Lokales

"Einrichtungen leisten wichtige Arbeit"

Die fünf Familien-Bildungsstätten (FBS) im Landkreis Esslingen leisten eine wichtige Arbeit: Davon sind die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses im Kreistag überzeugt. Deshalb haben sie auch nicht an den Zuschüssen des Kreises geknapst.

RICHARD UMSTADT

Anzeige

ESSLINGEN Die fünf Familien-Bildungsstätten bieten im Landkreis Esslingen flächendeckend Familienbildung an. Damit erfüllen die Einrichtungen in Kirchheim, Esslingen, Filderstadt, Köngen und Nürtingen eine gesetzliche Aufgabe und bieten Familien und Kindern eine Möglichkeit der Bildung und des Zusammenseins, das heute auf anderen Ebenen so nicht mehr möglich ist, sagte der Sprecher der fünf Familien-Bildungsstätten im Landkreis, Christoph Tangl. "Ein stabiles und förderndes Elternhaus in der Kindheit ist die Grundlage für ein Gelingen des Erwachsenenlebens", war er sich sicher. Deshalb sehen die Familienbildungsstätten ihre zentrale Aufgabe darin, Eltern in ihrer Erziehungskompetenz zu stärken.

"Lernen, Familie zu leben", ein Motto von Familien-Bildungsstätten, bezieht sich heute auf die Familie als moderne und zukunftsweisende Einrichtung. Die Mehrheit auch der Jugendlichen weisen der Familie einen hohen Stellenwert zu. "Dabei ist längst nicht mehr allein die tradierte Familie im Blick", so Christoph Tangl, der beschrieb, wie vielgestaltig moderne Familie sein kann.

"Damit die Familien-Bildungsstätten diese Aufgabe wahrnehmen können, bedarf es entsprechender Mittel", warb der FBS-Sprecher bei den Jugendhilfeausschussmitglieder um Unterstützung. Die Familien-Bildungsstätten im Kreis finanzieren sich aus Zuschüssen, Teilnehmerbeiträgen und sonstigen Einnahmen. Letztere wollen die Einrichtungen intensiv durch Sponsoren, Spendengelder, Projektmittel, Kooperationen, Einnahmen durch Anzeigen in den Programmheften, Mitgliedsbeiträge und Bußgelder erhöhen, "um die Existenz zu sichern". Inzwischen müssen die FBS-Mitarbeiter einen großen Teil ihrer Arbeitszeit diesen Aufgaben widmen.

Die fünf Familien-Bildungsstätten wissen, dass der Landkreis seine Zuschüsse nicht erhöhen kann. Tangl sah jedoch auch bei den Kursgebühren das Ende der Fahnenstange erreicht. "Jeder weitere Entzug von Zuschussmitteln bringt die Familien-Bildungsstätten in existenzielle Nöte." Die Rücklagen sind nach den Worten des FBS-Sprechers aufgezehrt und ein Ausgleich des Haushalts nur durch drastische Einsparungen, Lohnverzicht und Stellenabbau zu erreichen. "Und das bei geringster Personalausstattung."

Frank Buß, Ausschusssprecher der Freien Wähler, war sichtlich angetan von Tangls Bericht. Im Rahmen der Haushaltsberatungen hatte seine Fraktion beantragt, die Verwaltung möge überprüfen, wie sich für die Familien-Bildungsstätten eine Reduzierung der Zuschüsse auf das Niveau des Jahres 2001 (55 200 Euro) auswirkt. Jetzt aber meinte Buß im Brustton der Überzeugung: "Die Kreismittel sind bei den Familien-Bildungsstätten gut aufgehoben. Eine Kürzung würde sie schwer treffen." Deshalb folgten die Freien Wähler ebenso wie die anderen Fraktionen im Ausschuss dem Vorschlag der Kreisverwaltung, den FBS-Zuschuss nicht zu kürzen, sondern bei 73 700 Euro für das Jahr 2005 zu belassen.

Wie Christoph Tangl sagte, sind die Familien-Bildungsstätten künftig noch stärker auf Kooperationen und Vernetzungen angewiesen. Deshalb begrüßen sie entsprechende Überlegungen der Kreisverwaltung, durch spezielle Angebote die Stärkung von Kindern und Eltern zu fördern. Ein Handlungsbedarf wird insbesondere bei Eltern gesehen, die bisher kaum von den Angeboten der Familienbildung erreicht wurden. Insbesondere soll eine stärkere Verknüpfung mit Tagesbetreuungen, Frühförderstellen und Erziehungshilfeangebote organisiert werden.

INFODie Aufteilung des Landkreiszuschusses an die fünf Familien-Bildungsstätten erfolgt seit 1994 im Verhältnis der im Vorjahr geleisteten Unterrichtseinheiten aus dem Bereich "Junge Familie". Im Jahr 2005 wurden insgesamt 23 179 Unterrichtseinheiten für 2004 abgerechnet, die sich wie folgt aufteilen:FBS Kirchheim: 27 729 Euro;Haus der Familie Nürtingen: 16 222 Euro;Ökumenische FBS Esslingen: 14 967 Euro;FBS Filderstadt: 11 634 Euro;Familienbildungsarbeit Köngen: 3 148 Euro.