Lokales

Eine Kirche feiert 100. Geburtstag

Jubiläumsprogramm der Kirchengemeinde Sankt Ulrich – Vortrag über Kirchenarchitekt Cades am morgigen Mittwoch

Die Ulrichskirche in Kirchheim wird hundert Jahre alt. Die Kirchengemeinde hat aus diesem Grund ein umfangreiches Jubiläumsprogramm zusammengestellt. Einige kulturelle Veranstaltungen sind bereits über die Bühne gegangen. Am morgigen Mittwoch folgt ein Vortrag über den Architekten der Kirche. Höhepunkt der Feierlichkeiten ist das Jubiläumswochenende vom 13. bis 15. Juni.

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Andreas Volz

Kirchheim. Hundert Jahre Sankt Ulrich in Kirchheim: Das ist schon allein deshalb etwas Besonderes, weil es sich hier im protestantisch geprägten Württemberg um eine katholische Kirche handelt, die ein beträchtliches Alter erreicht hat. Interessant dürfte außerdem sein, dass die Ulrichskirche das zweitälteste Kirchengebäude ist, das die Kirchheimer Kernstadt aufzuweisen hat. Nur die Martinskirche ist älter.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sind in Württemberg viele katholische Kirchengebäude entstanden. Flucht und Vertreibung hatten unzählige Menschen katholischen Glaubens in eines der protestantischen Stammlande geführt. Dass in Kirchheim aber bereits 1908 eine katholische Kirche eingeweiht werden konnte, führt Dieter Groß, der Zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderats, auf die Umwälzungen nach einem anderen Krieg zurück: Der Deutsch-Französische Krieg hatte zur Reichsgründung 1871 geführt und zum wirtschaftlichen Boom der Gründerjahre. In Kirchheim war sogar schon durch den Bau der Eisenbahn ab 1864 ein lokaler Aufschwung eingetreten: „Dadurch sind viele Arbeiter nach Kirchheim gekommen, und das hat das katholische Gemeindeleben beflügelt.“

Die ersten katholischen Gottesdienste in Kirchheim fanden damals in der Schlosskapelle statt, die aber schon bald zu klein wurde. So entstand der Wunsch nach einem eigenen Versammlungsort, zugleich aber auch nach einer eigenen repräsentativen Kirche. Für den Bau selbst fand die Diözese ohne langes Suchen den geeigneten Architekten: Josef Cades hat zahlreiche Kirchen in der Diözese im Stil des Historismus gebaut oder umgestaltet. In aller Ausführlichkeit stellt Diözesanbaumeister Dr. Heiner Giese am morgigen Mittwoch den Kirchenarchitekten Josef Cades vor. Beginn seines Vortrags im Gemeindehaus Sankt Ulrich ist um 20 Uhr.

Ein weiterer Vortrag – am Dienstag, 20. Mai, ebenfalls um 20 Uhr im Gemeindehaus – stellt den Kirchenpatron in den Mittelpunkt: Professor Dr. Manfred Weitlauff spricht über den heiligen Ulrich von Augsburg, der im 10. Jahrhundert gewirkt und schon zu Lebzeiten große Popularität erlangt hat – unter anderem durch seinen Anteil am Sieg in der Schlacht auf dem Lechfeld im Jahr 955. Dieter Groß will freilich nicht ganz ausschließen, dass das Patronat in Kirchheim auch darauf zurückzuführen sein könnte, dass der Kirchenbau vor hundert Jahren noch auf die Gunst des Hauses Württemberg angewiesen war. Der Name der Kirche würde somit auch auf Herzog Ulrich anspielen – ausgerechnet auf jenen württembergischen Herrscher also, der die Reformation eingeführt hat.

Weitere Details zur Baugeschichte, auch zu umfangreichen Innensanierungen während der vergangenen hundert Jahre, sowie zum aktuellen Gemeindeleben sind bis Mitte Mai in einer Festschrift nachzulesen. Der Verkaufsstart der Festschrift ist am 20. Mai im Rahmen des Vortrags über den heiligen Ulrich.

Mitte Juni folgt der Höhepunkt des Jubiläumsjahrs: Am Freitag, 13. Juni, um 19 Uhr wird im Kornhaus die Ausstellung „100 Jahre Kirche Sankt Ulrich“ eröffnet. Am Sonntag, 15. Juni, beginnt um 10 Uhr der Festgottesdienst mit Bischof Gebhard Fürst. Daran schließt sich ein Gemeindefest rund um Sankt Ulrich an.

Drei kulturelle Jubiläumstermine sind im Veranstaltungskalender, der in den jeweiligen Kirchengemeinden aufliegt, noch aufgezählt: Am Sonntag, 27. April, führt der Kindergarten Sankt Gabriel im Gemeindehaus Sankt Ulrich das Theaterstück „Tao“ auf. Beginn ist um 14.30 Uhr. Am Sonntag, 8. Juni, ist der katholische Kinder- und Jugendchor mit dem Musical „Josef – eine Träumerkarriere“ an der Reihe. Die Aufführung in der Kirche beginnt um 11 Uhr. Am Samstag, 19. Juli, schließlich steht die Kirche Sankt Ulrich ab 20 Uhr ganz im Zeichen der 8. Kirchheimer Orgelnacht.