Lokales

Eine „überzeugte Kommunale“

Jahresbilanz: Sabine Fohler sieht Gemeinderatsarbeit als gute Basis für den Landtag

Gut ein Jahr ist sie nun als Landtagsabgeordnete in Amt und Würden und sie fühlt sich buchstäblich angekommen im Stuttgarter Parlament. Dennoch bekennt sich Sabine Fohler anlässlich ihrer Bilanz nach einem Jahr Landtagsarbeit klar zu ihren Wurzeln im Reichenbacher Gemeinderat und bezeichnet sich nach wie vor als „überzeugte Kommunale“.

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irene strifler

Kirchheim. „Angekommen“ ist Sabine Fohler nicht nur in Stuttgart. „Angekommen“ ist sie auch in Kirchheim in ihrem noch recht neuen Büro hinter Baumkronen am Postplatz, durch dessen offene Fenster Autohupen und Brunnengeplätscher vom Alltagstrubel künden. „Angekommen“ ist sie nach 13 Monaten Tätigkeit als Abgeordnete auch längst in ihrem neuen Leben, das mehr denn je von Terminen geprägt ist. Wenn die 45-Jährige versichert, trotz der Vielzahl an Verpflichtungen weder das Gemeinderatsmandat noch die Familie aus den Augen verloren zu haben, dann wirkt das keineswegs unglaubwürdig. Umso mehr deshalb, weil Sohn Tom kurzerhand ganz selbstverständlich die überraschend verhinderte Mitarbeiterin ersetzt und der Mutter bei der Pressekonferenz zur Hand geht.

Bei diesem Anlass knüpft Sabine Fohler – wie in vielen anderen Punkten auch – an ihre Vorgängerin an: Detailliert legt sie ihre Finanzen dar, rechnet Einnahmen und Ausgaben gegeneinander auf. Nachlesen kann all dies der interessierte Bürger auf Fohlers Homepage. Die Offenlegung ist für die SPD-Abgeordnete wesentlicher Bestandteil ihres Strebens nach einer transparenten und nachvollziehbaren Politik.

Darüber hinaus will sie keineswegs die Stuttgarter Abgeordnete aus dem für Kirchheim mitunter recht fernen Reichenbach sein. „Nah dran am Bürger“ präsentiert sie sich. Ihr Büro ist 30 Stunden die Woche besetzt. Um im Wahlkreis präsent und nah an den Bewohnern zu sein, hat sie im ersten Jahr ihrer Tätigkeit als Landtagsabgeordnete einen Terminmarathon absolviert. Besuch abgestattet hat sie dabei zahlreichen Vereinen. Deren Engagement, den Einsatz der Ehrenamtlichen, preist sie überzeugt als Grundlage des gesellschaftlichen Lebens. Informiert hat sie sich aber auch vor Ort über mehrere Dutzend Firmen und Betriebe im Wahlkreis, oft in Begleitung von Kollegen aus Landtag oder Bundestag. Vernetzung ist für die Reichenbacherin ein zentrales Thema. Die richtigen Anregungen an die richtigen Stellen weiterzuleiten, ist eine ihrer Aufgaben. – Viel mehr ist auf der harten Oppositionsbank auch gar nicht drin. Doch die zwangsweise Begrenzung des Einflusses einer SPD-Vertreterin im Musterländle scheint sie nicht allzu erdrückend zu empfinden. Selbstbewusst verweist sie auf ihre zahlreichen Aktivitäten in der Landtagsfraktion und bezeichnet den Gesetzentwurf zur Dualen Hochschule, den sie eingebracht und vertreten hat, als persönliche Feuertaufe.

Die Überzeugung, in der Kommunalpolitik etwas bewegen zu können, predigt sie nicht nur Schulklassen mit Begeisterung. Ihre Fragebogenaktion zum achtjährigen Gymnasium zeigt, dass die Entscheidungen aus Stuttgart alle angehen. Überhaupt: die Schulpolitik. Neben Betreuung bezeichnet Fohler das Thema Bildung als wichtigstes Thema dieser Zeit. Als Mutter dreier Kinder kennt sie die Bedeutung von Kinderbetreuung für die Chancengleichheit und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Als überzeugte Kommunalpolitikerin will sie das Land mehr in die Pflicht nehmen. Dieses überlasse die Finanzierung der Betreuungsangebote weitgehend den derzeit finanziell gebeutelten Kommunen.

Auch die Auswirkungen von Schulentwicklungsplanungen kennt Fohler vor Ort aus vielen Gesprächen mit Schulleitern, die beispielsweise um ihre Standorte fürchten. Das gilt bekanntlich vor allem für kleine Hauptschulen. Fohler weiß um die Bedenken betroffener Schulleiter gegenüber der Werkrealschule, aber auch um die Bedeutung von Schulstandorten als weicher Faktor für Städte und Gemeinden. Viel mehr als Entscheidungsprozessse zu begleiten und Lösungen anzustoßen, bleibt freilich nicht, denn die detaillierte Planung ist Sache der Träger, wie sie einräumt.

Mit Schulpolitik und der Sprecherinnenfunktion in Sachen Sektenpolitik ist Sabine Fohler in die Fußstapfen ihrer Vorgängerin getreten. – Nicht aus Zwangläufigkeit, wie sie betont, sondern eben aufgrund der großen Bedeutung der Schulpolitik. Weitere Interessenschwerpunkte führten zur Arbeit im Arbeitskreis Wissenschaft, Forschung und Kunst sowie dem europapolitischen Arbeitskreis.

Ihre Erfahrungen aus dem Wahlkreis will Fohler weiterhin im Landtag einbringen – gern auch über den Wahltermin 2011 hinaus. Denn eine wesentliche Erkenntnis besteht darin, dass Landtags- und Wahlkreisarbeit immer weniger zu trennen sind, je tiefer man in beiden steckt. Dass sie sich gut einarbeiten konnte, führt Fohler unter anderem darauf zurück, dass sie als Reichenbacherin von den Genossen viel Unterstützung erfahren habe.