Lokales

"Eine riesige Waschmaschine"

Die mechanisch-biologische Abfallbehandlungsanlage in Sansenhecken bei Buchen war das Ziel einer Exkursion der Kirchheimer Bürgerinitiative "Das bessere Müllkonzept". Der Geschäftsführer der Anlage stellte den Kirchheimer Besuchern einen alternativen Weg vor, mit Müll umzugehen.

KIRCHHEIM Seit 1. Juni 2005 darf Abfall nicht mehr unbehandelt abgelagert werden. Während der Landkreis Esslingen sich für die Verbrennung seines Restmülls in Stuttgart-Münster entschied, wählten die Landkreise Rottweil, Ludwigsburg, Schwäbisch-Hall, Enzkreis, sowie der Neckar-Odenwaldkreis einen anderen Weg: Sie liefern ihren Müll in die mechanisch-biologische Behandlungsanlage (MBA) nach Sansenhecken bei Buchen.

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Geschäftsführer Mathias Ginter führte die Besucher aus Kirchheim durch die weitläufige Anlage. Kern der Anlage sind so genannte Perkulatoren, eine Art "riesige Waschmaschinen", in denen der fein gemahlene Müll in großen Trommeln gewaschen wird, nachdem zuvor die verwertbaren Anteile, Metall, Mineralien und Kunststoffe abgetrennt wurden.

Die gewaschene Fraktion vergärt anschließend in Faultürmen und produziert dabei wertvolles Biogas. Es dient als Stützgas für die Abluftverbrennung und wird in Teilen verstromt. Die Einspeiseleistung liegt bei 2,5 Megawatt. Die MBA produziert neun Millionen Kubikmeter Biogas im Jahr. Was an festen Stoffen übrig bleibt, wird in den Rottehallen weiter behandelt, sodass die Vorschriften der neuen Abfallbehandlungsverordnung eingehalten werden. Von dem angelieferten Müll bleiben am Ende 30 bis 40 Prozent inertes Material übrig, das problemlos deponiert werden kann.

Die Anlage, hinter der der Neckar-Odenwaldkreis und der Energieversorger EnBW stehen, hat 42 Millionen Euro gekostet. Zum Vergleich: Die 1999 in Betrieb gegangene Müllverbrennungsanlage in Böblingen kostete 179 Millionen Euro und in Esslingen waren einst 350 Millionen projektiert. 15 Millionen wurden allein für die Planung ausgegeben.

Der Landkreis Ludwigsburg zahlt in Buchen inklusive Transport 113 Euro pro Tonne, während der Landkreis Esslingen in Münster 130 Euro pro Tonne bezahlt, der Landkreis Böblingen muss 161,50 Euro pro Tonne für die Verbrennung in der eigenen Anlage aufwenden. Pferdefuß des Ludwigsburger Wegs ist der weite Transport nach Buchen. 15 Lastwagen machen sich jeden Tag auf die 100 Kilometer lange Strecke. Mathias Ginter berichtete von Bemühungen, den Transport auf die Schiene zu verlagern, zumal ein Bahngleis direkt an der Buchener Anlage vorbeiführt.

pm