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Einstieg in die Betreuung von Kindern unter drei Jahren

Lenningen steigt in die Betreuung unter dreijähriger Kinder ein. Der Gemeinderat stimmte zu, ab Januar in den Kindergärten in Brucken, Unterlenningen, Oberlenningen und Hochwang einige Plätze für Jungen und Mädchen zwischen zwei und drei Jahren bereitzustellen. Handlungsbedarf sieht die Gemeinde außerdem bei der Sprachförderung für Kindergartenkinder.

BIANCA LÜTZ

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LENNINGEN Das neue Tagesbetreuungsausbaugesetz (TAG), das der Bundestag im Dezember 2004 beschlossen hat, stellt die Kindergartenträger im ganzen Land vor neue Herausforderungen so auch die Gemeinde Lenningen. "Wir müssen in die Betreuung unter dreijähriger Kinder einsteigen", klärte Hauptamtsleiter Günther Kern auf, als er dem Gemeinderat die neueste Fortschreibung des Lenninger Kindergartenentwicklungsplans vorstellte. "Wir haben lediglich eine Schonfrist bis 2010. So lange dürfen wir noch warten, wenn wir wollen", ging er auf die rechtliche Lage ein. Anspruch auf das Angebot haben Eltern, die beispielsweise erwerbstätig oder in Ausbildung sind.

"Im Schnitt geht der Trend der Kinderzahlen nach unten", stellte Kern fest. Gibt es bei den meisten Kindergartengruppen in Lenningen bereits heute genügend freie Plätze, so werden die Besuchszahlen in verschiedenen Orten in den kommenden Jahren Prognosen zufolge weiter sinken. "Wir haben viel Platz", sagte Kern, " warum sollten wir die Kapazitäten nicht für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren nutzen?"

"Eine echte Wahlmöglichkeit haben wir nicht", kommentierte Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht die neuen Bestimmungen. Er plädierte dafür, so bald wie möglich in die Betreuung von Zwei-bis Dreijährigen einzusteigen, um einen "sanften" Übergang bis 2010 zu schaffen. Zudem sei der Aufwand für den Einstieg in die Betreuung von Kleinkindern relativ gering: "Es sind nur kleine Anschaffungen wie Wickeltische und Schränke für Windeln nötig", informierte er. Schlecht schlug vor, in den Kindergärten in Brucken, Unterlenningen und Hochwang und in den beiden Einrichtungen in Oberlenningen jeweils zwei "U3-Plätze" für Kinder anspruchsberechtigter Eltern anzubieten. Insgesamt stehen damit 10 solcher Plätze zur Verfügung.

Klar ist, dass Zwei- bis Dreijährige einen höheren Betreuungsaufwand bedeuten: "Es gilt die Formel: Ein Kind braucht zwei Plätze", verdeutlichte Günther Kern. Deshalb sah es die Verwaltung als gerechtfertigt an, für diese Plätze einen Beitrag in Höhe von 150 Prozent zu verlangen.

"50 Prozent Zuschlag sind die Obergrenze, mir würden 25 Prozent mehr besser gefallen", äußerte sich Wolfgang Tröscher zu dem Vorschlag. "Wenn überhaupt ein Zuschlag, dann maximal 25 Prozent", sprach Georg Zwingmann das gleiche Thema an. "Die U3-Plätze betreffen einen Personenkreis, der nur wenig Geld verdient", mutmaßte Inge Kodera. Auch sie setzte sich dafür ein, dass der Aufschlag höchstens 25 Prozent betragen solle. "Ich kann die 125 Prozent unterschreiben", sagte Karl Boßler jedoch nur unter der Bedingung, dass neu über den Beitrag entschieden werde, wenn mehr Personal für die Betreuung benötigt wird. Diese Bedingung floss ebenso wie die Forderung nach einem Beitrag in Höhe von 125 Prozent in einen Antrag ein, der einstimmig angenommen wurde.

Eine weitere große Aufgabe sieht die Gemeinde Lenningen in der Sprachförderung auf sich zukommen. "Ein Drittel der Lenninger Kindergartenkinder hat Sprachprobleme", teilte Günther Kern mit. Das Problem beschränkt sich jedoch keineswegs nur auf ausländische Kinder: "Wir haben massive Sprachprobleme bei deutschen Kindern", klärte Bürgermeister Schlecht auf. "Uns muss klar sein, dass die Sprasche der Schlüssel für Bildung und Integration ist", betonte Schlecht und warb dafür, in eine verstärkte Förderung einzusteigen, die über die bislang angebotene Sprachhilfe für ausländische Kinder hinausgeht.

"Es gibt ein Sprachförderungsprogramm der Landesstiftung Baden-Württemberg", erläuterte Günther Kern und schlug vor, dass die Gemeinde Lenningen sich für diese Mittel aus dem Landestopf bewerben solle. Pro Fördergruppe mit sechs bis zehn Kindern bekäme die Gemeinde eine Pauschale in Höhe von 2 700 Euro. "Es wird sicherlich auch ein kleiner Betrag an der Gemeinde hängen bleiben", stellte Kern klar. Die Kosten schätzte er pro Gruppe auf 500 Euro.

"Ich denke, wir sollten das Geld zur Verfügung stellen", sagte Gemeinderat Andreas Herbster. "Die Maßnahme alleine wird jedoch nicht ausreichen", äußerte er seine Befürchtungen und sprach die Notwendigkeit an, dass Erzieherinnen die Eltern bei Bedarf an Ärzte oder Logopäden verweisen sollten.

Georg Zwingmann betonte ebenso wie Inge Kodera, wie wichtig es sei, das Personal entsprechend zu schulen: "Die Erzieherinnen brauchen Fortbildungen für die Sprachförderung ", betonte er und vermutete: "Wenn wir die Sache ernst nehmen, wird es für die Gemeinde nicht bei 500 Euro bleiben."

Für den Fall, dass die Gemeinde Zuschüsse aus dem Landestopf erhält und somit im kommenden Kindergartenjahr in die verstärkte Sprachförderung einsteigt, versprach Michael Schlecht: "Wir werden bei den Mitarbeiterinnen darauf hinwirken, dass sie auf die Eltern zugehen und die Gespräche mit ihnen intensivieren." Auch die Fortbildung der Erzieherinnen im Bereich Sprachförderung solle dann verstärkt werden. Einmütig stimmte der Gemeinderat zu, sich für die Landesmittel zu bewerben und zusätzlich Mittel in Höhe von 2 000 Euro in den Haushalt einzustellen.

Im Rahmen der Bedarfsplanung legte Günther Kern aktuelle Zahlen für die Belegung der Kindergartengruppen sowie Prognosen für die kommenden Jahre vor. Die Gruppen in Gutenberg und Schopfloch sind gut besucht. In Schopfloch besteht zeitweise sogar die Gefahr einer Überbelegung. Die beiden Gruppen in Brucken dagegen sind knapp belegt und auch in Unterlenningen und Hochwang gibt es noch genügend Platz. Einen Sonderfall stellt Oberlenningen dar: "2007 und 2008 fallen auf einen Schlag 30 Kinder weg", hat die Bedarfserhebung laut Günther Kern ergeben. Derzeit sind dort von 137 Plätzen 95 belegt, in zwei Jahren werden es nur noch zwischen 74 und 88 sein. Möglicherweise wird die Gemeinde an diesem Standort dann eine der fünf Gruppen schließen.