten anregen.

Die Kreistags-Grünen setzen sich Schwarz zufolge für alle vier Standorte der Kreiskliniken ein. „An einer jeweiligen Schwerpunktbildung führt aber kein Weg vorbei.“ Um die Qualität der medizinischen Versorgung halten zu können, seien gute Ärzte und ein gutes Personal vonnöten. „Qualifizierte Ärzte kommen aber nur bei entsprechender Infrastruktur, und die wiederum kann nur bei vielen Fallzahlen rentabel sein“, lautet für Andreas Schwarz die Argumentationskette für die Bildung von Schwerpunkten in den vier Kliniken.

Nachfassen wollen die Grünen, wie es der Kreis mit seiner Vergabepolitik hält. Der Hintergrund: Vor einem Dreivierteljahr stellte die Ökofraktion einen Antrag, wonach sich der Landkreis Esslingen bei Vergaben Fair Trade – fairem Handel ohne Kinderarbeit – verpflichten sollte.

Spannend für den Kreisverband der Grünen ist das Thema „kommunale Stromversorgung“, da für 2010 die Stromkonzession im Kreis neu vergeben werden muss. Dabei macht Matthias Weigert keinen Hehl daraus, dass die EnBW für die Grünen nicht der favorisierte Energiebetreiber ist. „Wir wollen die kommunale Stromversorgung aus der Umklammerung der EnBW herauslösen und einen alternativen Konzessionsvertrag anbieten.“