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Eine heilige Insel für alle Glaubensrichtungen

KIRCHHEIM "Weil die Buddhisten sich der Gewaltlosigkeit verschrieben haben, flüchten sogar die Enten vom britischen Festland nach Holy Island," erzählt Lama Yeshe

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MONIKA RIEMER

Rinpoche lachend bei seinem Vortrag der Familien-Bildungsstätte Kirchheim. Er lacht viel bei seinen Erzählungen und das, obwohl er in seinem Leben nicht immer Grund dazu hatte. Seine persönlichen Erlebnisse dienen ihm als Einleitung und Anregung. Nur wer seine Probleme und Verletzungen loslassen kann, findet zum inneren Frieden. Dieser führt nach Ansicht der Buddhisten zum Weltfrieden und auf diesem Gedanken basiert auch das Holy Island Projekt.

Doch zunächst zurück zum Leben von Lama Yeshe Rinpoche, der bereits als Achtjähriger in seiner Heimat Tibet ins Kloster kam. Als die Chinesen 1959 alle tibetischen Mönche zu Todfeinden erklärten, flüchtete er zunächst nach Indien und später nach England. Für ihn bedeutete das eine Reise in Lichtgeschwindigkeit vom Mittelalter in die Gegenwart. Dinge wie Autos, Eisenbahn oder gar Flugzeuge waren ihm zuvor völlig fremd und somit eine Sache, die nicht einfach zu verstehen war. Schlimmer jedoch wiegt die Tatsache, dass er weder seine Familie noch seine Heimat je wiedersah. Dennoch war er durch die positive Lebenseinstellung die ihm sein buddhistischer Glaube verschafft, in der Lage den Chinesen zu verzeihen.

Das Hauptanliegen seiner Arbeit ist das Verständnis und die Zusammenarbeit aller Religionen untereinander. "Keiner kann sagen: nur ich habe Recht," ist Lama Yeshe Rinpoche überzeugt. Das Holy Island Projekt, dessen Leiter er ist, soll als Vermittler zwischen den Religionen und als ein Pilger- und Rückzugsort für Menschen aller Glaubensrichtungen dienen.

Holy Island auf deutsch heilige Insel liegt vor der schottischen Westküste. Bereits während der Planung sorgte das Projekt für Wirbel, weil sich beim Architektenwettbewerb über 500 Architekten aus aller Welt bewarben. Entstanden sind schließlich Gebäude in ökologischer Bauweise, da die Entwicklung des Projektes in Harmonie mit der Natur geschehen soll. Dazu gehört auch das Pflanzen von 35 000 Bäumen, und dass Tiere in Ruhe leben dürfen. Was im Übrigen bedeutet, dass man sie weder zähmt noch füttert.

Das "exzellente" vegetarische Essen für Bewohner und Besucher soll künftig vollständig auf der Insel wachsen. Insgesamt soll ein gesundes Leben geistigen Störungen vorbeugen. Die Vertreter aller Religionen einigten sich darüber hinaus auf fünf goldene Regeln, die für jeden auf Holy Island gelten. Untersagt sind: töten, stehlen, Drogen und Fleisch zu sich zu nehmen, lügen und sexuelles Fehlverhalten.

Wichtig für das Leben ist der innere Friede und ein freudvolles Leben. "Wo keine Freude ist, ist kein Licht," sagt Lama Yeshe Rinpoche und wendet sich direkt an das Publikum: "Sie haben alles: Häuser, Autos, Geld und Job. Trotzdem denken viele, dass ihnen etwas fehlt." Er sieht das Dilemma der Europäer in der Freiheit, alles haben zu können. "Aber das ist keine wirkliche Freiheit. Nur wer nichts braucht und nichts hat ist wirklich glücklich", ist er überzeugt. Er empfiehlt das Älterwerden zu akzeptieren. Nur mit Würde zu altern mache das Leben sinnvoll. Zumal das Altern bereits mit der Geburt beginnt. Außerdem können alte Menschen noch sehr viele gute Dinge tun. Zum Abschied gibt er seinen Zuhörern noch einen Ratschlag mit auf den Heimweg: "Nehmen Sie vom Gesagten das mit worin Sie zustimmen können. Den Rest lassen Sie einfach hier und machen Sie sich keine weiteren Gedanken darüber."