Lokales

Eine Freude, die unten beginnt

Weihnachten ein Anlass, sich an alle zu erinnern, mit denen wir eigentlich näheren Kontakt halten möchten; die Gelegenheit zu dem längst fälligen Besuch bei nahen Verwandten; das Fest, an dem wir bereit sind, in der eigenen Familie das Trennende zu vergessen und das, was verbindet, herauszustellen. Weihnachten der Tag, an dem sich in allem Festtagstrubel und aller Gefühlsseligkeit die Sehnsucht der Menschen nach Gemeinschaft offen legt: nach gegenseitigem Verständnis, nach Zusammengehörigkeit und Geborgenheit im Kreise von Menschen, auf die man sich verlassen kann, bei denen man Halt und Hilfe findet.

Wir haben uns an Weihnachten gewöhnt. In jedem Jahr schimpfen wir zwar auch über den Rummel und die Hektik, doch wir würden Weihnachten vermissen, wenn wir es nicht hätten. Die Gefahr besteht allerdings, dass wir bei aller gefühlsüberladenen Weihnachtssentimentalität das Wesentliche aus den Augen verlieren. Und dieses Wesentliche heißt: Gott wird Mensch. Gott wird Mensch in Jesus Christus. Doch Gott wird Mensch nicht in einer Welt von "süßer die Glocken nie klingen"-Gesäusel. Er kam als Wort und als Licht, das die Finsternis erleuchtet. So beschreibt Johannes die Geburt Jesu.

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Und in welche Welt wird Jesus hineingeboren? Es waren Tage der Unruhe und der Hektik. Die römische Besatzungsmacht hatte eine Volkszählung zum Zweck der Neufestsetzung der Steuern angeordnet. Die Unterkünfte waren überfüllt die Straßen waren nicht sicher. Und in diese Welt hinein wird Jesus geboren. Nichts mit "Heiler Welt" und "Leise rieselt der Schnee". Hier wird etwas von dieser ungeheuerlichen Weihnachtsbotschaft deutlich: Gott wird Mensch nicht unserer sentimentalen Stimmung wegen, er wird Mensch, weil er den Menschen in ihrer Angst und in ihrer Not begegnen will. Gott wird Mensch auch in unserer Zeit, in unserer Welt. Gott sagt in Jesus Christus Ja zur Welt und zu uns Menschen. Er sagt Ja zu den Menschen, die nicht ideal nicht vollkommen sind. Er verlangt von uns nicht, dass wir uns zuerst einmal ändern, bevor er uns akzeptiert. Er liebt und bejaht uns so, wie wir sind. Gott nimmt uns in der Menschwerdung mit einem großen Vertrauensvorschuss an.

Jesus Christus ist in die Welt gekommen, um Licht ins Dunkel des Lebens zu bringen. Weihnachten bringt uns keine konfliktlose, heile Welt ab sofort, aber die Nacht ist völlig anders geworden. Seitdem dieses Licht in der Nacht leuchtet, ist die Nacht nicht mehr aussichtslos, seitdem kann die Nacht nicht mehr sein wie früher. Die geweihte Nacht Weih nacht verwandelt alle Nächte der Welt. Dazu zünden wir die Kerzen an, die Weihnachtslichter. Sie haben mehr Kraft als das Dunkel. Sie künden vom Licht Gottes, das uns in Bethlehem ausgestrahlt ist.

Das Licht Christi ist das Weihnachtsgeschenk Gottes an uns Menschen. Und dieses Licht der Weihnacht darf nicht auf Sparflamme brennen, es soll nicht nur in unserem Haus, in unserer Wohnung, in unserer "guten Stube" leuchten. Wir können Weihnachten nicht privatisieren. Vielmehr sind wir alle diese Lichtbringer für andere. Wo es uns gelingt, das Licht von Weihnachten zu teilen, es mitzuteilen, wird Weihnachten nicht wie ein schöner Traum vorübergehen, wie ein Traum, der viel zu schön ist, um wahr zu sein wo uns dies gelingt, da wird die dunkle Nacht zur heiligen Nacht werden. Dann werden auch wir zu weihnachtlichen Menschen mit Freude im Herzen.

Weihnachtsfreude aber kann man nicht backen wie ein Plätzchen, bei denen das Rezept den Geschmack garantiert. Es ist eine Freude, die unten beginnt, im Stall, auf dem Feld, in der Nachbarschaft, am Arbeitsplatz, in der Familie. Weihnachten ist Macht von unten, die unser ganzes Leben in Bewegung bringen kann, in eine verändernde und befreiende Bewegung.

Ihnen allen wünsche ich, dass Sie etwas von dieser Freude und diesem Licht in diesen Tagen spüren, und ich wünsche Ihnen gesegnete Weihnachten. Winfried Hierlemann Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde Maria Königin