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Einziges Investitionskapital: Zeit zur Hilfe

Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die in der Paulinenpflege in Maßnahmen der Erziehungshilfe sowie in Maßnahmen der Jugendberufshilfe begleitet werden, sind von sozialer, schulischer und kultureller Ausgrenzung bedroht. Dem entgegenzusteuern ist das Ziel des Projekts "Tandem" der Paulinenpflege.

RUDOLF STÄBLER

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KIRCHHEIM Das Projekt Tandem sucht und unterstützt engagierte Menschen, die den Kindern und Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf ihre eigene Art und Weise verbindliche Wegbegleiter auf Zeit sind.

Manfred Sigel, Gesamtleiter der Stiftung Paulinenpflege sucht jetzt weiterhin zusammen mit der Sozialpädagogin Margret Huber, die eine 20-Prozent-Anstellung bei der Paulinenpflege hat, so genannte Paten. Der Pate sollte den gefährdeten jungen Menschen an die Hand nehmen und ihn ein Stück seines schweren Weges in den Alltag begleiten, das Wünschen sich die Initiatoren.

Um der Bevölkerung das Ziel von "Tandem" noch näher zu bringen wird am Samstag, 30. April, von 9 bis 13 Uhr ein Informationsstand auf dem Kirchheimer Marktplatz aufgestellt und die Initiatoren hoffen dabei auf viele interessierte Gesprächspartner die vielleicht bereit sind so eine Patenschaft zu übernehmen. Das können Einzelpersonen, Betriebe, Vereine oder Schulen sein. So hat sich das Plochinger Schlossgymnasium schon bei Manfred Sigel gemeldet, um eventuell solch ein soziales Projekt durchzuziehen.

Dabei sollten mögliche Paten wissen, dass Kinder und Jugendliche, die in der Paulinenpflege betreut werden, im Alltag immer wieder mit Situationen zu kämpfen haben, die für "normal" entwickelte junge Menschen keine großen Schwierigkeiten darstellen. Neben Problemen im schulischen Bereich haben sie oft keinen Rückhalt durch Freundschaften oder ein funktionierendes Familienleben häufig fehlen die Menschen, die sie auf ihrem Weg zur Selbstständigkeit begleiten und unterstützen sollen. Sie ziehen sich zurück, gehen nicht mehr auf andere zu und haben dann auch Schwierigkeiten, neue Kontakte zu knüpfen, sich einen Freundeskreis aufzubauen oder sich Jugendgruppen anzuschließen.

Das Projekt "Tandem", über die Weihnachsaktion des Teckboten auch finanziell unterstützt, will dann einspringen und sieht vor, die Integrationslast in Zukunft von den Schultern der Jugendlichen zu nehmen. Hier wünscht sich Manfred Sigel, "dass das Interesse auch von außen kommt."

Von drei Bausteinen gehen Sigel und die Sozialpädagogin Margret Huber aus: "komm mit", "mach mit", "schaff mit".

Komm mit kann so unter anderem bedeuten, dass Jugendliche aus Kirchheim und der Region Kontakt zu jungen Menschen aus der Paulinenpflege aufnehmen und einen jungen Menschen an ihren eigenen Freizeitaktivitäten, wie zum Beispiel Kino, Freibad, Jugendhaus, Besuche von Veranstaltungen und vielem mehr, teilnehmen lassen. Komm mit kann aber auch einfach sein durch das tägliche gemeinsame Ausführen des Hundes, die Einladung zu regelmäßigen Spiel- oder Vorlesestunden oder "wir treffen uns mit meinen Freunden."

Mach mit bedeutet für die Initiatoren von Tandem, dass Vereine, Gruppen, wie zum Beispiel CVJM, Jugendwerk oder Naturfreunde Kontakt zu jungen Menschen aus der Paulinenpflege aufnehmen, um diese regelmäßig an den Gruppenaktivitäten zu beteiligen. Mach mit kann auch bedeuten gemeinsam einen neuen Hip-Hop im Jugendhaus einzuüben; wir holen dich regelmäßig zur Jugendgruppe ab oder wir gehen regelmäßig ins Tierheim. Mach mit kann aber auch die Aufforderung sein: "wir nähen uns schicke Klamotten."

Ganz wichtig natürlich der dritte Baustein, das Schaff mit. Engagierte Erwachsene fühlen sich an ihrem Arbeits- beziehungsweise Ausbildungsplatz für einen jungen Menschen aus der Paulinenpflege verantwortlich und helfen als Ansprechpartner, Begleiter, Vermittler und Vertrauensperson. Da könnte es zum Beispiel heißen: "wir bauen das Gartenhaus im Schrebergarten weiter, wir räumen regelmäßig die Werkstatt auf, wir arbeiten zusammen im Wald."

"Die Arbeit mit Randgruppen wird immer schwieriger" bedauert Manfred Sigel. Wobei man für die Aktion "Tandem" nicht als Geldspender in den Vordergrund tritt, sondern als Zeit- oder Engagementspender. Jetzt setzt man bei der Paulinenpflege auch auf den samstäglichen Informationsstand auf dem Kirchheimer Marktplatz. Ansprechpartner für das Projekt ist Margret Huber. Interessierte erreichen sie in der Paulinenpflege unter der Telefonnummer 0 70 21/50 08 70.