Lokales

Eine Zeitreise durch 190 Millionen Jahre Heimatgeschichte

KIRCHHEIM Bevor wir, die Klasse 4a aus Bissingen, das Städtische Museum im Kornhaus in Kirchheim besuchten, hatten wir so unsere Befürchtungen: "Museum? Da liegen doch sicher nur dumme, verstaubte und langweilige Sachen in Glasvitrinen rum!" Von wegen staubig und langweilig als wir dort waren, eroberten wir in null Komma nix die drei Stockwerke des Museums.Und tatsächlich jeder fand etwas, das ihn besonders interessierte.

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Der Leiter des Museums, Rainer Laskowski, beantwortete jedem von uns geduldig und ausführlich alle Fragen, das war super! Wir hatten nämlich viele Fragen, und wir wollten immer mehr wissen, sodass uns die Zeit davonlief. Wenn ihr weiter lest, wisst ihr, was es im Museum für uns so zu entdecken gab.

Andi, Vincent, Robert, Jonas, Micha: "Wusstet ihr, dass in unserer Gegend vor 190 Millionen Jahren ein warmes Meer war, das Jurameer? In dem lebten zum Beispiel schöne Korallen, Fische und Schnecken. Die Schnecken waren zum Teil so groß wie Wagenräder. Robert hätte am liebsten so eine bei sich zu Hause! Besonders tolle Exemplare findet ihr im Museum im 1. Dachgeschoss. Es ist alles so schön aufgebaut, dass man sich richtig vorstellen kann, wie es damals in dem Meer ausgesehen hat."

Alexander und Patrick:"Wir waren begeistert von einem 1,50 Meter langen Stoßzahn eines Mammuts. Es hat vor 20 000 Jahren während der letzten Eiszeit hier bei uns gelebt und wurde erst vor Kurzem ausgegraben." Timo und David: "Es gibt im Museum viele sehr wertvolle Dinge, zum Beispiel Knochen, die Tausende von Jahren alt sind. Neugierig und gespannt haben wir ein ausgestelltes Bärenskelett unter die Lupe genommen. Wir haben herausgefunden, dass der Höhlenbär vor 40 000 Jahren gelebt hat. Die Knochen des Skeletts stammen von vielen verschiedenen Bären, man hat sie zusammengesetzt. Sie wurden alle in der Sibyllenhöhle gefunden. In dieser Höhle war jeder von uns schon mal, wir wohnen ja in Bissingen ob da noch mehr Knochen rumliegen?"

Ismail und Resul: "Wir haben im 1. Dachgeschoss etwas besonders Gruseliges gefunden, ein Menschenskelett, das über 4 000 Jahre alt ist. Das Skelett wurde 1937 in Kirchheim ausgegraben. Es lag in einem Hockergrab, das heißt, der Mensch wurde im Sitzen begraben. Man hat sogar herausgefunden, dass er etwa 30 Jahre alt war, als er starb. Der Mann trug einen Armreif. Neben ihm lag auch ein Bronzedolch."

Katrin und Natalie: "Uns haben die alten Möbel am meisten interessiert, vor allem ein Schreibschrank, der ein genial verstecktes Geheimfach hatte. Die Möbel sind alle traumhaft schön, viele sind mit kunstvoll verzierten, dünnen Holzplättchen eingelegt, so was wird heute gar nicht mehr hergestellt. Aber im 17./18. Jahrhundert gab es in Kirchheim die besten Kunstschreiner, hat Museumsleiter Laskowski uns erzählt. Früher konnten sich natürlich nur die reichen Leuten so wertvolle Möbel leisten. Wenn die Möbel dann kaputt und vermackt waren, haben die Reichen sie ihren Dienern geschenkt."

Kim, Doruntina, Janina und Luisa: "Als wir im Museum waren, entdeckten wir sofort die Puppenhäuser. Es gibt fünf davon. Wusstet ihr, dass ein Edmund Groß vor etwa 140 Jahren für seine Kinder den Kirchheimer Bahnhof als Puppenhaus nachgebaut hat? Monatelang hat er an dem Haus und seiner Einrichtung herumgetüftelt, bis er glaubte: ,So, nun ist das Haus schön genug und ich kann es meinen Kindern zu Weihnachten schenken!' Super, dass dieses Haus heute nicht auf irgendeinem Dachboden verstaubt, sondern im Museum im Kornhaus steht. So können wir es alle bestaunen, und das nicht nur an Weihnachten."

Sindy und Hanna: "Es gingen einmal eine Ameise, ein Molch und drei Käfer am Randecker Maar spazieren. Sie ließen sich an einem sonnigen Platz nieder auf einmal spuckte ein Vulkan neben ihnen Lava aus! Heute, 12 bis 14 Millionen Jahre später, können sie sich im Kirchheimer Stadtmuseum in einer Glasvitrine ausruhen von ihrem Schock. Ob ihr sie findet?"

Paula und Melisa: "Stellt euch vor, um Kirchheim herum verlief früher eine Stadtmauer, und davor war ein tiefer Wassergraben. Damit die Leute in die Stadt hinein konnten, gab es in der Stadtmauer vier verschiedene Tore, das Obere Tor, das Untere Tor, das Jesinger Tor und das Ötlinger Tor. Weil die Häuser damals so eng standen, brannte bei einem Stadtbrand die ganze Stadt ab und man musste alles wieder aufbauen. Wie Kirchheim damals aussah, wissen wir nur, weil wir im Museum ein Modell gefunden haben, das Kirchheim vor dem Stadtbrand zeigt.Wir haben das Modell lange von allen Toren aus betrachtet."

Sulamita: "Ich fand die Holzmodel ganz toll. Sie sind zum Teil über 150 Jahre alt und haben ganz unterschiedliche Motive. Model sind Backformen. An Weihnachten hat man damit Springerle gebacken. Ich glaube, heute backt das kaum mehr jemand, warum eigentlich nicht?"

Ihr seht, im Museum gibt es wirklich viel zu entdecken. Aber das war jetzt längst nicht alles! Vielleicht findet ihr ja was ganz anderes toll, zum Beispiel die Fußbodenheizung einer alten römischen Villa, uralte Bronzewaffen oder die tollen Perlenketten der Alemannenfrauen. Es lohnt sich auf alle Fälle, das Museum mal zu durchstöbern. Auch für uns wird das nicht der letzte Besuch gewesen sein! Wer weiß, vielleicht treffen wir uns dort? Bis dann!

Übrigens: Jetzt gibt es gerade eine Sonderausstellung im Museum, rund um Puppen aus aller Welt: "Puppe, Barbie, Babyborn". Die ist nicht nur was für Mädchen, auch Actionfiguren wie Spiderman und Superman sind dort vertreten. Hier habt ihr die Öffnungszeiten des Museums, damit ihr nicht vor verschlossenen Türen steht: Dienstag 14 bis 17 Uhr; Mittwoch bis Freitag 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr; Samstag, Sonntag und Feiertage 11 bis 17 Uhr.

Klasse 4a,

Grund- und Hauptschule Bissingen