Lokales

Eine industrielle "Keimzelle" soll zukunftsfähig bleiben

ANDREAS VOLZKIRCHHEIM Der Kirchheimer Planungsamtsleiter Dr. Hermann-Lambert Oediger bezeichnete das Gebiet "Dettinger Straße / Faberweg" als "eine der beiden Keimzellen der industriellen Entwicklung in unserer Stadt". Schon Ende des 18. Jahrhunderts hätten sich dort, an der Lauter entlang, die ersten Betriebe angesiedelt. Die aktuelle Frage laute nun allerdings: "Wie kann dieser Raum wieder zukunftsfähig werden?" Eine der größten Schwierigkeiten nannte er gleich vorneweg: Trotz unmittelbarer Nähe zur Autobahn sei die "verkehrstechnische Erschließung" schlecht.

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Gänzlich befriedigende Lösungen für das Problem hatte Oediger zwar nicht parat. Aber er sah "langfristiges Potenzial" darin, gemeinsam mit der Gemeinde Dettingen nach einem Erschließungskonzept für das "Gesamtgewerbegebiet" zu suchen. Schließlich setze sich das Gewerbegebiet jenseits der Autobahn nahtlos fort, ohne dass es auf Dettinger Markung von der Autobahn aus wesentlich besser zu erreichen sei.

Karl-Heinz Schöllkopf (Grüne Alternative) lobte in der anschließenden Debatte insbesondere diese "interkommunale Denkweise", da es sich "lauterabwärts" eigentlich um ein einziges, langgestrecktes Gewerbegebiet handle. Für Karl-Heinz Schöllkopf steht deshalb fest: "Das sind keine zwei Probleme, sondern eins." Rein aus Kirchheimer Sicht freute sich der Redner außerdem darüber, dass mit der Sanierung des Geländes zwischen Gaiserplatz und Autobahn die städtische Innenentwicklung weiter entwickelt werde.

Hagen Zweifel, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, bemängelte vor allem, dass das Gebiet "katastrophal schlecht" an das benachbarte Straßennetz angeschlossen sei. Grundsätzlich fand er es aber begrüßenswert, wenn das Areal künftig wieder besser genutzt werde. Außerdem zeigte er sich besonders erfreut darüber, "dass es vor allem um eine gewerbliche Nutzung geht".

Die Nähe des Gewerbegebiets zur Stadt und damit zum Wohnen, diese Verbindung stellt die Rednerin der Frauenliste, Birgit Müller, in den Mittelpunkt. Speziell kam es ihr auf die "kurzen Wege" an ein Punkt, den auch Peter Bodo Schöllkopf (SPD) aufgriff: "Man sollte Wohnen und Arbeiten möglichst zusammenbringen." Das Konzept sei langfristig zu sehen und werde für die nächsten zehn bis 20 Jahre von Bedeutung sein. Deshalb appellierte er schon einmal an die Eigentümer, intensiv mit der Stadtverwaltung und der zuständigen Arbeitsgemeinschaft zusammenzuarbeiten.

Mathias Waggershauser (CDU) betonte noch einmal, wie wichtig die Gespräche mit der Gemeinde Dettingen seien und verwies zudem darauf, dass in wenigen Jahren die Bahnhoheit in Teilen dieses Sanierungsverdachtsgebiets auslaufen werde. Vor allem aber interessierte er sich dafür, ob die Fördermittel, die das baden-württembergische Wirtschaftsministerium in Aussicht gestellt hat, für die Untersuchungen ausreichen und welche Eigenmittel der Stadt Kirchheim nötig sind?

Planungsamtsleiter Dr. Oediger und Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker antworteten darauf, dass die Fördermittel in Höhe von 100 000 Euro nur fließen könnten, wenn die Stadt ihrerseits noch rund 66 000 Euro beitrage. Wesentliche Grundlagen für die Vorbereitenden Untersuchungen seien aber bereits vorhanden, und für die weiteren Untersuchungen werde nur ein Teil der genannten 166 000 Euro benötigt. Die Oberbürgermeisterin verwies auf bestehende Anfragen von Unternehmern, die in diesem Gebiet "etwas mit ihrem Besitz machen wollen". Außerdem werde die Verwaltung "schauen, dass auch weitere Mittel fließen", wenn die Sanierung erst einmal angelaufen ist.

"Nicht ganz so euphorisch" wie seine Ratskollegen betrachtete Bernhard Most die Sache. Weil eben auch städtische Mittel gebunden werden, meinte der Vertreter von FDP/KIBÜ: "Wir haben Wichtigeres zu tun als hier eine neue Baustelle aufzumachen." Im Blick auf den Verkehrsanschluss sagte Most, dass das Gewerbegebiet eher eine Verbindung zur Stadt haben werde als zum Fernverkehr. Trotz der Bedenken wollte er aber den Beschluss für die Vorbereitenden Untersuchungen mittragen.

Die Stadt lädt alle Interessierten jetzt bereits zur Eigentümer- und Bürgerinformation am Montag, 9. Juli, im "Hirschgarten" ein. Beginn ist um 18 Uhr.