Lokales

Eine nahezu unbeeinflusste Dynamik im Waldökosystem

BALTMANNSWEILER Bannwälder werden nicht bewirtschaftet und bleiben unberührt; sie entwickeln sich im Laufe der Jahre zu Urwäldern. Der Schachener Bannwald hat eine Größe von rund 73 Hektar und zieht sich in einer Länge von zwei Kilometern und einer Breite von 350 Metern zwischen Baltmannsweiler und Plochingen. Es handelt sich überwiegend um Staatswald, 5,2 Hektar gehören zum Stadtwald Plochingen und 2,2 Hektar zum Evangelischen Kirchenwald Esslingen.

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Der Schachenwald beherbergt viele sehr alte Eichen und Buchen. Der Leiter des Staatlichen Forstamtes Esslingen, Walter Wiedmann, erläuterte: "Der Sturm Lothar fegte im Jahr 1999 mit über 180 Stundenkilometern über den Schachenwald hinweg und hinterließ beträchtliche Sturmlöcher. Hier herrscht jetzt ein üppiges Lichtangebot, unter dem sich zahlreiche junge Bäumchen in reicher Artenvielfalt angesiedelt haben."



Die Fragen der Forstwissenschaftler in solchen Gebieten lauten denn auch: Welche Baumart wird sich durchsetzen? Welche Entwicklung wird die Pflanzenwelt ganz ohne menschliches Eingreifen nehmen?



Minister Stächele wies darauf hin, dass die Ausweisung von Bannwäldern in Baden-Württemberg eine lange Tradition habe. Bereits 1911 habe man im Nordschwarzwald den ersten Bannwald an der Hornisgrinde ausgewiesen. Das Waldschutzgebietsprogramm von 1993 sah die Ausweisung von zwei Prozent der Waldfläche des Landes als Bann- oder Schonwälder vor. Das seien rund 26 000 Hektar; diesem Ziel sei man jetzt schon sehr nahe gekommen.



Stächele erläuterte, die naturnahe Waldwirtschaft müsse auch in Zeiten knapper Kassen weiterentwickelt werden. Dazu brauche es die Bannwälder als eine Art von Freilandlaboratorien, in denen walddynamische Prozesse erforscht werden könnten. Stächele unterstrich: "Mit Blick auf die Diskussion um einen Klimawandel gewinnt die Bannwaldforschung eine aktuelle und noch höhere Bedeutung." Fragen sind dabei unter anderem, wie die Wälder auf Klimaveränderungen reagieren und welche Unterschiede es im Vergleich von Wäldern mit einer großen Vielfalt zu solchen mit einer geringeren Vielfalt gibt.



Neben der Vielfalt an Pflanzen entwickelt sich im Schachener Bannwald aber auch ein großer Artenreichtum an Tieren. Dort findet man zum Beispiel den Feuersalamander und auch die Gelbbauchunke.



Waldforscher denken in langen Zeiträumen. Eberhard Aldinger von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg spricht von einem Zeitraum von 300 bis 500 Jahren, bis man seriös beurteilen kann, welche Baum- und Pflanzenarten sich in dem Schachener Bannwald durchsetzen werden. Seine Prognose lautet: Im oberen Bereich werden es überwiegend Buchen mit einigen Tannen, im unteren Bereich des Schachenwaldes vorwiegend Eschen und Bergahorn sein. Dabei gilt es unter Waldforschern als sicher, dass sich in unseren Laubwäldern überwiegend die Buche durchsetzen wird, vorausgesetzt, es kommt zu der erwarteten Klimaerwärmung von drei Grad in den nächsten 100 Jahren.



Zu den Kosten der Bannwaldforschung hieß es: Einmal gebe es Einnahmeausfälle, weil der Bannwald nicht bewirtschaftet werde. Für die reine Forschung zu dem Thema wendet das Land Baden-Württemberg pro Jahr 100 000 Euro auf.

Landwirtschaftsminister Stächele (Mitte) im Gebiet Schachen, das als Bannwald ausgewiesen ist.