Lokales

Einstiges Kirchheimer Töpfereiviertel lokalisiert

Archäologie-AG des Städtischen Museums legt in der Dettinger Straße einen Brennofen aus dem 16. Jahrhundert frei

Die von der Archäologie-AG des Städtischen Museums im Kornhaus in der Dettinger Straße 5 – 9 (Areal der ehemaligen Fleischerei Justus) durchgeführten baubegleitenden Beobachtungen und Ausgrabungen haben für die Stadtgeschichte Kirchheims interessante Ergebnisse erbracht.

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Kirchheim. Zunächst konnte der unter der Dettinger Straße 9 gelegene Gewölbekeller genauer untersucht werden. Er wies einen alten, aufwendigen Schieferplattenboden auf, in den von einem späteren, höheren Niveau „Nachgeburtstöpfe“ eingegraben worden waren, circa 25 Stück. Dies sind weitere Belege für die abergläubischen Praktiken, die vor allem vom 17. bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein allgemein gepflegt worden sind. In Kirchheim und in Bönnigheim am Neckar sind diese inzwischen zahlreich nachgewiesen worden. Der Keller unter den früheren „Teck-Lichtspielen“ wies zudem eine Reihe baulicher Veränderungen auf, die vor allem aus dem 19. und 20. Jahrhundert stammten. Besonders interessant war aber die Entdeckung von Töpfereischutt mit einem Brennofen im hinteren, östlichen Teil des Baugeländes. Diese Ausgrabung konnte über nahezu zwei Wochen von zahlreichen Besuchern am Bauzaun an der Dettinger Straße beobachtet werden. Der ovale Brennofen, der zudem von einem steinernen Schutzbau umgeben war, lag überraschenderweise drei Meter unter der heutigen Oberfläche und war im unteren Teil noch gut erhalten. Die Länge des Ofens betrug 2,20 Meter, die Breite mindestens 1,70 Meter. Seine Wandung bestand aus handgestrichenen Ziegeln von knapp 27 Zentimetern Länge, 14 Zentimetern Breite und sechs Zentimetern Dicke. Er hatte die Form einer Kuppel, die im Süden noch 60 Zentimeter hoch erhalten war. Die Tiefe der Fundlage ist zum Teil dadurch zu erklären, dass sich im ganzen Umfeld Spuren finden, die darauf hindeuten, dass vorher bereits der dort vorhandene Lehm abgebaut worden war. Der Ofen lag also unmittelbar beim Rohstoff. Er wurde im Bereich der ehemaligen Lehmgrube errichtet, war aber zusätzlich noch ein Stück eingetieft worden.

Im Innern des Ofens fanden sich viele Reste der ehemaligen Ofenkuppel sowie Töpfereischutt, der möglicherweise vom letzten Brand stammt. Diese Scherben deuten an, dass der Brennofen wohl in der ersten Hälfte bis um die Mitte des 16. Jahrhunderts in Betrieb gewesen sein dürfte. Sein Alter beträgt demnach mindestens 450 Jahre.

Mit diesem Ofen ist nun das Töpfereiviertel aus der Zeit der Renaissance und des Barocks eindeutig lokalisiert, nachdem vor vier Jahren bereits auf den weiter südlich liegenden Grundstücken Dettinger Straße 19 und noch etwas früher im Bereich Dettinger Straße 21 bereits vielerlei Töpfereischutt geborgen werden konnte. Bekannt wird dadurch auch, was in Kirchheim damals an Töpfereiwaren produziert wurde. Auffallend sind dabei die bauchigen Trinkwasserkrüge mit schmalen Öffnungen und seitlichen Tüllen, deren Vorbilder wohl aus dem Mittelmeerraum stammen.

Wer noch mehr über diese Funde wissen möchte, kann dies im vhs-Vortrag von Museumsleiter Rainer Laskowski am Donnerstag, 22. Januar, im Spitalkeller erfahren. Auch diesmal kann wiederum über ein interessantes archäologisches Jahr in Kirchheim berichtet werden. rl