Lokales

Eine spannende Begegnung, bei der viel Interessantes zu erfahren war

WEILHEIM Eine Führung der besonderen Art erlebten die Schülerinnen und Schüler der Klasse 4c der Limburg-Grundschule in der Weilheimer Peterskirche. Am Tag davor hatten sich alle viele Fragen aufgeschrieben, die für sie von Interesse waren. Die Lehrerin hatte ihrer Klasse schon im Vorfeld verraten, dass es in der Peterskirche sogar eine "Königin" gibt.

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Chiara vermutete, dass es sich vielleicht um ein Bild oder eine Statue handeln könne, doch die Lehrerin schüttelte nur den Kopf. Fritz war der Meinung, es sei eventuell eine "Bienenkönigin", die mit ihrem Volk im Dachgeschoss der Kirche überwintert. Unsere Lehrerin war beeindruckt von dieser Vermutung, doch gab sie zu verstehen, dass es in der Kirche eine andere Königin gibt. Alle waren gespannt.

Pünktlich um 9.15 Uhr traf sich die Gruppe mit Kathrin Veil, die die Kinder durch die Kirche führte und sich ihren vielen Fragen stellte. So erfuhren die Besucher, dass Herzog Berthold II vom Geschlecht der Zähringer im Jahre 1089 eine romanische Basilika erbauen ließ. Bei dem verheerenden Stadtbrand von 1461 verbrannte fast die ganze Kirche.

Graf Eberhard im Bart, Herrscher in Württemberg, vereinbarte daher mit dem Abt von Sankt Peter im Schwarzwald, dem aus Weilheim stammenden Peter Einhardt, die alte Kirche in dessen Heimatstadt durch eine größere Stadtkirche zu ersetzen. Sie wurde von 1489 bis 1495 unter dem Baumeister Peter von Koblenz erbaut.

Die Reste der alten Basilika wurden zum Bau der heutigen Peterskirche verwendet. Die Balken für den Dachstuhl gelangten mitmilfe von Flößern aus dem Schwarzwald nach Weilheim. Sie tragen noch heute das Kirchendach. Nach dieser geschichtlichen Einführung erklärte Kathrin Veil einige der 64 Kirchenbilder ausführlicher.

Ein Gemälde vor dem Chor stellte ursprünglich Maria dar, wurde aber während eines zweiten Bauabschnittes von 1517 bis 1523 mit Einzug eines Gewölbes "umgemalt". Aus Maria wurde Petrus mit dem Schlüssel. Auf dem Dachboden entdeckte man bei einer Renovierung den ursprünglich gemalten Kopf von Jesus. Im Chor der Kirche wurde gemeinsam das Stifterbild bewundert. Es entstand um 1520. Auf ihm ist die Stadt Weilheim mit der Limburg zu erkennen. Anschließend erklärte Kathrin Veil ihren aufmerksamen Zuhörern, dass die schönen farbigen Kirchenfenster, auf denen Jesus und seine Jünger abgebildet sind, erst relativ spät bemalt wurden.

Nun hatten die Teilnehmer der Führung schon viel Wissenswertes über die Peterskirche erfahren, doch die gesuchte "Königin" war leider immer noch nicht dabei. Daher stiegen die Schülerinnen und Schüler auf die Empore zur Orgel, wo sie von Wolfgang Beck erwartet wurden, der Kantor und Organist der Peterskirche ist. Auch ihm konnten die Besucher alle möglichen Fragen stellen und erfuhren so, dass Andreas Goll 1795 die Orgel gebaut hat. Die Orgel ist vier Meter hoch, über fünf Meter breit und wiegt drei Tonnen. Sie verfügt über 22 Register, 126 Tasten und hat mehr als 1 000 Pfeifen. Die größte davon ist 2,40 Meter hoch und die kleinste misst 30 Zentimeter. Dies entspricht einem "Fuß".

Die Anzahl der "Füße" bestimmt die Tonhöhe. Je länger und dicker die Pfeife ist, umso tiefer erklingt der Ton. Mit einem "Trick" können Pfeifen noch tiefer klingen wenn man sie mit einem Deckel obendrauf versieht, denn kaum eine Kirche ist im Innenraum so hoch, wie das Ulmer Münster, wo überaus lange Pfeifen in der Orgel eingebaut sind.

Nachdem alle Wissensfragen beantwortet waren, führte Kantor Beck nun die gesamte Klangvielfalt vor. Mit den Füßen drückte er die Pedale, dadurch entstanden tiefe Töne. Oben, zur rechten und linken Seite der Orgel, sitzen zwei Trompete spielende Engel. Hierbei handelt es sich ebenfalls um Pfeifen. Sie geben freche, geräuschhafte Töne von sich. Einer Anekdote gemäß verstopfte einst Orgelbauer Andreas Goll diese beiden Engelspfeifen so lange, bis ihm die Stadt Weilheim den gesamten Betrag für die Orgel bezahlte.

Je nach dem, welche "Hebel" (Register) Kantor Beck zog, entstanden ganz unterschiedliche Klangfarben. Besonders entzückten die feinen Flötentönen die Schüler. Patrick H. spielte anschließend auf der Trompete "O du fröhliche", die Schulklasse sang dazu und Kantor Beck begleitete sie auf der Orgel. Als "Highlight" schaltete er auch noch den goldenen Zimbelstern ein. Hinter diesem verbirgt sich ein ganz besonderes Glockenspiel, welches am unteren Ende der Hauptorgel angebracht ist. Durch einen kleinen Motor betrieben, dreht sich der Stern und verleiht Weihnachtsliedern einen ganz besonderen Glanz.

Dominik durfte auf der Orgel auf einem Manual eigenhändig Töne spielen. Er merkte jedoch schnell, dass man ordentlich Kraft in den Fingern braucht, um die Tasten zu betätigen. Danach zeigte der Organist den Besuchern noch den "Luftsack" der Orgel. Als er den Motor der Orgel abschaltete, presste sich der Blasebalg zusammen. Kantor Beck verriet seinen Besuchern dann auch noch ganz nebenbei, dass die Orgel aufgrund ihrer außergewöhnlichen Klangfülle und Klangvielfalt auch als "Königin der Instrumente" bezeichnet wird. Nun war das Rätsel um die "Königin" in der Kirche endlich gelöst.

Zum Abschluss stiegen die Schüler mit Kathrin Veil noch die steilen 147 Treppenstufen zum 48 Meter hohen Kirchturm hinauf. Oben windete es gehörig, dennoch genossen alle die schöne Aussicht und manche Kinder konnten sogar ihr eigenes Wohnhaus entdecken. Kurz vor 11 Uhr mussten alle wieder hinunter steigen, damit niemand vom lauten Glockengeläut einen Hörschaden bekommen konnte.

Auf dem zweiten Dachboden hielt die Gruppe noch einmal inne und besichtigte die begehbaren Raumskulpturen des Künstlers Gerhard Dreher und die Schüler besichtigten interessiert das Labyrinth, die Pyramide und den Kegel. Ein besonders begeisterter Schüler wollte wissen, wie viele Stunden die Schüler hier denn bleiben können. Kathrin Veil vertröstete ihn auf das Sommerferienprogramm für Kinder und lud die ganze Klasse zu einer weiteren Kirchenführung bei wärmeren Temperaturen ein.

Patrick meinte, dass er bei diesem Besuch viele Dinge gesehen habe, die er bei seinen bisherigen Kirchgängen noch nie so bewusst wahrgenommen habe. Geöffnet ist die Peterskirche in Weilheim im Sommer täglich von 8.30 bis 18.30 Uhr und im Winter täglich von 8.30 bis 17 Uhr. Führungen werden nach Absprache angeboten. Anmeldungen werden im Evangelischen Pfarramt I unter der Rufnummer 0 70 23 / 90 97 36 entgegengenommen.

Klasse 4c,

Limburg-Grundschule Weilheim