Lokales

Eine Insel der Ruhe und Begegnung

Gewinner sind derzeit nicht nur bei der Fußball-Weltmeisterschaft zu finden. Bei der Lebenshilfe Kirchheim wurde gestern zwar nicht das lederne Rund übers Grün getreten, dafür aber umso kräftiger applaudiert. Der Beifall galt all jenen, die sich in den vergangenen zehn Jahren seit Bestehen des Cafés Paradiesle, das von der Lebenshilfe und dem Aktionskreis Behinderte betrieben wird, ehrenamtlich eingebracht haben.

DANIELA HAUSSMANN

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KIRCHHEIM Eltern, Freunde, Bekannte, aber auch Nachbarn wurden mit einem Buffet, Tanz, Musik und einer Dia-Vorführung mit Bildern aus den Jahren 1996 bis 2006 für ihr Engagement und ihre tatkräftige Unterstützung beim Jubiläum geehrt. Allsonntäglich bewirtetet ein Kreis aus Menschen mit Behinderung begleitet von ehrenamtlichen Helfern Radfahrer, Spaziergänger und Familien mit Kaffee und Kuchen. In einem besonderen Seminar wurden sie von Annette Weißenstein auf den Betrieb vorbereitet. Kaffeezubereitung, Servieren, die Küche in Ordnung halten, all das sind Dinge, die unter anderem von der Leiterin des Cafés vermittelt wurden.

Mit ihrer Begegnungsstätte für Behinderte wie Nicht-Behinderte, sind die Mitarbeiter der Lebenshilfe fest verwachsen. "Das ist ein Stück Normalität für uns", erklärt Markus Schmidt, der an einer spastischen Behinderung leidet. "Ich serviere Kuchen, bereite Kaffee zu und es klappt wunderbar. Das Paradiesle sind für mich nette Gespräche, Begegnungen unterschiedlichster Art, Freunde und ein Stück Verantwortung." Darüber hinaus sind es aber auch Erfolgserlebnisse die Selbstbewusstsein schaffen, die die Gemeinschaft im Wohnheim und mit den umliegenden Anwohnern stärken, die vor allem aber integrativ wirken.

"Hier werden Ängste abgebaut", weiß Christian Birzele-Unger, Vorstandsmitglied im Verein der Lebenshilfe, rückblickend auf die vergangenen zehn Jahre zu berichten. "In zahlreichen Gesprächen wurde ich mit Fragen meiner eigenen Elternschaft einer behinderten Tochter konfrontiert oder wie der Alltag meiner Familie aussieht. Häufig wissen Menschen ohne Behinderung nicht, wie sie mit Behinderten umgehen sollen. Diese Angst wird ihnen hier genommen. Viele wurden zu Stammgästen und in der Nachbarschaft sind wir bekannt." Was den ein oder anderen Plausch im Café oder auf der Straße, wenn man sich begegnet, ganz selbstverständlich mit einschließt. "Alltägliches beinhalten die Gespräche, die wir führen, wenn wir uns hier oder nach einem Spaziergang treffen," sagt Nachbarin Ute Probst.

Die Jubiläumsfeier am Sonntag bot vielen der rund 70 Gäste einen Austausch über die Erfolgsgeschichte des Cafés in der Saarstraße, das für Markus Schmidt und seine Mitbewohner eine Insel der Ruhe und Begegnung ist, der sie für die Zukunft noch etliche Besucher, aber auch viele fleißige Kuchenbäcker wünschen. Mit Musik und einer tänzerischen Darbietung der Gruppe "Red Lemons" von der evangelischen Johanneskirche in Ötlingen, erreichte der Jubiläumstag bei sonnigen Temperaturen seinen Höhepunkt.