Lokales

Eine Million Mehrbelastung durch Umlagen ist die "Krux"

Was sich im vergangenen Jahr bereits abgezeichnet hatte, ist nun unerbittlich eingetreten: Das Umlagensystem sorgt dafür, dass Owens Bürgermeister Siegfried Roser in seinem letzten Amtsjahr noch einmal einen Haushalt mit negativer Zuführungsrate einbringen musste. Das Defizit des Verwaltungshaushalts 2008 liegt bei knapp 190 000 Euro.

ANDREAS VOLZOWEN Siegfried Roser wollte seine Enttäuschung nicht verhehlen: "Ich hätte mir gewünscht, dass der letzte von mir eingebrachte Haushalt keine negative Zuführungsrate aufgewiesen hätte." Das Minus im Jahr 2008 ist zwar nicht ganz so hoch wie noch vor einem Jahr befürchtet: Statt 500 000 Euro sind es "nur" 188 913 Euro, aber zum großen Bedauern des Owener Bürgermeisters hatte es eben doch nicht ganz gereicht, um die "insgeheim erhoffte positive Zuführungsrate" verkünden zu können. Den Grund für diese "unselige Entwicklung" hatte Siegfried Roser schnell ausgemacht. Schließlich hat er zwei Jahre lang vor den unvermeidbaren Enttäuschungen über den Haushaltsplanentwurf 2008 gewarnt: Finanzausgleichs- und Kreisumlage schlagen im laufenden Owener Haushaltsjahr mit 2,59 Millionen Euro zu Buche über eine Million Euro mehr als 2007. "Diese fehlende Million ist die Krux des Haushaltsplans 2008", brachte es der Bürgermeister auf den Punkt.

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Die Ursachen für die hohen Summen, die Owen in die Umlagetöpfe einzahlen muss, sind in den positiven Haushaltsjahren der vergangenen Jahre zu suchen. Sie haben dafür gesorgt, dass Owen im Jahr 2008 mit einer Steuerkraftsumme von 1 169,61 Euro pro Einwohner unter den 44 Kommunen im Landkreis Esslingen auf Platz 4 liegt, hinter Neuhausen, Aichtal und Leinfelden-Echterdingen. 2006 hatte Owen in dieser Rangliste noch Platz 38 belegt, wie Bürgermeister Roser im Gemeinderat ausführte. Die Steuerkraftsumme hat sich seither fast verdoppelt.

Weil Owen sich an den Grundsatz halte, nur tatsächlich erwirtschaftetes Geld zu investieren, "sollten wir 2008 eigentlich die Hände in den Schoß legen und uns jegliche Baumaßnahme verkneifen", meinte Bürgermeister Roser. Dennoch stehen im Vermögenshaushalt einige Projekte auf dem Programm: Für Abriss und Neubau des Kindergartens Bahnhofstraße sind im Haushaltsplan 700 000 Euro eingestellt. 320 000 Euro sind dafür vorgesehen, im Obergeschoss der "Beginenklause" Ausstellungsräume für eine Art Heimatmuseum einzurichten. Weitere Maßnahmen stehen im Sanierungsgebiet "Westlich der Lauter" an. Außerdem ist im Vermögenshaushalt, der ein Volumen von 1,8 Millionen Euro aufweist, der Restausbau der Teckstraße und die Sanierung des Wohngebäudes Rathausstraße 8/1 berücksichtigt.

Die Einnahmen im Vermögenshaushalt sollen durch den Verkauf von Bauplätzen in der Eisenbahnstraße, Hinter der Steige und Im Brühl kommen. Außerdem ist vorgesehen, aus der Rücklage 543 000 Euro zu entnehmen. Der Stand der Rücklage würde demzufolge zum Jahresende noch einen Betrag von rund drei Millionen Euro aufweisen. Zum wiederholten Male wies Siegfried Roser darauf hin, dass Owen eine vergleichsweise hohe Rücklage benötige, so lange über die Klage eines ortsansässigen Unternehmens gegen eine Gewerbesteuerveranlagung noch nicht entschieden sei. Der Schuldenstand im Kämmereihaushalt soll wie in den Jahren zuvor um rund 40 000 Euro verringert werden. Zum Jahresende wird er dann bei knapp 540 000 Euro liegen, was einem Pro-Kopf-Betrag von 154,09 Euro entspricht. Damit liegt Owen weit unterhalb des Landesdurchschnitts. Rechnet man allerdings noch die Schulden der Eigenbetriebe Abwasserbeseitigung und Wasserversorgung hinzu, dann lag Owen zum Jahreswechsel 2007/2008 mit einer Verschuldung von 610,92 Euro pro Einwohner gut 100 Euro über dem Landesdurchschnitt.

Die Gewerbesteuereinnahmen für 2008 sind mit 1,6 Millionen Euro veranschlagt. Leicht darüber liegt der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer, der somit die größte Owener Einnahmequelle im Jahr 2008 ist. Die Hebesätze liegen unverändert bei 380 Prozentpunkten für die Grundsteuer A, bei 370 für die Grundsteuer B sowie bei 345 Prozentpunkten für die Gewerbesteuer.

Trotz der Enttäuschung über die negative Zuführungsrate konnte Bürgermeister Roser schließlich auch Erfreuliches vermelden: "Wenn alles gleich bleibt, erzielen wir 2009 wieder eine positive Zuführungsrate von 313 000 Euro."

Nach eingehender Betrachtung hat der Owener Gemeinderat im Anschluss an die Einbringung die Haushaltssatzung für das Jahr 2008 einstimmig beschlossen.