Lokales

Eine gesunde Lebensführung reduziert das Krebsrisiko

Brustkrebs: Von dieser Diagnose sind Jahr für Jahr 50 000 Frauen in Deutschland betroffen. Zwar hat die moderne Medizin deutliche Fortschritte bei der Therapierung des Karzinomtyps gemacht, trotzdem ist sie unter den Tumorerkrankungen nach wie vor Todesursache Nummer eins bei den Frauen. Vorbeugung, Früherkennung und fundierte Aufklärung sind deshalb nach wie vor die wichtigsten Waffen im Kampf gegen die Krankheit.

NICOLE MOHN

Anzeige

NÜRTINGEN Beim Informationstag Brustkrebs am Kreiskrankenhaus Nürtingen konnten sich Betroffene und Interessierte über Risiken, neue Behandlungsmethoden und Forschungsergebnisse eingehend informieren und mit den Fachärzten vom gemeinsamen Brustzentrum Nürtingen-Ruit ins Gespräch kommen.

Ein relativ neues Thema für die Medizin ist die Prävention und Lebensführung, mit dem der Leiter des Brustzentrums am Nürtinger Klinikum den Informationstag auf dem Säer eröffnete. "Eigentlich ein Thema für die 20- bis 25-Jährigen", so der Experte. Denn in diesem Alter könne man mit einer gesunden Lebensführung einiges tun, um das Risiko einer Brustkrebserkrankung zu verringern.

Ganz deutlich machte der Mediziner dabei aber, dass die Entstehung eines Mammakarzinoms keine Frage von Schuld sei: "Sie sollten die Schuld weder bei sich noch in Ihrem Umfeld suchen", bat er die Betroffenen, "denn Brustkrebs ist schicksalhaft". Bis heute sind die Ursachen, die zur Erkrankung führen, unklar.

Aus der wissenschaftlichen Erforschung wissen die Onkologen aber heute zumindest, dass Hormone wie Östrogen und Gestagen nicht die Ursache für die Entartung der Zellen seien. Erhebungen hätten zum Beispiel ans Licht gebracht, dass bei 1 000 Frauen nur zwei bis sechs nach einer Hormonersatzbehandlung an Brustkrebs erkrankten. "Sehr wohl aber spielen Hormone beim Wachstum der Tumore eine gewichtige Rolle", ergänzte der Professor. Allerdings seien diese Karzinome weniger bösartig, früher diagnostizier- und besser heilbar, so seine Erfahrung.

Die Risikofaktoren, an Brustkrebs zu erkranken, sind seiner Einschätzung nach ganz andere. Vor allem, wer genetisch vorbelastet sei, solle sich schon in jungen Jahren einer engen Kontrolle durch den Arzt unterziehen, empfiehlt der Leiter des Brustzentrums am Nürtinger Krankenhaus. Auch der Mann übrigens: Jedes 100. Mammakarzinom wird beim Mann festgestellt, erklärt Funk.

Die Wahrscheinlichkeit, ein Mammakarzinom zu bekommen, steige aber auch durch andere Faktoren wie mangelnde Bewegung, Rauchen, Übergewicht und Alkohol. Frau kann also einiges tun. "Das heißt aber nicht, sich morgens eine Handvoll Vitaminpillen einzuwerfen", sagt Funk. Vielmehr sei eine gesunde Lebensführung der Schlüssel.

Ein Garant oder gar ein Ersatz für das enge Screening sei dies freilich nicht. Regelmäßige Selbstkontrolle der Brust und vor allem die Vorsorgeuntersuchungen hätten nach wie vor eine große Bedeutung im Kampf gegen den Brustkrebs. Denn: Je früher ein Karzinom erkannt wird, desto größer seien die Heilungschancen, erinnerte der Referent.

Wie die moderne Krebstherapie heute aussieht und welche Möglichkeiten der Rehabilitation und Behandlungsmöglichkeiten nach Brustkrebs (wie zum Beispiel der Brustaufbau) heutzutage zur Verfügung stehen, darüber konnten sich die Besucher sowohl am Samstag als schon in der vorangegangenen Woche beim ersten Teil der Informationstage am Paracelsus-Krankenhaus in Ruit (das zusammen mit dem Klinikum auf dem Säer ein gemeinsames Brustzentrum bildet) informieren.

Neben Fachreferaten der Klinikärzte und Experten aus der Onkologie berichteten auch Betroffene über ihre Erfahrungen. Bei einer Fachmesse im Foyer des Nürtinger Krankenhauses boten zudem Pharmaziefirmen, Krankenkassen und Sanitätshäuser und Friseure Informationen für die zahlreichen Besucher an. Aber auch der soziale Dienst und die Seelsorger ebenso wie die Selbsthilfegruppen boten hier ihre Unterstützung an.

Birgit Gauland, eine der Organisatorinnen der Veranstaltung, zeigte sich ebenso wie Chefarzt Funk zufrieden mit der Resonanz. "Fundierte Informationen sind der erste Schritt zu einer optimalen medizinischen Betreuung", betonte sie die Bedeutung solcher Veranstaltungen.