Lokales

Eine feste Größe im Gemeindeleben

Liederkranz Lindorf feiert sein 150-jähriges Bestehen mit einem großen Festakt

Vieles gibt es in Lindorf nur ein Mal: einen Laden, eine Bank, ein Rathaus – und seit 150 Jahren auch einen Gesangverein. Auf ihren Liederkranz sind die Lindorfer besonders stolz. Deutlich zu spüren war das bei einem großen Festakt am Freitagabend im Lindorfer Bürgerhaus.

Auch die kleinen Sänger des Liederkranzes zeigten beim Festabend zum 150-jährigen Bestehen des Vereins ihr Können.Foto: Deniz Ca
Auch die kleinen Sänger des Liederkranzes zeigten beim Festabend zum 150-jährigen Bestehen des Vereins ihr Können.Foto: Deniz Calagan

Nicole Mohn

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Kirchheim. Der Liederkranz gehört zu Lindorf wie die Teck zu Kirchheim. Und er hat auch über die Grenzen des Kirchheimer Ortsteiles hinaus zahlreiche Fans und Freunde. Das zeigte der fröhlich-beschwingte Abend, mit dem der Gesangverein seine Gründung vor 150 Jahren feierte.

Zahlreiche Gratulanten waren gekommen, um den Traditionsverein zu würdigen – allen voran Bürgermeister Günter Riemer, der die Glückwünsche der Stadt überbrachte. Liebevoll grüßte er den Gesangverein mit „liebes Geburtstagskind“. Wenn auch etwas unsicher, aber mit viel Spaß dirigierte er einen der drei Chöre des Liederkranzes beim fröhlichen Quodlibet, mit dem die Jubilare ihre Gäste begrüßten.

Die Fröhlichkeit, die aus diesen Gesängen klingt, ist es, die Riemer besonders begeistert. Sie, so ist er überzeugt, bewege seit 150 Jahren nicht nur die Sänger, sondern auch die Zuhörer. Lob gab es vom Bürgermeister aber nicht nur für das „aktive Bürgerengagement“ und den Teamgeist, der in eineinhalb Jahrhunderten Liederkranz steckt, sondern vor allem für die exzellente Nachwuchsarbeit, mit der der Chor schon früh eine stabile Basis für die Zukunft gelegt habe.

„Auf den Nachwuchs dürfen sie wirklich stolz sein“, sagte einer, der es wissen muss – Udo Goldmann, Präsident des Chorverbandes Karl Pfaff. Dass Chorgesang einmal zu den Dingen gehören könnte, die ausgedient haben wie das Wählscheibentelefon oder der Kassettenrekorder, ist für ihn unvorstellbar. Damit dies nicht geschieht, brauche es Vereine wie den Liederkranz, der über 150 Jahre Liedgut gepflegt und erhalten habe, der aber auch mit der rasanten Veränderung der Welt mitgegangen und nicht stehen geblieben sei. So sei es wichtig, auch neues Liedgut einzuüben, neue Auftrittsformen zu entwickeln und in anderen Sprachen zu singen, betonte Udo Goldmann. „Wenn wir dies machen, braucht uns vor der Zukunft des Chorgesangs nicht bange zu sein.“

Ein weiteres Erfolgsrezept des Liederkranzes sei die Pflege der Gemeinschaft und die Tugend, für andere da zu sein. In einer Gesellschaft, in der dies immer seltener werde, sei es eine Aufgabe, die die Chöre pflegen müssten, appellierte Udo Goldmann.

Beim Lindorfer Liederkranz sei das gelebte Vereinskultur, wie Ortsvorsteher Stefan Würtele bestätigte: „Der Liederkranz ist ein Verein für die Jüngsten bis hin zu den jung Gebliebenen.“ Oft bringe sich der Verein im Leben in Lindorf und in der Stadt ein: zum Beispiel mit dem Singen am Osterbrunnen, bei der beliebten Hocketse, am Weihnachtsabend und auch beim Dämmerschoppen. Was der Liederkranz für Lindorf bedeutet, unterstrich der Ortsvorsteher mit einem großen Kompliment: „Was die Beatles für Liverpool und Abba für Stockholm waren, das ist der Liederkranz für Lindorf.“

Einige Meilensteine aus der bewegten Geschichte des Liederkranzes ließ der Vorsitzende Hanns Bayer Revue passieren – unter anderem erwähnte er die Gründung des Kinderchores im Jahr 1986. Inzwischen zählt der Chor „Pusteblume“ zu den größten Chören im Chorverband. Die musikalische Vielfalt vergrößert habe der junge Dirigent des Liederkranzes, Hans-Jakob Zimmer, unterstrich Hanns Bayer.

Davon durften sich die Gäste bei den Darbietungen der Chöre ein Bild machen. So präsentierten die kleinen Sänger des Chors „Pusteblume“ unter der Leitung von Silvia Fröhlich mit ihren frischen Stimmen kindgerechte Lieder. Zu hören waren außerdem die Schwabenhymne „Mir im Süden“. Und mit der Jubiläumshymne „Only Time“ boten die drei Chöre einen vielversprechenden Vorgeschmack auf das Jubiläumskonzert, das am Samstagabend stattfand (Bericht folgt).