Lokales

Eine "Führung" mit Blick in den Abgrund und in die Zukunft

An Höhen und Tiefen hat die jüngere Geschichte der Kirchheimer Schweinemarktbebauung so einiges zu bieten. Deshalb hatten sich zur ersten "Baustellenführung" am Samstag wohl auch so viele Interessierte eingefunden, um von den Höhen der Bastion in die Tiefen der Baugrube zu blicken und sich von Fachleuten den Fortgang des Projekts erklären zu lassen.

ANDREAS VOLZ

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KIRCHHEIM "Wir entwickeln die Stadt weiter und werten den östlichen Teil der Altstadt auf." So warb Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker auf der Bastion für die umfangreiche Baumaßnahme am Schweinemarkt. Die Stadt investiere 4,8 Millionen Euro in eine Tiefgarage, um die Attraktivität Kirchheims für Besucher aus nah und fern zu erhalten: "Unsere Innenstadt ist ein Schmuckstück. Viele Städte würden manches dafür geben, wenn sie etwas Vergleichbares hätten."

Zur Weiterentwicklung der Stadt gehört auch das Thema "Alleenring als Kreisverkehr". Derzeit wird untersucht, ob eine Einbahnstraßenregelung während der Bauzeit den Verkehr rund um Kirchheims Innenstadt beschleunigen könnte. Allerdings lasse sich das nicht von heute auf morgen verwirklichen, mahnte die Rathauschefin zur Geduld: "Ganz so schnell geht es nicht, aber wir sind dran." So sei beispielsweise der Busverkehr in Richtung Notzingen, Schlierbach oder Weilheim nicht ohne weiteres umzulenken. Martin Zimmert, der Leiter des städtischen Geschäftskreises Hoch- und Tiefbau sprach von einem sehr komplexen Thema, das "nicht mit ein paar blauen Säcken über den Ampeln zu lösen" sei. Er rechnet aber damit, dass eine Entscheidung über den Verkehr noch vor der Sommerpause fällt.

Fußgänger und Radfahrer dagegen können schon früher wieder ein wenig aufatmen: Der leitende Architekt Michael Reisinger kündigte an, dass schon im Lauf der nächsten Woche der Weg um die Bastion herum asphaltiert werden soll. Dieser Teil der Baumaßnahme sei aber stark von der Witterung abhängig und habe sich daher auch bereits verzögert. Die weitere Planung sieht vor, dass die neue Tiefgarage mit ihren 360 Stellplätzen an den vier Adventssamstagen schon befahrbar sein soll. Die endgültige Fertigstellung der Garage, der Straßen und der Außenanlagen solle bis Frühjahr 2006 Zug um Zug erfolgen, erklärte der Bauleiter den Zuhörern auf der Bastion. Der geplante Hochbau über der Tiefgarage werde schließlich im Frühjahr 2007 fertig sein.

Zum Investorenmodell sagte Hoch- und Tiefbauamtsleiter Zimmert: "Die Stadt bekommt eine schlüsselfertige Tiefgarage, die sie ab 26. November stufenweise übernimmt." Die Kommune trage die Baukosten für die Tiefgarage, habe aber nichts mit den Ausschreibungen zu tun. Die späteren Besitzverhältnisse stellte Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker während der Baustellenbesichtigung klar: "Der Hochbau gehört der Firma Riethmüller. Der Stadt wird die Tiefgarage gehören." Die Kommune finanziere die Garage unter anderem aus den Mitteln, die im Lauf der Jahre als Stellplatzablöse in die Stadtkasse geflossen sind.

Martin Zimmert hatte zuvor ausführlich erklärt, warum die 25 Jahre alte Tiefgarage am Schweinemarkt nicht mehr zu erhalten war. Ausschlaggebend waren demnach die mangelhafte technische Ausstattung beim Brandschutz- und beim Lüftungssystem, vor allem aber der gefährdete Korrosionsschutz: "Dem Stahl hat der Betonschutzmantel gefehlt. Wenn das durchrostet, bricht so eine stützenfreie Konstruktion mit einem Schlag zusammen. Kein Knacken kündigt das an."

Weitere Fragen aus der Bürgerschaft betrafen die künftige Pflasterung der Max-Eyth-Straße zwischen der Tiefgarage und deren Einfahrt im Hinblick auf Rollstuhlfahrer oder auch die Tatsache, dass Beobachter am Rand der Baustelle hin und wieder den Eindruck gewinnen können, es tue sich nicht viel in der Baugrube. Das ließ sich noch durch den Hinweis klären, dass manche Arbeiten auch schneller erledigt werden als im Zeitplan vorgesehen und dass sich die nachfolgenden Aufgaben dann terminlich eben nicht vorziehen lassen.

Nicht zu klären war dagegen die Frage des architektonischen Geschmacks, da die Formensprache der Moderne nicht bei allen Einwohnern auf Zustimmung stößt. Das war allerdings schon zu allen Zeiten so und wird sich auch durch mögliche weitere Baustellenführungen in den kommenden Wochen und Monaten kaum ändern lassen.