Lokales

Eine „Krake“ mit vielen Armen

Scientologen versuchen in Jugendverbänden Fuß zu fassen

Bekanntlich hat eine Krake viele Arme und die sogenannte Scientology-Kirche viele Tarnableger. Jetzt versucht sie, sich über „Jugend für Menschenrechte“ an Jugendorganisationen he­ranzumachen.

richard umstadt

Kreis Esslingen. Der Scientology-Ableger „Jugend für Menschenrechte“ ist kein Unbekannter in der Verfassungsschutzszene. Erfolglos versuchte die Tarnorganisation der Scientologen in Schulen Fuß zu fassen. Jetzt also haben sie sich Jugendverbände, Jugendringe und Einrichtungen der offenen Jugendarbeit auserkoren, um über das „Werkzeug“ Menschenrechte Mitglieder zu rekrutieren. „Teilweise haben sie sich sogar als Mitglieder von Jugendorganisationen ausgegeben“, warnt Johannes Heinrich, Geschäftsführer des Landesjugendringes Baden-Württemberg seinen Kollegen Kurt Spätling vom Kreisjugendring Esslingen.

Heinrich wiederum wurde vom Bayrischen Jugendring informiert. In München und Umgebung wurden bereits einige Jugendorganisationen wie zum Beispiel das Jugendrotkreuz oder Einrichtungen der offenen Jugendarbeit von Vertretern von „Jugend für Menschenrechte“ angesprochen. Es sollten Treffen vereinbart werden, um „sich einfach mal vorzustellen“. Da „Jugend für Menschenrechte“ eindeutig Ziele von Scientology verfolgt, empfahl der Bayrische Jugendring keine Kooperation mit dieser Organisation. Auch machte der Kreisjugendring München-Stadt von seinem Hausrecht Gebrauch und erteilte den Vertretern von „Jugend für Menschenrechte“ ein Hausverbot.

Bereits im April 2006 hat das Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg eine entsprechende Warnung veröffentlicht: „Unter dem Schlagwort „Jugend für Menschenrechte“ hat die Scientology Organisation (SO) eine neue PR-Offensive begonnen. Hinter dem vermeintlichen Einsatz für Menschenrechte verbergen sich jedoch eigennützige Motive. Wer wollte den scheinbar hehren Zielen einer Gruppierung widersprechen, die sich „Jugend für Menschenrechte“ nennt? Eine solche Vorgehensweise hat bei der SO System. Ihr dürfte es als einer Organisation, die bereits ein öffentliches Lossagen von Scientology oder gar Kritik an ihrer Lehre als „Schwerverbrechen“ brandmarkt, nicht wirklich darum gehen, der Bevölkerung das Thema Menschenrechte näherzubringen. Die Scientology Organisation führt nämlich bereits seit Jahren „Menschenrechtskampagnen“ durch, um sich in Szene zu setzen, soziale Akzeptanz zu gewinnen und auf diese Weise ihr schlechtes Image zu verbessern“.

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