Lokales

Eine neue Heimat für die Helfer

Technisches Hilfswerk nimmt erweiterten Unterkunftsbau in Betrieb – 600 000 Euro investiert

„Manchmal ist es gut, nicht alles zu wissen, was noch auf einen zukommt“, sagte Andreas Baumann, Ortsbeauftragter des Technischen Hilfswerks (THW), bei der Einweihung des erweiterten Unterkunftsbaus. Unvorhergesehenes, Mehrkosten und ein harter Winter sorgten dafür, dass das THW Kirchheim einige Monate länger als geplant in seiner Ersatzunterkunft bei der Firma Blessof bleiben musste.

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PETER DIETRICH

Kirchheim. Nun ist es so weit, die im Jahr 2004 erstmals angedachte Erweiterung ist gebaut. Vier neue LKW-Garagen sind entstanden, es gibt einen größeren Lehrsaal, neue Büroräume und Umkleiden. Die Jugendgruppe, zu der 30 Nachwuchskräfte zählen, erhielt auf einigen der 300 neuen Quadratmeter einen eigenen Raum mit Sofa. Im Obergeschoss, über den neuen Garagen, blieb etwas Platz übrig, der die Baurichtlinien überstieg. So entstand eine überdachte Dachterrasse.

Das THW ist eine Katastrophenschutzeinrichtung des Bundes, das in die Erweiterung rund 600 000 Euro investiert hat. Die etwa 60 THW-Aktiven erbrachten sehr viel an Eigenleistungen. Fast täglich sah Maren Krebs, die stellvertretende Ortsvorsitzende, nach dem Baufortschritt. Für ihren Einsatz überreichte ihr Dirk-Hubertus Bosse, der Landesbeauftragte des THW, das Helferzeichen in Gold mit Kranz. Ihre örtlichen THW-Kollegen schenkten Maren Krebs einen gelben Reflexstreifen mit der Aufschrift „Bauherrin“.

„Es war der richtige Zeitpunkt, es war eine Notwendigkeit“, würdigte Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker die Baumaßnahme. „Das THW hat sich ausgerichtet für die Zukunft.“ Es habe einen festen Platz in der Stadt. Mit der Feuerwehr und dem Deutschen Roten Kreuz, die gleich nebenan untergebracht sind, sei es eng verbunden.

Baumann, der am Samstag zugleich seinen Geburtstag feierte, blickte auf die rund einjährige Bauzeit zurück und beschrieb den Umzug ins Übergangsquartier als „Gewaltaktion in wenigen Tagen“. In Ruhe aussortiert worden seien manche Schätze der 1960er- und 1970er-Jahre erst bei der Rückkehr. Im November 2009 wurde etwas zu optimistisch das „Bergfest“ gefeiert. Hellgrau oder dunkelgrau, Sichtbeton oder verputzen, das seien Anfang des Jahres heiß diskutierte Fragen gewesen.

Begleitet wurde der Um- und Anbau von Matthias Marks, Leitender Baudirektor beim Staatlichen Hochbauamt Reutlingen. Im Dezember 2005 beschäftigte sich das Amt das erste Mal mit der Planung. Gut zwei Jahre später kam der offizielle Planungsauftrag, im Juni 2008 begann das baurechtliche Verfahren. Den großen symbolischen Schlüssel nahm Marks wieder mit, der Monteur für die richtige neue Schließanlage wird für Mittwoch erwartet.

Ihre neue Werkstatt erleichtert den handwerklich fitten THW-Aktiven die Arbeit. Dem Pajero, den sie in Eigenarbeit komplett zerlegt und neu aufgebaut haben, ist sein früherer UNO-Einsatz nicht mehr anzusehen. Auch der Gerätekraftwagen (GKW) III, dessen Schmutzwasserpumpen schon viele Keller trocknen halfen, wurde von den örtlichen Helfern aufgebaut und finanziert. Der vom Bund finanzierte GKW I ist eine fahrende Werkstatt, der GKW II bringt Geräte für schwere Bergungen mit. Das THW Kirchheim hat manche Ausrüstung, die die Feuerwehr nicht hat, und wird bei weitem nicht nur vor Ort gebraucht. Beim Denkendorfer Großband war es genauso mit fünf Fahrzeugen im Einsatz wie beim großen Hochwasser im Stuttgarter Westen.