Lokales

„Einfach eine schöne Ostertradition“

In Kirchheim und vielen umliegenden Orten zieren farbenprächtige Osterkronen die Brunnen

Es ist Ostern – und das verraten nicht nur die vielerorts bunt geschmückten Brunnen. Diese sind jedoch längst nicht der einzige Brauch rund um das Auferstehungsfest. Ob nun das Verstecken von Eiern, Eierrugeln oder Hasenbacken, die Bewohner rund um die Teck sind auf Ostern vorbereitet.

MARISA SCHNEIDER

Kirchheim. „Es ist einfach eine schöne Ostertradition, das Brunnen- schmücken.“, findet Ingrid Merz, Vorsitzende der Lenninger Landfrauen. Diese haben 2008 zum siebten Mal dem Brunnen am Oberlenninger Marktplatz eine Osterkrone aus Buchszweigen und blauen und gelben Eiern aufgesetzt. Der alte Brauch, der aller Wahrscheinlichkeit nach aus der Fränkischen Schweiz stammt, soll dem Wasser als lebensspendendem Element besondere Bedeutung zukommen lassen. Auch die Lenninger Landfrauen sind sich sicher, dass der Brauch aus der Zeit hervorging, in der es noch keine Wasserleitungen gegeben hat und der Brunnen das Wichtigste im Ort war.

Andere Überlieferungen beschreiben zudem den damals herrschenden Glauben der Dorfbewohner, dass Ernte, Gesundheit und sogar ihr Überleben von der Quellgöttin abhingen – diese wollten sie mit dem Brunnenschmuck gnädig stimmen. Das darin vorkommende satte Grün und die farbenprächtigen Eier als Fruchtbarkeitssymbole, sollten des Weiteren den Winter vertreiben und den Frühling in all seiner Frische willkommen heißen.

Heutzutage erfreuen sich die Leute einfach an dem schönen Anblick der bunt geschmückten Wasserquellen. So auch beispielsweise in Lindorf, wo der Amselbrunnen bereits zum fünften Mal ein österliches Gewand trägt. Premiere feiert dagegen Owen. Der Kinderchor des Liederkranzes, die Liederfinken, dekorierte den Brunnen auf dem Amtsplatz mit bunten Eiern und Bändern sowie frischen grünen Zweigen. „Brauchtumspflege ist wichtig und das Brunnen- schmücken gehört zu Ostern.“, erklärt Ingrid Merz. Dass sie mit dieser Meinung nicht alleine ist, bezeugen die reichlich vorhandenen Osterbrunnen in den Ortschaften rund um Kirchheim.

In der Teckstadt und Umgebung werden aber durchaus auch andere Bräuche gepflegt. Die Landfrauen im Lenninger Tal basteln beispielsweise einen Osterstab, dessen Spitze ein rotes Ei ziert – die Farbe soll für das Blut Christi stehen. Auf die Frage, warum das Ei an Ostern eine so große Rolle spielt, gibt es verschiedene Antworten. Eine davon ist, dass sich in der 40-tägigen Fastenzeit vor Ostern Unmengen von Eiern ansammelten, die als flüssiges Fleisch galten und somit auch verboten waren. Um sie haltbar zu machen wurden sie hart gekocht, später in der Kirche als Ostereier gesegnet und gefärbt.

Der Brauch des Versteckens der bunten Eier, die für die Kinder auch noch heute eine Besonderheit sind, ist etwa seit dem 17. Jahrhundert bekannt. Dass der Hase die Ostereier bringt, ist nicht überall so. In anderen Gegenden wurde den Kindern erzählt, dass die Eier beispielsweise vom Fuchs, Storch oder dem Kuckuck gebracht werden. Hanne Attinger von den Lenninger Landfrauen erinnert sich noch gerne daran, wie sie als Kind die Eier gesucht und gefunden hat. Zusammen hätten alle immer voller Freude gerufen: „D‘r Has hat g‘legt!“. Bei manchen Lindorfer Familien war der Hase sogar besonders erfinderisch: er versteckte die Ostereier auf dem Baum – wie er das schaffte, ist bis heute nicht bekannt.

Dass der eigentliche Eierproduzent, das Huhn, bei den Ostereiern außen vor bleibt, scheint nur wenige zu stören. Schließlich geht es den meisten, neben dem Gedenken und der Freude über die Auferstehung Jesu Christi vom Tod, bei dem Osterfest einfach da­rum, mit ihren Liebsten zusammenzusein und zu feiern – egal, ob das nun das gemeinsame Backen von Osterhasen, Eierrugeln auf der Wiese oder das familiäre Osterpicknick ist.

Wer sich trotz der Osteridylle dennoch mit der Frage quält, warum der Hase und nicht das Huhn die Eier ins Osternest legt, dem hilft vielleicht ein Auszug aus Eduard Mörikes Gedicht „Auf ein Ei geschrieben“ weiter: „Die Sophisten und die Pfaffen stritten sich mit viel Geschrei: Was hat Gott zuerst erschaffen, wohl die Henne, wohl das Ei? Wäre das so schwer zu lösen? Erstlich ward ein Ei erdacht: Doch weil noch kein Huhn gewesen, Schatz, so hat‘s der Has gebracht.“

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