Lokales

Eine Perspektive nach der Schule sollte da sein

Einen achtbaren Erfolg konnte der Kirchheimer Bund der Selbstständigen (BDS) am Wochenende mit seiner ersten "Berufsbildungsmesse" verbuchen. Etwa 250 Schüler der Kirchheimer Haupt- und Realschulen hatten es sich am Samstagvormittag nicht nehmen lassen, einen Blick in die Räume der Stadtturnhalle bei der Alleenschule zu werfen, wo die Mitgliedsbetriebe des BDS ihre Informationsstände zum Thema Ausbildung aufgebaut hatten.

HEINZ BÖHLER

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KIRCHHEIM Gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Agentur für Arbeit (früher: Arbeitsamt) hatte die kommunale Unternehmerorganisation ihre Präsentation "High-Teck" zum Anlass genommen, das Thema Ausbildung ein wenig mehr als üblich in den Vordergrund zu schieben. Die Schirmherrschaft über die Berufsbildungsmesse hatte Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heideker übernommen. "Unsere Gesellschaft ist in der Pflicht, jungen Menschen eine Basis für den Start ins Erwachsenenleben zu ermöglichen," betonte die Chefin des Kirchheimer Rathauses in ihrer Begrüßungsansprache.

Diesem Appell waren die Intentionen der Verbände und Institutionen, die praktisch und organisatorisch mit dem Thema Ausbildung befasst sind vorausgeeilt und hatten die Kirchheimer Sportvereine und vor allem die Verantwortlichen der Alleenschule dazu bewegen können, für eine Woche auf die Nutzung der Sporthalle zu verzichten. Gemeinsam hatten sie auch sonst alles in Bewegung gesetzt, damit sich genügend Teilnehmer und Fachbetriebe aus allen Branchen fanden, um ihrer Jahresmesse "High-Teck" zum ersten Mal eine speziell auf die Bedürfnisse künftiger "Azubis" und ihrer möglichen Ausbilder zugeschnittene Veranstaltung vorzuschalten. Voraus ging die Einsicht, dass die besten Ergebnisse eines solchen Unterfangens dann erzielt werden könnten, wenn alle Beteiligten, wie der IHK-Fachberater in Sachen Ausbildung, Helmut Zeeh formulierte, "an einem Strang ziehen."

So fand Wolf-Rainer Bosch, Kirchheims BDS-Vorsitzender, in ihm einen gleichgesinnten Partner und es bedurfte wenig Überredungskünste, die Stadt Kirchheim, die Schulen und die Agentur für Arbeit mit ins Boot zu bekommen. Kaum war am Samstagvormittag in der Aula der Alleenschule der Startschuss gefallen, als der Run auf die rund 40 in der Turnhalle stationierten BDS-Betriebe auch schon losging: Mehr als 250 Schüler der achten und neunten Klassen vieler Haupt- und einiger Realschulen stürmten die Stände der Banken, Flaschnereien, Versicherungsbüros. Bis an die Zähne mit Block und Kulis bewaffnet, löcherten die Jungs und Mädels den Kfz-Meister, den Steinmetz, die Bauzeichnerin eines Architekturbüros und die "Azubine" der Stadtbücherei, die über ihre eigene Situation als Auszubildende ebenso bereitwillig Auskunft gab, wie über die umfangreiche Literatur zum Thema, mit der das Stadtbibliotheksteam am Stand der Stadtverwaltung aufwarten konnte.

Wie schwierig der Weg für Schüler heutzutage ist, wird deutlich, wenn man hört, in welchem Umfang die in den Prüfungsordnungen festgelegten Anforderungen zugenommen haben. Vorbei sind die Zeiten, als eine leidliche Bekanntschaft mit den vier Grundrechenarten genügte, es in einem Handwerk zum Gesellenbrief zu bringen.

Die Beherrschung der deutschen Sprache in Wort und Schrift bildet heute für manchen Bewerber ein schier unüberwindliches Hindernis, ist sie doch für den künftigen Lehrherrn eine Grundvoraussetzung für den ersehnten Vertragsabschluss. Auch mangle es den Bewerbern vielfach an wirklichem Interesse, war zu hören, wenn es sich um einen Beruf handle, der nicht das erwünschte soziale Prestige mit sich bringe. Da kann es nur für alle Seiten von hohem Nutzen sein, wenn sich, wie am Wochenende in der "städtischen Sporthalle", beide Seiten an einem neutralen Ort treffen konnten, um sich ein besseres Bild voneinander machen zu können. Es dürfte keinen Grund geben, eine solche Veranstaltung nicht alsbald zu wiederholen, denn wie Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker zu Beginn der Veranstaltung betont hatte: "Nichts ist schlimmer, als nach der Schule in die Perspektivlosigkeit einzutauchen." Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.