Lokales

Eklat in der Bürgerfragestunde

Verärgerter Bissinger wirft Schultes Vetterleswirtschaft vor – Streitobjekt Haubrücke

Zu einem Eklat ist es gleich in der ersten Sitzung des Bissinger Gemeinderats im neuen Jahr gekommen. Ein Bürger hat Bürgermeister Wolfgang Kümmerle indirekt der Vetterleswirtschaft bezichtigt.

richard umstadt

Bissingen. Eigentlich läuft im Bissinger Gemeinderat die Einwohnerfragestunde friedlich und wie gewohnt ab: der immer selbe Bissinger Bürger stellt in der Regel drei Fragen und Bürgermeister Kümmerle beantwortet sie oder gibt sie zur Bearbeitung weiter. Nicht so in der jüngsten und ersten Ratssitzung im neuen Jahr. Neben dem gewohnten Frage-Antwort-Ritual waren deutlich Missklänge zu hören. Ein als Naturschützer bekannter Einwohner warf dem Schultes vor, er lasse sich von einem bestimmten Landwirt „am Steckele und dem Schnürle da­ran“ führen und mache alles, was dieser wolle. Auf gut Schwäbisch Vetterleswirtschaft oder auf hochdeutsch, Wolfgang Kümmerle sei die Marionette des Pferde- und Galloway-Besitzers im Bissinger „Loch“.

Dagegen verwahrte sich der Bürgermeister in aller Form und rief den Bürger auf, er solle Ross und Reiter nennen und ihm beweisen, wo er solchermaßen beeinflussbar gewesen sei.

Stein des Anstoßes bildete die schon seit rund zehn Jahren marode Hintere Haubrücke über den Linsenbach. Im Zuge des Baus seines neuen Hofes genehmigte der Gemeinderat dem Pferde- und Galloway-Besitzer, das Bogenbrückle interimsweise mit Baggermatratzen zu belegen und zu verbreitern. Dazu musste der Feldweg mit Schotter bis zu den rund 30 Zentimeter starken Baggerplatten aufgefüllt werden. Im Verlaufe der Fahrten zum und vom Hof über die Schotterpiste blieb es nicht aus, dass Steine in die Baumwiesen neben dem Weg gedrückt wurden, was weder die Wieslebesitzer noch deren Rasenmäher besonders erfreute. Außerdem lief bei starkem Regen Wasser vom erhöhten Feldweg in die Wiesen und blieb dort stehen – ebenfalls zum Ärger der Grundstückseigner. Für den naturbegeisterten Anlieger war das Maß voll. Der Bürgermeister habe ihm damals zugesagt, dass die kaputte Feldwegbrücke gerichtet und in diesem Zuge der Weg wieder auf sein ursprüngliches Niveau abgesenkt wird. Knapp neun Jahre lang sei nichts geschehen, klagte der Bissinger. Bürgermeister Wolfgang Kümmerle wies darauf hin, dass er dafür nicht die Verantwortung trage. Die Gemeinde habe die Hintere Haubrücke instand setzen wollen und deshalb Studenten der Fachhochschule Nürtingen beauftragt, Lösungen für eine haltbare Bachquerung zu finden. Die Studierten legten drei Varianten vor, darunter auch eine Holzbrücke. Der Gemeinderat konnte sich jedoch nicht zu dieser Brücke durchringen. Den Bürgervertretern waren die Kosten zu hoch. So hielt die Interimslösung bis heute, denn auch eine Anfahrt zum Hof über die Vordere Haubrücke hielt als Alternative einer Kalkulation nicht stand – mit rund 70 000 bis 80 000 Euro zu teuer.

Einmal pro Jahr, und zwar immer im Rahmen der Haushaltsberatungen, hatte Bürgermeister Kümmerle auf den unhaltbaren Zustand der Hinteren Haubrücke hingewiesen. Vor einem Jahr nun im Rahmen der Brückenüberprüfungen nahm der Gemeinderat den Vorschlag des Büros Hettler und Partner auf, die Feldwegbrücke abzubrechen und durch Stahlbetonfertigteile zu ersetzen. Elf Angebote von Baufirmen gingen inzwischen ein. Den Zuschlag erhielt in jüngster Ratssitzung ein Kirchheimer Unternehmen zum Angebotspreis von 45 727 Euro. Das Bauvorhaben soll möglichst bald in Angriff genommen und der Feldweg aufs ursprüngliche Niveau zurückgebaut werden, wie der Bürgermeister sagte. Zuvor aber will Wolfgang Kümmerle die Anlieger über die Pläne der neuen Brücke informieren.

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