Lokales

Eine weitere Hürde wurde übersprungen

Bei der "unendlichen Geschichte" Schlachthofbebauung scheint langsam doch das letzte Kapitel geschrieben zu werden. Große Erwartungen wurden an das Werk gestellt, das sich im wechselvollen Lauf der Planung aber immer mehr von Utopien abwenden und sich den Forderungen des Marktes beugen musste. Trotz leicht anklingender Kritik freuen sich fast alle "Mit-autoren" nun doch, wenn alles ein gutes Ende nimmt.

WOLF-DIETER TRUPPAT

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KIRCHHEIM Was war in der Vergangenheit nicht schon alles angedacht worden, um dem Sanierungsgebiet Gerberviertel nicht nur Leben einzuhauchen, sondern auch dafür zu sorgen, dass dort die Nacht zum Tage gemacht wird. Vom Bauernmarkt bis hin zur Disco reichte die pralle Palette ernsthaft diskutierter Themen. Da mutige Visionen auch Investitionen erfordern, wurde manche Idee auch bald wieder verworfen.

Da die politischen Bauherren immer stärker erkennen mussten, dass sie ihre Ideen mit eigenen Mitteln nicht verwirklichen und einem daher dringend benötigten Investor nicht zu starke Beschränkungen auferlegen können, entwickelte sich bis zuletzt ein emsiges Ringen hinter den Kulissen. Eine brummende Gastronomie, Kinos oder gar Diskotheken sollten Leben in das Viertel bringen, das durch die klingenden Münzen aus dem Verkauf und der Vermietung hochwertiger Wohnungen aus dem Dornröschenschlaf geweckt werden soll. Vor fast genau einem Jahr wurde mit klarer Mehrheit aber doch etwas zähneknirschend der vorhabenbezogene Bebauungsplan verabschiedet und auch dem Durchführungsvertrag zugestimmt.

Nun galt es erneut, über die Grundzüge der Planung berührende Veränderungen zu entscheiden. Waren bislang zwölf Stellplätze im Erdgeschoss vorgesehen, sieht die neue Planung neben zehn Stellplätzen in Form von Doppelparkern neun weitere Stellplätze in der Erdgeschossebene vor. Eine andere Veränderung betrifft die Art und Anzahl der Wohnungen. War einst geplant, in zentraler Stadtlage auch über zwei Geschossebenen sich erstreckende Maisonette-Wohnungen anzubieten, wurde auch hier umgeplant. Da Maisonette-Wohnungen derzeit am Markt praktisch nicht zu platzieren sind, sollen nun ausschließlich Wohneinheiten auf einer Ebene entstehen.

Zum einen erhöht sich die Zahl der entstehenden Wohnungen dadurch von zehn auf zwölf, zum anderen muss zum Erreichen der dafür erforderlichen Raumhöhen eine Verbindung der hier geplanten, gereihten Giebel durch Flachdachteile vorgesehen werden. Die Erschließung der Dachgeschoss-Ebene macht dabei eine sorgfältige Ausbildung erforderlich, da nach wie vor eine optische Freistellung des stadtbildprägenden Schlachthof-Turmes als Dominante erhalten bleiben soll.

Da sich die vorgeschlagenen Änderungen nur auf einzelne Teile der Planung und auf die Nutzung der Geschossebenen beziehen, das äußere Erscheinungsbild des Gebäudeensembles aber weitgehend erhalten bleibt, sprachen sich die Mitglieder des Kirchheimer Gemeinderates bei vier Enthaltungen für eine Änderung des Bebauungsplanes aus.

Bei sechs Gegenstimmen und drei Enthaltungen votierten sie anschließend mehrheitlich dafür, den Zuschuss, der für den erhöhten Sanierungsaufwand durch den Erhalt der historischen Fassade gewährt wurde, um 25 Prozent zu kürzen.