Lokales

Einer der größten Rauschgiftdeals ist gesühnt

Kirchheimer muss für zwölf Jahre hinter Gitter – Mitangeklagte erhielten vier und sechs Jahre

Ein 28-jähriger berufsloser Mann aus Kirchheim muss wegen 30-fachen Rauschgifthandels insgesamt zwölf Jahre Haft verbüßen. Dieses Urteil fällte jetzt nach 14-tägiger Hauptverhandlung das Stuttgarter Landgericht gegen ihn. Eine 26-jährige mitbeschuldigte Frau, ebenfalls aus Kirchheim, muss vier Jahre und vier Monate, ein weiterer 33-Jähriger aus Holzmaden sechs Jahre und acht Monate hinter Gitter.

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BERND WINCKLER

Kirchheim/Stuttgart. Mit diesen jetzt verkündeten Schuldsprüchen hat die 17. Große Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts einen der größten Rauschgiftdeals der letzten Jahre rund um Kirchheim aufgeklärt und gesühnt. Alle drei Angeklagten sind neben der Verhängung der hohen Freiheitsstrafen wegen ihrer Drogensucht noch in eine Rauschgift-Entzugsanstalt eingewiesen worden. Zuvor jedoch, so die Verfügung der Stuttgarter Richter, müssen sie einen Teil der Haftstrafen verbüßen.

Die Richter stellten in dem jetzt verkündeten Urteil fest, dass die „Dreier-Bande“ ab März des Jahres 2007 den Drogenmarkt zwischen Nürtingen, Kirchheim und Holzmaden fest im Griff hatte. Das Rauschgift wurde von den Angeklagten, hauptsächlich auch von der mitverurteilten 26-jährigen Wirtschafts-Assistentin, in natürlichen Körperöffnungen aus den Niederlanden nach Kirchheim gebracht. In der Wohnung der jungen Frau wurde der Stoff dann in Kleinportionen aufgeteilt und an Abhängige mit Gewinn verkauft.

Die auf diese Weise illegal eingeführten Drogen bestanden nach richterlicher Feststellung aus Heroin und Kokain, der gefährlichsten Rauschgifte mit einem sehr hohen Basis-Wirkstoffgehalt. Unter dem Strich gingen durch die Hände der Verurteilten bis zu fünf Kilo der Drogen, die einen Straßenwert von nahezu einer Million Euro darstellten. Das Gericht hat in dem Urteil insgesamt 30 Einzelfälle angenommen, die das Trio auch zugegeben hatte.

Bei der Strafzumessung würdigte die Strafkammer die Geständnisse wohlwollend. Allerdings musste man angesichts der großen Menge des Rauschgiftes und dessen hohem Wirkungsgrad von Sanktionen weit oberhalb der Fünfjahresgrenze ausgehen. Bei dem hauptangeklagten 28-jährigen Mann aus Kirchheim war zudem noch eine alte Strafe wegen Drogenhandels des Amtsgerichts Kirchheim mit einzubeziehen.

Als die Polizei am 14. April dieses Jahres die beiden Männer und die Frau festnahm und die Wohnungen durchsuchte, wurden noch geringe Bunkermengen an Rauschgift sichergestellt. Die Wohnung der Frau in Kirchheim diente nach den Feststellungen des Gerichts als Hauptumschlagort für die Abgabe an Süchtige. Um den Stoff überhaupt konsumfähig zu machen, wurde er von den Dreien mit großen Mengen Streckmittel (Katma) vermischt, sodass letztlich der Wirkungsgehalt nicht mehr sehr lebensgefährlich war.

Ihre eigene Drogensucht werden die Drei nun in einer geschlossenen Entzugseinrichtung zwangsbehandeln lassen müssen. Die Drogenszene im gesamten Kreis Esslingen ist mit dieser Entscheidung und nach Auffassung der Stuttgarter Staatsanwaltschaft zunächst wieder bereinigt worden. Lediglich noch ein Prozess gegen zwei Nürtinger Brüder wird das Stuttgarter Gericht Anfang kommenden Jahres beschäftigen (wir berichteten).