Lokales

"Eine neue Mitmach-Mentalität ist wieder gefordert"

ERIKA HILLEGAART

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LENNINGEN Mit einem Festgottesdienst in der evangelischen Sankt-Martins-Kirche Oberlenningen und einem Aktionsnachmittag im Julius- von-Jan-Gemeindehaus begann die Jubiläumswoche. "Helfen geht uns alle an!" Mit dieser Aufforderung sprach Pfarrer Karlheinz Graf, erster Vorsitzender des Krankenpflegevereins (KPV) bei seiner Predigt und seinem Grußwort am Nachmittag seine Zuhörer direkt an. Er erinnerte bei seinem kurzen Rückblick, dass in den Anfängen fast alle Familien im Ort Mitglieder waren, ein Ausdruck einer selbstverständlichen Solidarität. Eine neue "Mitmach-Mentalität" sei heute wieder gefordert. Im Predigttext aus dem ersten Petrusbrief sah der Oberlenninger Seelsorger eine Ermahnung und zugleich eine Ermutigung. "Alle aber gürtet euch mit Demut untereinander, den Demütigen aber gibt er Gnade . . ." Der Mut zum Dienen erfordere den Respekt vor denen, die der Hilfe bedürften, und "Respekt heißt Rücksicht".

Diese Rücksicht erweitert den Blickwinkel. Dies zeigte der ökumenische Gemeindenachmittag mit zahlreichen Gästen von sozialen Organisationen aus dem Bezirk mit seinen Angeboten an Informationen, Erfahrungsaustausch und Aktionen. In einem Grußwort betonte Bürgermeister und zweiter Vorsitzender des Krankenpflegevereins, Michael Schlecht, die besondere Verbindung zwischen der bürgerlichen Gemeinde mit den Kirchen in der Verantwortung für die kranken, pflegenden und alten Mitbürger. Seine Glückwünsche unterlegte er mit einem Scheck aus der Gemeindekasse.

Pfarrer Graf erinnerte an die zahlreichen Vorstöße aus der Denkwerkstatt des KPV in jüngster Zeit. Er nannte einige Beispiele: ein Seelsorgekurs mit 27 Teilnehmern in Neuffen mit medizinischen und psychologischen Seminaren; die Gesprächsrunden für Pflegende Angehörige; die alle vier Wochen eingerichteten Mittagstische und sonntägliche Kaffeetafeln; ein Kochkurs für ältere Männer; ein Praxisjahr für eine angehende Altenpflegerin.

Auch das sozialpolitische Gesprächsforum der Kirchengemeinden "Im Brennpunkt" hatte Themen einer sich verändernden Gesellschaft auf sein Programm gesetzt. Von dieser Ideenvielfalt konnten sich die Gäste nach der Kaffeestunde mit köstlichen Kuchen an herbstlich geschmückten Tischen im und ums Gemeindehaus überzeugen. Die Informationsstände von DRK, der Diakonischen Bezirksstelle und der Esslinger Initiative oder die Beratung über Patientenverfügungen wurden ergänzt durch Angebote, seinen Blutdruck oder Zuckerspiegel messen zu lassen, im Rollstuhl zu fahren, sich in ein Spezialkrankenbett zu legen oder sein soziales Wissen in einem Quiz zu überprüfen.

Auf leise Weise warb der gemeinnützige Krankenpflegeverein für eine Mitgliedschaft in seinem Flyer mit einer großformatigen Mohnblüte als Blickfang als wolle sie sagen: so schön, so verletzlich, so vergänglich ist das Leben. Und keiner lebt für sich allein. Der Freude und Dankbarkeit für die gelebte und zukünftige Gemeinschaft verliehen die Posaunenchöre von Ober- und Unterlenningen im Gottesdienst barocken Glanz. Der Musizierkreis der Musikschule Lenningen sorgte am Nachmittag für die besondere Note der Jubiläumsfeier.

Am Donnerstag, 23. September, um 20 Uhr, wird im Julius-von-Jan-Gemeindehaus Oberlenningen Wolfgang Kramer, Krankenhausseelsorger in Esslingen, einen Vortrag halten mit dem Thema "Für eine ganzheitliche Gesundung über die Heilkraft des Glaubens". Der Abschlussgottesdienst am kommenden Sonntag mit Oberkirchenrat i. R. Jens Timm wird musikalisch vom Jungen Chor mitgestaltet.

Sein 75-jähriges Bestehen feierte der Krankenpflegeverein Oberlenningen.