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Eine "Oase des Friedens"

Es nennt sich "Oase des Friedens" und tatsächlich wird in dem Friedensdorf "Neve Shalom-Wahat al Salam" in Israel ein Modell gelebt, das fast unmöglich scheint. Vorgestellt wird das Projekt in einem ökumenischen Gottesdienst, der am Sonntag, 19. November, um 10 Uhr in der katholischen Kirche Sankt Magnus in Wernau stattfindet.

ULRIKE RAPP-HIRRLINGER

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WERNAU Seit vier Jahren unterstützen die evangelische und die katholischen Kirchengemeinden Wernau das Friedensprojekt an der Grenze zur Westbank, in dem Israelis und Palästinenser, Christen, Juden und Muslime zusammenleben. In einem ökumenischen Gottesdienst am Totensonntag, 19. November, soll über das Friedensdorf berichtet werden.

Die Hoffnung auf persönliche Kontakte hat sich bisher nicht erfüllt. "In der derzeitigen politischen Situation ist eine Reise nach Neve Shalom leider nicht möglich", bedauert Pfarrerin Sabine Waldmann. Denn die Idee, dass vor allem junge Menschen dieses Beispiel friedlichen Miteinanders aus eigener Anschauung kennenlernen, ist ein wichtiges Ziel für sie und ihren katholischen Kollegen Wolfgang Schrenk.

Das Projekt, das im Ökumenischen Ausschuss seinen Ausgang nahm, imponiert den beiden vor allem deshalb, "weil in diesem Konflikt, der zeitweise so aussichtslos erscheint, in einem kleinen Dorf der Frieden gelebt wird und so Hoffnung gegen die Hoffnungslosigkeit gesetzt wird", so Sabine Waldmann.

In dem Friedensdorf, das 1972 von dem Dominikanerpater Bruno Hussar gegründet wurde, leben heute rund 50 Familien, wobei man auf ein zahlenmäßiges Gleichgewicht ebenso achtet wie auf eine paritätische Besetzung der leitenden Positionen. Gleichberechtigung und Verständigung zu leben ist Ziel des Dorfes. In Kindergarten und Schule, die auch viele Kinder der Umgebung besuchen, werden Hebräisch und Arabisch gleichermaßen gesprochen, ebenso wie in einer Bildungsstätte mit Jugendgästehaus und in der Friedensschule, die Begegnungen und Seminare für Jugendliche und Erwachsene aus Israel und Palästina veranstaltet.

"Das ist ebenso wie die humanitäre Hilfe, die geleistet wird, nur durch Unterstützung von außen möglich", erklärt Wolfgang Schrenk. Freundeskreise in der ganzen Welt, denen sich auch Wernau angeschlossen hat, unterstützen die Initiative.

Die Opfer aus drei ökumenischen Gottesdiensten im Jahr fließen aus Wernau in das Projekt. "Doch wichtiger als Spenden ist es, das Bewusstsein für diese Vision zu wecken", erklärt Wolfgang Schrenk. "Wir wollen zeigen, dass es eine Möglichkeit des friedlichen Zusammenlebens in Israel gibt.

Doch das Friedensprojekt hat nur dann eine Chance, wenn es international bekannt ist", weiß Sabine Waldmann zu berichten. Für Wolfgang Schrenk eröffnet die Unterstützung des positiven Beispiels nicht nur die Möglichkeit, einen differenzierten Blick auf Israel und das Judentum zu gewinnen: "Das Miteinander über Gräben kann auch für uns hier ein Impuls für das Zusammenleben sein."

Die Friedensaufgabe von Christen am Beispiel der Oase des Friedens steht im Mittelpunkt des ökumenischen Gottesdienstes am 19. November, der um 10 Uhr in der katholischen Kirche Sankt Magnus stattfindet. Im Anschluss wird ein Film über das Friedensdorf gezeigt.