Lokales

Eine Wette, bei der es nur Sieger geben konnte

Nachdem sich die spektakuläre Aktion vor den Augen einer interessierten Öffentlichkeit abgespielt hatte, musste nun natürlich auch der für alle Beteiligten höchst erfreuliche Ausgang entsprechend offiziell vollzogen werden. Nach der verlorenen Außenwette von "Wetten, dass . . .?" wurden gestern im Weltladen in der Dettinger Straße die "Wettschulden" beglichen.

WOLF-DIETER TRUPPAT

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KIRCHHEIM Wer Sieger sein wird beim spektakulären Wettkampf um den Verkauf fair gehandelten Kaffees stand eigentlich schon fest, bevor nach dem Muster von "Wetten dass . . ?" das zum Abschluss der "Fairen Woche" am 25. September publikumswirksam in Szene gesetzte Kräftemessen begann. Wie berichtet, hatte das Team des vom Eine-Welt-Verein getragenen Weltladens in der Dettinger Straße 50 gewettet, dass es den an der Wette teilnehmenden Mitgliedern des Kirchheimer Gemeinderates nicht gelingen wird, innerhalb von zwei Stunden rund um das Rathaus so viel fair gehandelten Kaffee zu verkaufen, wie Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker auf die mitten in der Fußgängerzone aufgestellte Waage bringt.

Auch nachdem die fliegenden Händler den Wettbewerb längst gewonnen hatten, konnten sie eigentlich erst durch den allmählich versiegenden Kaffeenachschub gebremst werden und das war auch gut so. Schließlich ging es allen Beteiligten nicht vorrangig darum, als Sieger oder Verlierer vom Platz zu gehen, sondern darum, im gemeinsamen Interesse an einer unterstützenswerten Sache möglichst viel Aufmerksamkeit zu erregen und Interesse zu wecken für das Thema Arbeitsbedingungen in der Dritten Welt und Fairer Handel und nachhaltig auf die Existenz des Kirchheimer Eine-Welt-Vereins und des in seiner Trägerschaft in der Dettinger Straße 50 von ehrenamtlichen Kräften betriebenen Weltladens hinzuweisen.

Nachdem es den von Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker außer Konkurrenz intensiv unterstützten Wettpaten des Kirchheimer Gemeinderats gelungen war, die Wette nicht nur souverän zu gewinnen, sondern mit über 400 Päckchen Kaffee auch alle Vorräte innerhalb der zur Verfügung stehenden Zeit zu verkaufen, lagen gestern die versprochenen 14 Fußbälle für die 14 Kirchheimer Schulen zur Abholung bereit. Nach der Begrüßung durch die Geschäfstführerin des Weltladens, Christine Helwerth-Rindle, informierte Barbara Fischer, stellvertretende Vorsitzende des Eine-Welt-Vereins die Vertreter der Kirchheimer Schulen über die Produktionsbedingungen, unter denen Fußbälle hergestellt werden. 80 Prozent aller Bälle werden in Pakistan hergestellt, wobei auch oft Kinder herangezogen werden, um mit 650 Stichen die 32 einzelnen Flächen zusammenzunähen, aus denen ein Fußball besteht. Selbst bei einer Höchstleistung von fünf Bällen am Tag kann mit dem geringen Verdienst das Überleben einer Familie nicht gesichert werden, weshalb oft Kinder mit dazu beitragen müssen, den Lebensunterhalt zu sichern.

Durch die Aktion "Fair Pay Fair Play", die im Rahmen der Wettaktion in der Kirchheimer Fußgängerzone ebenfalls vorgestellt wurde, erhalten die Hersteller von Bällen mit dem TransFair-Siegel ein paar Rupien mehr, womit sie den Lebensunterhalt allein sichern und ihre Kinder durch die finanzielle Unterstützung durch diese Initiative in die Schule schicken können.

Die "Geschenke", die Barbara Fischer an die Vertreter der Kirchheimer Schulen gestern im Weltladen verteilte, sieht sie daher zugleich auch als wichtige Werbung dafür an, den Kampf gegen Kinderarbeit zu unterstützen, nachdem die Schulen nun Gelegenheit haben, sich von der Qualität der ihnen nun als "Wetteinsatz" zur Verfügung gestellten Bälle zu überzeugen. Bei künftigen Anschaffungen könne durchaus darüber nachgedacht werden, die erforderlichen Bälle auch aus fairem Handel zu beziehen und sich damit vorbildlich für den Kampf gegen Kinderarbeitslosigkeit zu engagieren.

Dass die Angebotspalette im Weltladen in der Dettinger Straße 50 weit über den als versprochenen Wetteinsatz gestern den Vertretern der Kirchheimer Schulen überreichten Trainingsball "Winner" ist, machte sie ebenfalls deutlich. Vom Miniball "Solo" für rund 10 Euro bis hin zu den Wettspielbällen "Pro International" mit IMS-Sigel und dem Modell "Pro" mit FIFA-Sigel für unter 60 Euro können alle Qualitätsansprüche und Einsatzmöglichkeiten abgedeckt werden, die in Schulen, Vereinen und auch im Privatbereich anfallen können. Dass mit einem solchen Kauf für den Eigenmbedarf oder als Geschenk vor allem auch Kinder in der Dritten Welt zu den Beschenkten zählen, wurde dabei ebenfalls deutlich gemacht.