Lokales

Einen optimalen Lärmschutz gefordert

Der rund zehn Kilometer lange Teilabschnitt der Schnellbahntrasse Stuttgart Ulm zwischen den Fildern und Wendlingen wird eng an der Autobahn entlang führen. Dies ist Voraussetzung dafür, dass der Landkreis Esslingen die Planungen der Bahn AG unterstützt, wie gestern in der Stellungnahme des Kreises deutlich wurde.

RICHARD UMSTADT

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ESSLINGEN Der Landkreis will, dass das Projekt möglichst wenig Flächen verbraucht und die Landschaft nicht zerschneidet. Deshalb sollen die "schnellen Hirsche" parallel zur A 8 in Richtung Ulm beziehungsweise Stuttgart röhren. So äußerte sich der Ausschuss für Technik und Umwelt gestern in seiner Sitzung. Die Stellungnahme gab das Gremium im Rahmen des Anhörungsverfahrens für die Planfeststellung zur "Umgestaltung des Bahnknotens Stuttgart und zur Aus- und Neubaustrecke Stuttgart Augsburg, Bereich Stuttgart Wendlingen mit Flughafenanbindung".

Nach dem Flächenverbrauch steht für den Landkreis Esslingen das Thema Lärmschutz obenan. Bekanntlich gehört der Filderraum durch den Flughafen, die Autobahn A 8 und die vielen Straßen in diesem Bereich zu den höchst belasteten Gebieten in Baden-Württemberg. Viel Geld seitens des Landes und der Städte und Gemeinden wird schon bislang eingesetzt, um den Lärmpegel zu mindern. Deshalb kritisiert der Kreistagsausschuss für Technik und Umwelt besonders die fehlenden Lärmschutzmaßnahmen an der Neubautrasse der Bahn AG. Im Rahmen der Planfeststellung weist die Bahn zwar nach, dass die Grenzwerte des durch die Züge verursachten Lärms eingehalten werden, sie berücksichtige aber nicht den hinzukommenden Lärm der Autobahn und des Flughafens, bemängelt die Stellungnahme des Landkreises. Deshalb fordert der Technikausschuss, bei der Planung die bereits vorhandenen Lärmwerte mit den neu hinzukommenden zu addieren und diesen Wert den Berechnungen zu Grunde zu legen. "Gefordert wird ein Lärmschutz, der den dicht besiedelten Filderraum insgesamt entlastet", heißt es in der Stellungnahme an das Regierungspräsidium.

Eine weitere Sorge, die die Ausschussmitglieder umtreibt, gilt dem Transport der Erdmassen. Rund 830 000 Kubikmeter Erde müssen bewegt werden. 260 000 Kubikmeter davon sollen für die Neubautrasse selbst wiederverwendet werden und 60 000 Kubikmeter fruchtbaren Mutterboden können die Landwirte der Umgebung auf ihre Äcker karren lassen. Der Rest, 510 000 Kubikmeter, muss auf Deponien untergebracht werden. Dabei lautet die Devise des Landkreises: "Vermeidbare Lkw-Transporte müssen unterbunden werden." Weder auf der Hangdeponie "Weißer Stein" bei Plochingen noch auf dem "Blumentobel" bei Beuren darf der Aushub zwischengelagert werden. Grundsätzlich dürfen auf den vorgenannten Deponien aber bis maximal 50 000 Kubikmeter Erde pro Jahr abgelagert werden. Beide Deponien sollen von den Drecklastern nur angefahren werden, wenn es in den Entsorgungsanlagen "Froschgraben" und "Burghof" im Landkreis Ludwigsburg beziehungsweise im Bergwerk in Bad Friedrichshall-Kochendorf eng wird.

Der Technikausschuss legte Wert darauf, dass die Deutsche Bahn AG, deren Vertreter dem Gremium Rede und Antwort standen, rechtzeitig mit betroffenen Busunternehmen und dem VVS Kontakt aufnimmt, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die Behinderungen des Busverkehrs während der Bauphase vermeiden helfen.

Die Schnellbahntrasse schmiegt sich zwar weitgehend an das Asphaltband der Autobahn an, dennoch greift der Bau des Schienenstrangs erheblich in natürliche Landschaftsbereiche ein, stellt der Landkreis in seiner Stellungnahme fest. Besonders in den betroffenen Abschnitten, wie in den Naturschutzgebieten "Am Rank" und "Grienwiesen" sowie den Streuobstflächen "Lerchenhöfe" und "Seebachtal", seien die Eingriffe so gering wie möglich zu halten. Dazu müsse die Bahn alle planerischen und technischen Details ausschöpfen. Der Landkreis setzt sich zudem für eine Ausgleichsabgabe in einen Fonds ein, aus dem die Kommunen langfristige Projekte für Naturschutz, Landschaft und Erholung finanzieren können.

Die Stellungnahme des Landkreises wurde notwendig, nachdem die Deutsche Bahn AG für den Streckenabschnitt Filderbereich bis Wendlingen das Planfeststellungsverfahren beim Eisenbahn-Bundesamt beantragte. Das Regierungspräsidium Stuttgart muss nun als Anhörungsbehörde die im Verfahren eingehenden Stellungnahmen von Privatleuten und so genannten Trägern öffentlicher Belange wie dem Landkreis entgegennehmen und sowohl mit der Bahn als auch mit den Einwendern erörtern. Anschließend gibt das Regierungspräsidium eine Stellungnahme ab, die dem Eisenbahn-Bundesamt als Grundlage für den Planfeststellungsbeschluss dient.

Die Detailplanung der rund zehn Kilometer langen Neubautrasse sieht einen Sichtschutz und einen Abrolldamm vor, der die Autobahn von der Schnellbahnstrecke trennen soll. Auf den Fildern führt die Eisenbahntrasse bis zur Tank- und Rastanlage Denkendorf nördlich der Autobahn entlang. An dem Rastplatz unterquert sie in einem Tunnel die A 8 und bleibt bis Wendlingen auf deren Südseite, wobei sie auf einer 175 Meter langen Brücke das Denkendorfer Tal und auf einem rund 365 Meter langen Viadukt das Sulzbachtal überquert. Dabei berücksichtigen die Planungen bereits den späteren Ausbau der Autobahn auf acht Fahrspuren.

In die vom Ausschuss für Technik und Umwelt des Kreistags verabschiedete Stellungnahme flossen die Bewertungen der Fachabteilungen der unteren Verwaltungsbehörde mit ein.

Der Baubeginn der Schnellbahnstrecke steht noch in den Sternen, denn nach Abschluss des Planfeststellungsverfahrens müssen die Kosten des Mammutprojekts erneut auf den Tisch. Dann stellt sich die Grundsatzfrage: Wird gebaut oder nicht? Und vor allem, wer spielt den Zahlmeister, der Bund, das Land, die Stadt Stuttgart und der Landkreis? Die Deutsche Bahn AG will und kann die Neubaustrecke alleine nicht schultern. Für sie rechnet sich die Trasse über den Flughafen nicht, deshalb wird das Land und Stuttgart in ihre Kassen greifen müssen.