Lokales

"Eine Verzweiflungstat"

In welchem psychischen Zustand befand sich der 55-jährige Mann, als er am 21. August dieses Jahres in Neuffen sein Einfamilienhaus in Brand steckte, um Rache an seiner Ex-Frau zu üben?

BERND WINCKLER

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STUTTGART/NEUFFEN Im Prozess vor dem Stuttgarter Landgericht hatte gestern der psychiatrische Gutachter das Wort und bescheinigte dem wegen schwerer Brandstiftung Angeklagten zur Tatzeit eine tiefe Verzweiflungstat mit verminderter Schuldfähigkeit. Was ging in dem Mann damals vor? Wie reagierte er darauf, als seine Frau sich mitsamt den Kindern von ihm trennte? Und wie reagierte er auf seine eigene berufliche Insolvenz?

Mit diesen Fragen beschäfigte sich am gestrigen Verhandlungstag vor der 17. Großen Strafkammer der psychiatrische Sachverständige. Der Angeklagte litt zumindest zum Tatzeitpunkt an einer Art depressiven Erkrankung, ausgelöst durch die ehelichen und beruflichen Probleme, so der Gutachter. Er hatte in diesem Zustand an fünf Stellen in dem Einfamilienhaus Feuer gelegt, das Zimmer seiner Kinder aber verschont. Schaden: 300 000 Euro. Er wollte damit seiner Ex-Frau einen Schaden zufügen, heißt es in der Anklage. Doch nach Auffassung des Gutachters liegen die Hintergründe wo anders. Der Angeklagte selbst habe mit dem Brand des Hauses auch sich selbst das Leben nehmen wollen. Dies scheiterte jedoch. Es sei aber sein Ziel gewesen, so der Gutachter, aus Verzweiflung zu sterben.

Der Fachmann riet den Richtern der Strafkammer, dem Angeklagten eine intensive Therapie-Behandlung zuteil werden zu lassen. Denn in dem jetzigen krankhaften Zustand sei die Zukunftsprognose nicht sonderlich günstig. Zur Tatzeit habe sich der Beschuldigte in einem Zustand befunden, der als erheblich verminderte Schuldfähigkeit bezeichnet werde. Dies könnte bedeuten, dass die zu verhängende Strafe wegen Brandstiftung weitaus milder ausfällt, als im Gesetz vorgesehen. Ein Urteil soll in der nächsten Woche gesprochen werden.