Lokales

"Eine starke Frau" mit Herzblut, Kompetenz und Willenskraft

Abschied und Neubeginn galt es im Klinikum auf dem Nürtinger Säer zu feiern. Nach über 13 Jahren geht die Pflegedirektorin Gertrud Türk-Ihli am Ende des Monats in den Ruhestand. Neubeginn für den Nachfolger der 65-Jährigen: In ihre Fußstapfen tritt der 41-jährige Norbert Nadler, bislang stellvertretender Pflegedirektor im Klinikum in Kirchheim.

ANDREAS WARAUSCH

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NÜRTINGEN Drangvolle Enge herrschte im Konferenzsaal des Nürtinger Klinikums. Viele Gäste ließen es sich nicht nehmen, Gertrud Türk-Ihli im Rahmen der stimmungsvollen Feierstunde, die vom Nürtinger Blechbläser-Ensemble musikalisch umrahmt wurde, Lebewohl zu sagen. Den Reigen der Festredner eröffnete Heinz Eininger. Gertrud Türk-Ihli habe ihre vielschichtige Arbeit mit Herzblut und Engagement ausgefüllt, sagte der Kreis-Chef. In ihre Dienstzeit fielen viele große Veränderungen in der Gesundheitslandschaft. Seit ihrem Amtsantritt habe sich der Wandel in der Finanzierung der Krankenhäuser vollzogen. Einstmals seien die Kosten von den Kostenträgern übernommen worden, nun müssten die Häuser mit ihren Budgets auskommen. Neue Gesetze seien immer schneller gekommen, die Struktur habe sich bis hin zur Finanzierung über Fallpauschalen grundlegend geändert. Diesen Veränderungen habe sich Gertrud Türk-Ihli frühzeitig gestellt und beim Umgang mit diesen Veränderungen die Interessen der Patienten und der Mitarbeiter berücksichtigt. Das Wohl der Patienten bei wirtschaftlicher Arbeitsweise sicherzustellen, so habe stets ihre Maxime gelautet. Diese Maxime habe sie mit Kompetenz und Willenskraft umgesetzt und dafür verdiene sie Respekt und Anerkennung.

Auch im komplizierten Findungsprozess einer Struktur für die Zusammenführung der beiden Häuser in Kirchheim und Nürtingen habe sich die scheidende Pflegedirektorin stets eingebracht. Eininger: "Sie waren eine verlässliche Partnerin in schwierigen Situationen". Jeder habe ihr Organisations- und Planungstalent geschätzt, gerade auch bei den neuerlichen Umstrukturierungen, die in den Neubau auf dem Säer münden. Gertrud Türk-Ihli sei stets zukunftsträchtige Strukturen angegangen, und so sei das gesamte Haus des Klinikums Kirchheim-Nürtingen nun gut aufgestellt. "Daran haben Sie mitgewirkt", sagte Eininger an die Adresse der Scheidenden. Der Landrat vergaß nicht, Türk-Ihlis Engagement auf dem EDV-Sektor zu loben. So verwundere es auch nicht, dass Gertrud Türk-Ihli nach ihrem Abschied auf dem Säer ihre Erfahrungen bei einem Software-Unternehmen, das Programme für Krankenhäuser entwickelt, einbringen wird.

Der Ärztliche Direktor des Klinikums, Dr. Jürgen Welter, dankte Gertrud Türk-Ihli für ihre "aufopfernde Tätigkeit". Sie habe das Selbstbewusstsein des Pflegediensts gefördert, indem sie ihn als eine der drei tragenden Säulen neben ärztlichem Dienst und Verwaltung etablierte. Die Oberin Erika Jäger von der Württembergischen Schwesternschaft vom Roten Kreuz erkannte "Turbulenzen in Tornadostärke" in der Dienstzeit Türk-Ihlis, die die Veränderungen der Gesundheitsstrukturgesetze bedingten.

In ihrer Rede blickte die Geehrte zurück auf die Wurzeln pflegerischen Handelns. Heilkundige Frauen hätten Armen und Kranken schon immer geholfen. Medizin und Pflege seien in einem Atemzug zu nennen. Vor 40 Jahren sei die Gesellschaft noch vom Bild der engelsgleichen, dienenden Schwester ausgegangen, die eigentlich kein Geld brauche. Es habe erkämpft werden müssen, dass die Pflege als Profession betrachtet wird. In der Pflege müsse man die Balance zwischen Ökonomie und Humanität halten. "Pflege ist mehr als die Versorgung mit Hilfsmitteln", postulierte die scheidende Pflegedirektorin. Wenn die Qualität weiter gesteigert werden solle, könnten weitere personelle Kürzungen nicht ohne negative Folgen bleiben.

Lobend äußerte sich Gertrud Türk-Ihli unter anderem über das kleine EDV-Team des Klinikums. Stolz sei sie darauf, dass Nürtingen bei der elektronischen Leistungserfassung des Pflegediensts eine Vorreiterrolle einnehme.

Alle Redner wünschten dem neuen Pflegedirektor Norbert Nadler Glück und Geschick für sein neues Amt. Nadler hatte seine Ausbildung zum Krankenpfleger im Stuttgarter Katharinenhospital absolviert, arbeitete an verschiedenen Kliniken und studierte Betriebswirtschaft für die Verwaltung im Krankenhauswesen. Als zwei seiner wichtigsten Aufgaben betrachtet er es, die beiden Klinikstandorte zusammenwachsen zu lassen und den Umzug ins neue Haus flexibel und für die Patienten sicher zu gestalten.