Lokales

Eine "gute Stube" als "passendes Gesicht"


IRENE STRIFLER

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LENNINGEN "Schopfloch hat gewonnen", freute sich Michael Schlecht bei seiner ersten Rede auf dem nagelneuen Platz: Gewonnen habe der 750 Einwohner zählende Lenninger Teilort einerseits an Weitläufigkeit, aber auch an Charme und an Würde. Schließlich erhielt nicht nur der Mittelpunkt Schopflochs ein völlig neues und sehr ansprechendes Gesicht, zudem wurde auch der zentral im Ort gelegene Friedhof erweitert und mit einer neuen Aussegnunghalle ausgestattet. Letztere zeigt die Handschrift von Architekt Lothar Kraner, die Gestaltung der Ortsmitte entwickelte die Planungsgruppe Stahlecker aus Stuttgart.


"Man muss sich immer weiterentwickeln, um den Herausforderungen der Zukunft begegnen zu können", betonte Schlecht und schrieb den entscheidenden Impuls für die umfassenden Arbeiten in Schopfloch der Zusage des Landes zu, das Vorhaben mit Mitteln aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) zu bezuschussen.


"Die Lebens- und Arbeitsbedingungen sollen erhalten oder gar verbessert werden", kam der Lenninger Bürgermeister auf die Ziele des Programms wie auch des Ratsgremiums zu sprechen, das sich der besonderen Verantwortung für alle Ortsteile bewusst sei. Er unterstrich die bestehende Infrastruktur von Schopfloch, das beispielsweise über Kindergarten, Grundschule, Gemeindehalle und Rathaus sowie ein neues Baugebiet verfügt. Von der frisch eingerichteten "guten Stube" erhoffe man sich nun eine Revitalisierung des Ortskerns, der in der jüngeren Vergangenheit auszubluten drohte.


Das ehrenwerte Ziel hat seinen Preis: Schlägt man zur Platzgestaltung samt Straßenbaumaßnahmen auch noch die Grunderwerbskosten sowie die unumgänglichen Kanalsanierungskosten und den Neubau der Aussegnungshalle hinzu, summieren sich die Gesamtausgaben auf 1,4 Millionen Euro. "Das Geld ist gut angelegt", betonte der Bürgermeister zuversichtlich. Schopfloch sei nun fit für die Zukunft und habe die Chance, sich lebendig und harmonisch zu entwickeln.


Dass die Baumaßnahmen nur den formalen Rahmen geben können, der seitens der Bürger mit Leben gefüllt werden muss, kam bei der Einweihungsveranstaltung vielfach zum Ausdruck: "Es liegt jetzt bei Ihnen, diesen Wechsel einzulösen", gab Schlecht den Schopflochern mit auf den Weg. "Engagieren Sie sich als Bürger", forderte sie gleich darauf Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch vom Ministerium für Ernährung und Ländlicher Raum auf. Sie war eigens von Untergruppenbach auf die am Samstag reichlich raue Alb gereist, um sich vom Nutzen des Landeszuschusses in Höhe von 199 600 Euro zu überzeugen. Den Schopflochern gratulierte sie zu ihrem gelungenen neuen Treffpunkt und verlieh der Hoffnung Ausdruck, private Investoren könnten sich nun eingeladen fühlen, vor Ort aktiv zu werden. "Lassen Sie ihrer Fantasie freien Lauf" ermunterte sie die Anwesenden. Möglichen Investoren riet sie dazu, eine der ELR-Beratungsstellen aufzusuchen, um weitere Anregungen oder gar Fördermittel zu erhalten.


Ortsvorsteher Gunter Berger schilderte die Vorzüge der neuen Ortsmitte, die in neun Sitzungen des Ortsschaftsrates planerisch begleitet wurden, aus Sicht der Schopflocher. An erster Stelle nannte er die Erhöhung der Verkehrssicherheit durch Umbau der Ortsdurchfahrt. Die neu geschaffene Hüle, durch Brunnenwasser gespeist, erinnere an die Geschichte des Ortes, war sie doch noch vor einigen Jahrzehnten der Wasserlieferant für Mensch und Vieh. Heute dient sie als Schmuck und zum Vergnügen. Letzteres bewiesen einige Schopflocher Dreikäsehochs, die mit Gummistiefeln ausgestattet begeistert den neuen Wasserlauf erforschten. Ihr gemeinsames Spiel in Verbindung mit der Hocketse der erwachsenen Gemeindemitglieder, den Darbietungen des Liederkranzes Schopfloch und des Musikvereins Gutenberg sowie dem Engagement der Vereine, nahm den wichtigsten Wunsch des Ortsvorstehers schon vorweg: Die neue Mitte bewährte sich als Ort der Geselligkeit. Pfarrer Fritz Braun bescheinigte dem Ort voll Überzeugung, mit dem neuen Platz ein passendes Gesicht erhalten zu haben.


Im Duft der Dätscher, die die Landfrauen eifrig produzierten sowie anderer Gaumenfreuden, nahm die Einweihung ihren Lauf, nachdem Bürgermeister Schlecht und Ortsvorsteher Berger gemeinsam zur Feier des Tages ein Fässchen Freibier angestochen hatten.

Die erste Bewährungsprobe als Ort der Geselligkeit hat die neue Schopflocher Ortsmitte bestens bestanden. Die kleinen Bilder zeigen den örtlichen Nachwuchs beim Erforschen der Hüle und Bürgermeister Schlecht (rechts) sowie Ortsvorsteher Berger im Gespräch mit Staatssekretärin Gurr-Hirsch.